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Zweite Schienenachse durch Linz: Gute Idee, aber wer soll sie bezahlen?

LINZ. Landesrechnungshof prüft Verlängerung der Mühlkreisbahn und bremst damit das Projekt.

Die zweite Schienenachse durch Linz: Gute Idee, aber wer soll sie bezahlen?

Eine Straßenbahnachse für Linz scheint auf Dauer zu wenig zu sein, um Stau zu vermeiden. Bild: Weihbold

So schnell wird es also nichts werden mit der zweiten Schienenachse in Linz. Die Stadtväter in Person von Bürgermeister Klaus Luger (SP) und Verkehrsstadtrat Markus Hein (FP) haben die Planungsarbeiten, wie berichtet, gestoppt. Es sei nicht abzusehen, was der Landesrechnungshof bei seiner Prüfung der Einbindung der Mühlkreisbahn in die Straßenbahnachse herausfinden wird.

Eine einleuchtende Argumentation, die aber am Kern der Problematik vorbeigeht. Die lautet nämlich: Wer soll die kolportieren 400 Millionen Euro an Errichtungskosten überhaupt stemmen? Land wie Stadt scheinen angesichts selbst verordneter Sparpakete oder hoher Schulden nicht in der Lage zu sein, dieses Projekt zu finanzieren.

Ein sinnvolles Projekt

Dabei gibt es an der Sinnhaftigkeit der zweiten Straßenbahnachse durch Linz wenig Zweifel. Die bestehende Nord-Süd-Linienführung durch die Innenstadt ist längst an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt. Abgesehen davon ist das System anfällig. "Passiert eine Kleinigkeit in diesem Bereich, steht das Straßenbahnnetz in Linz still", sagt ein Kenner des öffentlichen Verkehrs. Angesichts von 110 Millionen Fahrgästen im Jahr ein Szenario, das man sich nicht vorstellen will.

Mit der über die neue Donaubrücke und die Gruberstraße bis zum Europaplatz geplanten zweiten Straßenbahnachse, die großteils unterirdisch geführt würde, könnte der öffentliche Verkehr in Linz deutlich verbessert werden, vor allem in der Ost-West-Verbindung, heißt es seit Jahren aus der Linz AG.

Angesichts des sich in den kommenden Jahren weiter steigenden Verkehrsaufkommens in der Stadt, wäre dies also verkehrspolitisch eine Notwendigkeit, um Alternativen zum jetzigen Stauchaos auf den Straßen von Linz zu den Stoßzeiten anbieten zu können.

Jetzt also über die Sinnhaftigkeit der zweiten Schienenachse politisch zu debattieren, ist völlig verkehrt. Warum dies das Land Oberösterreich dennoch tut, liegt an der Mühlkreisbahn. Verkehrs-Landesrat Günther Steinkellner (FP) ist seit Amtsantritt im Herbst 2015 von der Idee begeistert, dass die Verlängerung der Mühlkreisbahn über die zweite Schienenachse bis zum Hauptbahnhof ein großer Wurf im öffentlichen Verkehr der Stadt Linz wäre.

Kosten-Nutzen-Analyse fehlt

Abgesehen davon, dass dieses Projekt fast schon so lange wie die vierte Linzer Donaubrücke durch Schreibtische und Schubladen von Planern und politischen Verantwortlichen bei Stadt und Land gewandert ist: Dieses Projekt wurde stets nur im Sinn einer technischen Machbarkeit beleuchtet, nie aber einer ehrlichen Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen. Allein die Verlängerung der Mühlkreisbahn würde rund 280 Millionen Euro an Kosten verschlingen, zeigen landesinterne Berechnungen. Für 177 Fahrgäste, die derzeit am Mühlkreisbahnhof ankommen und zum Hauptbahnhof wollen. Der Rest der täglich 2300 Passagiere habe sein Ziel eher in Urfahr bzw. in der Innenstadt, belegen Verkehrszählungen des Landes.

Für diese 280 Millionen Euro müsste aber alleine das Land aufkommen. Es ist durchaus denkbar, dass der Rechnungshof die Wirtschaftlichkeit in Frage stellt und somit den Landes-Verantwortlichen einen eleganten Ausstieg aus dem Projekt ermöglichen würde. Die Verkehrsprobleme im Großraum Linz würden aber auch damit nicht gelöst.

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Artikel Reinhold Gruber 30. Oktober 2017 - 00:05 Uhr
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