OÖN: Wann beginnt Ihr Marathon-Tag, Herr Lehner?
Lehner: Der beginnt um 6 Uhr im Brucknerhaus. Denn auch für mich gelten die Sperren und dass ich nicht zufahren kann. Ab 6.30 Uhr ist Kleiderabgabe. Da schau ich, ob alles läuft und funktioniert. Dann geh ich eine Runde über Pfarrplatz und Hauptplatz. Um 8 Uhr spätestens bin ich auf der Voest-Brücke. Dort geht es darum, die Sponsoren zu betreuen, zu schauen, dass jeder sein Interview bekommt. Um 8.30 Uhr starten die Handbiker. Anschließend konzentriert sich alles auf den Massenstart um 9 Uhr. Das dauert 10 bis 15 Minuten, bis sich alle in Bewegung setzen und weg sind.
OÖN: Würden Sie da nicht gerne selber mitlaufen?
Lehner: Ich bin dreimal mitgelaufen, immer den Viertel-Marathon, und ich hab es voll genossen. Man steht lauter unter sportbegeisterten Menschen, es gibt kein Jammern. Jeder freut sich einfach und will beweisen, dass er gut trainiert hat. Es herrscht totale Aufbruchstimmung. Manche sind nervös und massieren sich ständig. Andere sind wieder extrem lustig oder angespannt. Eine tolle Stimmung.
OÖN: Was ist anstrengender: die Zeit der Vorbereitung oder der Marathon-Tag?
Lehner: Der Marathon-Tag ist quasi die Erlösung. Ab 15 Uhr fällt die Anspannung. Bis dahin ist man trotzdem immer angespannt, dass nichts passiert, dass die Straßen frei sind, der Lauf schnell ist, die Ziellabe funktioniert. Es gibt ungeheuer viele Punkte, und die Erleichterung ist groß, wenn man die Rückmeldung bekommt, es passt alles.
OÖN: Wann haben Sie sich zuletzt nach dem Wetter erkundigt?
Lehner: Gerade vor fünf Minuten hab ich mit der Flugwetterwarte Hörsching telefoniert. Für Sonntag ist es nicht sehr prächtig. Es wird eher kühl werden mit leichtem Wind. Ich glaub allerdings nicht, dass sich das auf die Nachnennungen auswirkt. Der, der laufen will, kommt ohnehin. Es ist halt einfach kühler. Das ist das Risiko bei einer Open-Air-Veranstaltung. Beim ersten Marathon hat es ab Mittag geschneit. Das war am 14. April 2002.
OÖN: Sie sind einer der Gründungsväter des Linz-Marathons. Wie wurde die Idee geboren?
Lehner: Interessanterweise haben unabhängig voneinander die Stadt Linz, die LIVA und auch die OÖNachrichten Gespräche geführt. Als sich die entsprechenden Personen, die Linzer Vizebürgermeisterin Christiana Dolezal, OÖN-Chefredakteur Gerald Mandlbauer und ich, gefunden haben, haben wir gemeinsam nachgedacht: Wie gehen wir das an? Das war der Beginn dieser Erfolgsgeschichte. Dazu kommen die Sponsoren, die kontinuierlich dabeigeblieben sind.
OÖN: Gab’s gar keine Probleme?
Lehner: Ich weiß noch, als ich vor dem ersten Marathon mit der Polizei im Auto mitgefahren bin. Die konnten sich nicht vorstellen, dass man in Linz so etwas machen kann. Aber wenn es in New York, London und Paris geht, dann wird es wohl auch in Linz gehen. Am Anfang war schon Gegenwind da, aber mittlerweile ist die Polizei ein toller Partner.
OÖN: Hätten Sie sich gedacht, dass sich der Linz-Marathon derartig entwickelt?
Lehner: Nein, ehrlich gesagt nicht. Wir hatten im ersten Jahr 5600 Läufer, gerechnet hatten wir mit 3000. Da hat man schon gewusst, das hat Potenzial. Wir haben uns dann jährlich um zehn bis 15 Prozent gesteigert.
OÖN: Hat der Linz-Marathon sein Limit mit 15.000 Startern nun erreicht?
Lehner: Ich glaube, dass es das ist, was Linz und Oberösterreich hergibt und dass wir in Linz 25.000 Läufer wie in Wien nicht bewältigen könnten. Außerdem müssten wir unsere Philosophie verlassen und könnten nicht mehr die Qualität bieten, bei den Labestationen etwa oder im Zielbereich. Alles würde sehr anonym werden. Wir haben einen Qualitätsanspruch, den wir bei dieser Teilnehmerzahl garantieren können.
OÖN: Ihr schönster Marathon-Moment?
Lehner: Das war 2007, als Alexander Kuzin mit 2:07,33 die schnellste Marathon-Zeit in Österreich in Linz gelaufen ist. Das ist, was hält. Das grämt andere Veranstalter, dass in Linz das gelungen ist. Mein schönster, innerer Marathon-Moment ist jedes Jahr wieder der Juniormarathon im Donaupark.
Herrn LIVA-Lehner sei Dank: Schöner kann mann den Größenwahn der Linzer Dorfgewaltigen kaum auf den Punkt bringen.
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