OÖN: Pater Ecklbauer, wie stark sind die neun Dörfer Ihrer Pfarre betroffen?
Ecklbauer: Ich bin in telefonischem Kontakt. Es sind 30 Familien betroffen. Sie konnten aber flüchten, bevor das Wasser kam. Sie haben jetzt nur noch, was sie am Leib tragen oder in einem Bündel mitnehmen konnten. Wie viele Häuser zusammengefallen sind, weiß ich nicht. Einige Familien hatten Glück: Da ist das Wasser direkt vor der Haustür stehen geblieben.
OÖN: Konnte Ihre Pfarre helfen?
Ecklbauer: In zwei unserer neun Schulen sind 500 Flüchtlinge untergebracht, vor allem Moslems. Sie haben alles verloren. Mein Kaplan gibt ihnen pro Tag einmal etwas zu essen, mehr können wir uns nicht leisten. Und wir bauen neue Toiletten. Momentan gibt es nur zwei. Ich schicke ihm halt immer wieder Geld. Wir hatten heuer eine Missernte, die Situation war vor der Überschwemmung schon schwierig. Jetzt hat sich alles um ein Vielfaches verschlimmert.
OÖN: Was wird jetzt am dringendsten benötigt?
Ecklbauer: Jetzt müssen die Leute mit dem Nötigsten versorgt werden. Die Erste Hilfe läuft nur schleppend an. Bei uns im Westen wird Pakistan mit den Taliban gleichgesetzt. Viele sagen: Wir geben kein Geld für Terroristen. Für mich, der dort lebt, ist das Unsinn. Pakistan war bisher kein Pulverfass, wie es immer wieder heißt. Doch wenn der Hunger kommt, könnte Pakistan zu dem Pulverfass werden, für das es immer gehalten wird.
OÖN: Warum?
Ecklbauer: Weil dann die Taliban einspringen. In unsere Pfarre kam einige Tage lang eine radikale religiöse Organisation und hat den Menschen ein zweites Essen am Tag gegeben. Da hat dann die Bevölkerung den Eindruck: Ja, die helfen uns. Die Regierung sieht man nicht. Die Leute in Österreich sollen den großen Organisationen spenden, damit so etwas nicht passieren kann.
OÖN: Wird es noch das gleiche Pakistan sein, wenn Sie zurückkehren?
Ecklbauer: (mit Tränen in den Augen) Nein. Viele Dörfer sind vom Erdboden verschwunden. Viele, viele haben noch überhaupt keine Hilfe gesehen. Und irgendwann kommt der Hunger. Es ist so uferlos.
OÖN: Sie sagen, Christen sind im überwiegend moslemischen Pakistan Menschen zweiter Klasse. Wie lebt man da?
Ecklbauer: Es herrscht eine Atmosphäre der Verachtung, die aber langsam besser wird. Und man kommt schwerer zu seinem Recht. Unsere Leute müssen ums Land streiten, das ihnen die Muslime wegnehmen wollen. Wir führen jetzt zwei Prozesse gegen den Staat, in die wir große Hoffnungen setzen. Das alles nimmt sehr viel Zeit und Energie und ist oft frustrierend.
OÖN: Warum sind Sie mit 41 Jahren Missionar geworden?
Ecklbauer: Ich hatte schon im Studium die Sehnsucht, unter den ganz Armen zu leben. Dann war ich 14 Jahre in Tschechien. In einem Sabbatjahr ist dieses Verlangen immer stärker geworden. Die erste Möglichkeit war Pakistan.
OÖN: Was lernen Sie von den Menschen in Pakistan?
Ecklbauer: Erstaunliches Durchhaltevermögen. Das Gebiet meiner Pfarre ist eigentlich Wüste, es gibt Temperaturen bis zu 50 Grad, manche haben nicht einmal Trinkwasser. Die Menschen sind arm, aber leben in Würde. Und sind für das Wenige, das sie haben, dankbar.
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