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Stadtrat ließ Ampelpärchen auf Mozartkreuzung abmontieren

LINZ. Bürgermeister Klaus Luger hat FPÖ-Stadtrat Markus Hein, der die Ampelpärchen von der Mozartkreuzung entfernen hat lassen, aufgefordert, seine "Fehlentscheidung" rückgängig zu machen.

Ampelpärchen in Linz

Die Ampelpärchen sind Geschichte. Bild: Facebook

Schon von Beginn an hatten sich die Linzer Freiheitlichen gegen die Installation von schwulen und lesbischen Ampelpaaren an der Linzer Mozartkreuzung ausgesprochen. Jetzt sind die Ampelpärchen weg. Der seit der Wahl für den Verkehr zuständige Stadtrat Markus Hein (FP) ließ die Schablonen am Wochenende wieder abmontieren und durch herkömmliche Ampelmännchen ersetzen. "Im Straßenverkehr haben Gesinnungen und insbesondere Genderwahn nichts verloren. Der einzige Zweck einer Ampel ist, für mehr Sicherheit im Verkehr zu sorgen und nicht etwa linke Botschaften zu verbreiten", sagt Hein.

Im Juni waren die Ampelpärchen nach einem Spendenaufruf montiert worden - wir berichteten.

Klaus Luger: "Ampelpaare wieder montieren"

Am Marien-Feiertag hat sich der Linzer Bürgermeister Klaus Luger in dem Fall zu Wort gemeldet. Er forderte Stadtrat Hein auf, seine "Fehlentscheidung" rückgängig zu machen und die Ampelpaare wieder montieren zu lassen. "Die gleich- und heterogeschlechtlichen Ampel-Pärchen gehören zu einer modernen Stadt. Sie sind ein Symbol für Gleichbehandlung", so Luger in einer Aussendung. Die Aktion von Verkehrsstadtrat Hein schade dem Ansehen der Stadt: "Das Abmontieren der Ampel-Pärchen ist gesellschaftspolitisch ein völlig falsches Zeichen und erweckt den Eindruck, Linz sei eine kleinkarierte Stadt. Das wollen wir nicht sein!"


Hein selbst hat am Dienstag per Presseaussendung betont, dass die erst im Juni montierten Ampelpärchen ohne Zusatzkosten für die Steuerzahler entfernt wurden: "Mit der zuständigen Magistratsabteilung wurde vereinbart, dass die Ampeln im Zuge von Routinearbeiten ohne Mehraufwand getauscht werden." Zugleich schoss der FPÖ-Stadtrat scharf gegen die Sozialistische Jugend (SJ), die gestern aus Protest Pärchen-Sticker auf die Masten der betroffenen Ampeln geklebt hatte: Denn für die Entfernung der Aufkleber würden sehr wohl Kosten anfallen.

Grüne: "Beschämend"

Die Demontage haben die Grünen heftig kritisiert. Landtagsabgeordneter und Mit-Initiator der Installation, Severin Mayr, findet es "beschämend": "Während anderswo Zeichen gesetzt werden, um Weltoffenheit und friedliches Zusammenleben voranzutreiben", lege der FPÖ-Stadtrat den Rückwärtsgang ein. Anders als mit "Homophobie oder Ewiggestrigkeit" ließe sich das nicht erklären. 

Auf Unverständnis stößt das Entfernen der Ampelpärchen auch bei den "Grünen Andersrum", eine Gruppe von Lesben und Schwulen innerhalb der Grünen. "Die Argumentation von Stadtrat Markus Hein können wir nicht nachvollziehen. Die Verkehrssicherheit leidet sicher nicht unter den Ampelpärchen. Ganz im Gegenteil. Durch diese besonderen Ampeln erfahren sogar mehr Beachtung, was der Verkehrssicherheit nur dienlich sein kann" , sagte deren Sprecher Alexander Handlbaur. Markus Hein solle sich lieber den echten Problemen seines Ressorts annehmen, anstatt Steuergeld dazu zu verschwenden, Symbole für Toleranz gegenüber Homosexuellen entfernen zu lassen.

Ampelpärchen

SJ beklebte Ampeln 

Kritik kommt auch von der Jugendorganisation der SPÖ: Die Sozialistische Jugend (SJ) Linz hat die Ampelstangen bei der Mozartkreuzung kurzerhand selbst wieder mit Ampelpärchen beklebt. "Stadtrat Hein hat unsere Linzer Ampelpärchen ohne Vorwarnung entfernen lassen. Das lassen wir uns nicht gefallen, deshalb haben wir die Pärchen wieder zurück gebracht", sagt Philipp Stadler, Vorsitzender der SJ Linz, die Aktion.

Aus privaten Geldern finanziert

"Die Ampelpärchen wurden ausschließlich durch private Spenden finanziert, FPÖ-Stadtrat Hein hat sie nun ohne jegliche Diskussion mit öffentlichen Geldern entfernen lassen. Das zeugt von außerordentlich schlechtem Stil", sagt Stadler und weiter: "Die gleichgeschlechtlichen Ampelpaare sind ein Zeichen der Vielfalt. Für Markus Hein sind offenbar sogar vielfältige Ampeln zu fortschrittlich." Auch die SJ nennt das Vorgehen "homophob und ewiggestrig" und fordert Stadtrat Hein auf, die Ampelpärchen wieder zu montieren.

Protest auf Facebook

Die Facebookgruppe "Linz wehrt sich: Gebt uns unsere Ampelpärchen zurück" fordert mit Slogans wie "Linz darf nicht Russland werden", dass die Ampelpaare wieder zurück an die Mozartkreuzung gebracht werden. Mehr als 420 Unterstützer hat die Initiative binnen weniger als 24 Stunden mobilisieren können - Tendenz steigend. 

 

https://m.youtube.com/watch?v=lM57uZSNhQw Freiheit für alle! Freiheit für die Ampel-Pärchen!

Posted by Linz wehrt sich: Gebt uns unsere Ampelpärchen zurück on Montag, 7. Dezember 2015

Medien aus aller Welt berichteten

Weit über die Grenzen Österreichs hinaus hat der Fall der abmontierten Linzer Ampelpärchen Aufmerksamkeit erregt. Neben großen deutschsprachigen Medien wie Welt, Focus und Zeit hat auch die britische BBC und das Time-Magazine über den Fall berichtet. Auch in die Online-Versionen vom britischen Telegraph und dem West Australian haben es die Paare geschafft. 

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Artikel nachrichten,at 08. Dezember 2015 - 12:01 Uhr
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Aus für Linzer Ampelpärchen

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