Kerzen, Blumen. Darüber ein großes Bild von Bürgermeister Walter Ernhard. Immer wieder bleiben Menschen vor dem Ansfeldner Stadtamt stehen. Die schwarze Fahne flattert im Wind. Die Fassungslosigkeit ist groß. Die Trauer noch größer.
„Er war so gut zu den Leuten. Mir ist so leid um ihn“, sagt eine Pensionistin und wischt sich die Tränen vom Gesicht. Dass ihr Bürgermeister diesen letzten, finalen Schritt gesetzt hat, das können und wollen die Ansfeldnerinnen und Ansfeldner nicht fassen.
Aus heiterem Himmel
„Ich wart’ immer, dass er bei der Tür hereinkommt“, sagt auch eine Mitarbeiterin des Stadtamtes. Die Nachricht hat sie wie ein Blitz aus heiterem Himmel getroffen. „Wir haben kurz davor noch mit ihm telefoniert! Und wir haben jahrelang zusammengearbeitet! Da verbringt man mehr Zeit miteinander als mit dem Ehepartner... Wenn er doch einmal gesagt hätte, dass er Hilfe braucht!“
Wie die ganze Stadt rätseln auch die Mitarbeiter des freiwillig aus dem Leben Geschiedenen, was der Auslöser gewesen sein könnte. Anfeindungen, die erst kürzlich im Zusenden einer Pralinenschachtel mit zwei toten Mäusen und einem Brief mit Anschuldigungen gipfelten? Gesundheitliche Probleme? Die angespannte finanzielle Situation der Gemeinde? Die Prüfung durch das Land Oberösterreich? „Das wusste wahrscheinlich nur er allein. Wir wissen momentan gar nichts. Es ist, als wäre das Hirn ausgeknipst.“
Anderes Ende gewünscht
Vor dem Stadtamt denkt Alois Peterwagner über die Motive nach, die den Stadtchef bewogen haben könnten. Der 70-Jährige kannte den 1953 in Ansfelden geborenen Politiker von Kindesbeinen an, verfolgte dessen Laufbahn vom Lehrling zum Betriebselektriker und Betriebsratsvorsitzenden der Nettingsdorfer Papierfabrik, den Einstieg in den Gemeinderat 1979 und den Weg bis zum Bürgermeister im Juni 1995. „Ich hätte ihm ein anderes Ende gewünscht“, sagt der Pensionist.
Rücktrittsforderungen
Immer wieder werden vor dem Stadtamt Stimmen über die Arbeit der politischen Mitbewerber laut. „Die Kampagne der VP war ein Wahnsinn“, sagt auch Alois Peterwagner. So sei Ernhard etwa zum Rücktritt aufgefordert worden.
„Ja, da waren Rücktrittsforderungen dabei. Aber das ist in der Politik gang und gäbe“, sagt VP-Vizebürgermeisterin Andrea Hettich, die den Vorwurf nicht auf sich sitzen lassen will. Auch sie zeigt sich tief betroffen über den Abgang einer ebenso beliebten und schillernden wie auch polarisierenden Persönlichkeit.
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