Zahlreiche Ansfeldnerinnen und Ansfeldner, aber auch viele Menschen jenseits der Grenzen der Brucknerstadt kamen gestern Nachmittag auf den Friedhof, um Abschied zu nehmen. Per Auto, zu Fuß, mit dem Rad, mit Kinderwägen und mit Gehhilfen. Junge und ältere.
Schon vor der offiziellen Öffnung der Halle sammelten sich davor die Menschen. Geduldig warten sie in einer langen Schlange, um sich am Sarg von Walter Ernhard verabschieden zu können. Eingerahmt von zwei Kerzen und vier Feuerwehrmännern erinnert ein Foto an den schillernden Stadtchef. So, wie man ihn kannte und gern in Erinnerung behält: lachend, mit seinem Liebling, Hund Pius, auf dem Arm.
Dickes Kondolenzbuch
Daneben das bereits zu gut einem Drittel gefüllte, dicke Kondolenzbuch. Wer nicht in den vergangenen Tagen schon auf dem Stadtamt ein paar letzte Worte an Ernhard und seine Familie hinterlassen hat, tut es jetzt.
Trauer und Entsetzen, aber auch Fassungslosigkeit sind bei den Menschen immer noch groß. Warum Walter Ernhard sich entschieden hat, seinem Leben ein Ende zu setzen, kann sich nach wie vor niemand so recht erklären. „Ich habe keine Ahnung, was in ihm vorgegangen ist. Man kann in keinen Menschen reinschauen“, sagt ein ehemaliger Stadtamtsmitarbeiter. „Aber es ist tragisch. Er wird uns sehr fehlen.“
„Er war nie ein Weichei“
„Ich hatte nicht das Gefühl, dass er sich in der Politik aufgerieben hat. Er war nie ein Weichei“, sagt Karl Neumüller. Als Kollegen und Sportsfreund hatte der Ansfeldner Pensionist Walter Ernhard gekannt, war schon mit ihm aufgewachsen. Mit dieser Entscheidung des Stadtchefs hätte auch der 66-jährige ehemalige Mitarbeiter der Nettingsdorfer Papierfabrik nie gerechnet.
Bei Sonnenschein, aber eisigen Temperaturen herrscht ein reges Kommen und Gehen. Einer, der kommt, ist auch Werner Ringer, Leiter des Integrationsbüros der Volkshilfe in Traun. Schon aus der Betriebsrats- und Gewerkschaftstätigkeit hatten Ringer und Ernhard sich gekannt. Auch wenn sie nicht immer einer Meinung gewesen seien, sei für ihn selbstverständlich, zur Verabschiedung zu kommen, so Ringer.
Die letzte Ehre
Ebenso für Vertreter anderer Parteien, die dem Langzeitbürgermeister die letzte Ehre erweisen. Die Kommunalpolitik schweigt an diesem Tag.
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