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Wenn kühle Hallen zur coolen Kunstzone werden

LINZ. Die Linzer Hafengalerie startete als Spielplatz für Graffiti-Künstler und hat sich mittlerweile zur viel bestaunten und besuchten städtischen Attraktion gemausert.

Wenn kühle Hallen zur coolen Kunstzone werden

Graffitikünstler SizeTwo (im kleinen Bild bei der Arbeit) ist der jüngste Zuwachs in der Linzer Hafengalerie. Sein riesiges Graffitibild entstand über Tage und schmückt die Kühlhalle. Bild: VOLKER WEIHBOLD

Man kann Mural Harbor dazu sagen. Oder einfach nur Hafengalerie. Egal wie. Bemerkenswert bleibt das, was da im Linzer Handelshafen seit knapp sechs Jahren gewachsen ist, auf jeden Fall. Und mittlerweile hat die Graffiti-Kunst auf den riesigen Hallenflächen eine stetig wachsende Fangemeinde gefunden.

Leonhard Gruber, Mann der ersten Stunde und bis heute eine treibende Kraft und wichtige Anlaufstelle in der Hafengalerie, bringt es mit einem Lachen auf den Punkt: "Die Lackdosen-Intoleranz wird immer weniger." Will heißen: Graffiti-Kunst kommt aus dem Untergrund ins Rampenlicht.

Dabei folgten der gebürtige Innviertler und seine Mitstreiter gar keiner Vision, als die spezielle Galerie die ersten Zeichen an Hallenfassaden sichtbar machte. "Wir haben es keineswegs im Kopf gehabt, hier der Graffiti-Kunst einen Raum zur Entfaltung zu geben", erinnert sich Gruber. "Es ist am Anfang sogar ein wenig zur Qual geworden, wie wir gemerkt haben, dass wir Führungen machen müssen, weil die Nachfrage so groß geworden ist." Allein von April bis Juni wurden rund 4000 Besucher gezählt.

Wenn kühle Hallen zur coolen Kunstzone werden

"Viel positives Feedback"

Trotz mancher Extra-Portion Motivation vor den Führungen ist danach stets alles gut, richtig und geil. "Den Leuten taugt es, sie ändern direkt ihre Meinung und geben uns viel positives Feedback."

Fünf Guides sind mittlerweile regelmäßig mit Gruppen in der Hafengalerie unterwegs. Sie sprühen alle selbst, was die Vermittlung der Thematik noch vereinfacht.

Und am Ende einer jeden Führung steht dann der Selbstversuch. "Das ist unser Joker, mit dem wir uns die Leute hereinholen ", sagt Gruber mit einem verschmitzten Lächeln. Einer Stunde des Schauens folgt eine Stunde des Übens. Die Begeisterung der Frischlinge ist dabei groß. "Es ist einfach lustig, auf eine Dose drauf zu drücken."

So ist es mittlerweile ein Gewinn für alle Beteiligten. Die nüchternen Hallen haben viel Farbe angenommen, zur Freude der Hafenleitung, die diese Ausdrucksform von Beginn an massiv unterstützt hat.

Die Graffiti-Künstler aus aller Welt können sich hier austoben.

Und die Besucher tauchen in diese Ausdrucksform ein, können sich selbst versuchen und werden so zu Botschaftern, die wiederum neues Publikum anlocken.

Wenn kühle Hallen zur coolen Kunstzone werden

Angenehmer Zusatz-Effekt

Und da gibt es mittlerweile noch einen finanziellen Aspekt. "Wir haben Einnahmen durch das große Interesse und dadurch, dass die Interessierten bereit sind, sich die Touren etwas kosten zu lassen." Zwischen 15 und 25 Euro kostet ein geführter Besuch in der Galerie. Sprayen inbegriffen.

Heuer rechnet Gruber bereits damit, dass durch die Führungen 20 Prozent der Eigenmittel hereinkommen. Das sei doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Gehe es in diesem Tempo weiter, könnten bald die Hälfte des Museumsbetriebes selbst finanziert werden.

Jüngster Zuwachs in der Galerie unter freiem Himmel ist ein rund 500 Quadratmeter großes Graffiti, das die moderne Kühlhalle im Hafen ziert. Gesprüht hat es mit SizeTwo im Sommer ein Mitglied der jungen Graffiti-Generation. Der Grazer lebt und arbeitet in Berlin, hat sich dort zu einer veritablen Größe der Szene entwickelt.

In Linz musste er einer gewissen Vorgabe folgen. Etwas, das ansonsten nicht üblich ist. Normalerweise sind die Künstler völlig frei in ihrer Motivwahl. Gruber lässt sich nicht einmal eine Skizze vorher schicken. Aber in diesem speziellen Fall bat Hafendirektor Harald Kronsteiner um ein "Kühlthema".

Für den Steirer kein Problem. In zwei fünftägigen Spray-Sessions auf einem Kran, der ihn bis in die Höhe von 43 Metern transportieren konnte, entstand ein cooles Bild. Es zeigt zwei Yetis, die ins Iglu eines Eskimos einbrechen und dabei erwischt werden.

Ob es zu diesem Graffiti in X-Large noch eine spezielle Geschichte gibt, lässt sich möglicherweise erfragen. Bei einer der gefragten Führungen durch die Galerie.

Das Angebot

Mehr als 100 Graffitis von Künstlern aus mindestens 30 Nationen sind im Gelände des Linzer Hafens mittlerweile gesprüht worden. So viel waren es zumindest bei der letzten Zählung.

Die Führungen sind beliebt. Die Bootstour ("Mural Boat") kostet 25 Euro (ermäßigt 20 Euro), der Spaziergang ("Mural Walk") 15 bzw. ermäßigt 12 Euro. Informationen zu den Terminen im Internet unter www.muralharbor.at

Workshops finden sich ebenfalls im Angebot der Hafengalerie. Der fünfstündige Graffiti- Workshop mit Lord Shed kostet 50 bzw. ermäßigt 40 Euro und wird einmal im Monat angeboten. Für den dreistündigen "Stencil Workshop" mit Schablonen-Expertin Bee (Preis: 35 bzw. 30 Euro) gibt es Termine nach Vereinbarung.

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Artikel Reinhold Gruber 28. August 2017 - 00:04 Uhr
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