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Linzer Lerntafel startet mit Nachhilfe für jene, die sie sich nicht leisten können

LINZ. Kostenloses Angebot für sozial schwache Kinder: Team um Amra Beganovic ist startbereit.

Linzer Lerntafel startet mit Nachhilfe für jene, die sie sich nicht leisten können

Das Lerntafel-Team für Linz: Roland Schwandner, Julia Riener, Amra Beganovic und Gregor Reinthaler (v.l.). Bild: Gregor Graf

Wenn ein Fünftel der Kinder in Oberösterreich nach Abschluss der Pflichtschule nicht sinnerfassend lesen kann, dann stimmt etwas nicht. Amra Beganovic will nicht einfach hinnehmen, dass dies so bleibt. Deshalb entsteht derzeit nach dem Vorbild von Wien und Wels auch in Linz eine Lerntafel.

Das Ziel des gemeinnützigen Vereins: Kindern aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien kostenlos Nachhilfe anbieten zu können. Denn jedes Kind habe ein Recht auf Bildung.

Die in Enns lebende Soziologin weiß, wie wichtig der Zugang zu Bildung ist. 1994 kam sie als Flüchtling aus Bosnien nach Oberösterreich. "Ich konnte nicht Deutsch und wusste nicht, wie das Bildungssystem hier aufgebaut ist. Menschen haben mir gezeigt, wie alles funktioniert", sagt Beganovic.

Jetzt will die Mutter von drei Töchtern mit der Linzer Lerntafel jungen Menschen im Alter von sechs bis 14 Jahren einen Weg zeigen, der zu einer "gescheiten Ausbildung" und später zu einem Beruf führt. Fachkräfte seien die Zukunft. Und eine entsprechende Bildung sei die Basis dafür. "Wenn wir nur der Hälfte der Kinder, die zu uns kommt, den Weg zeigen, dann haben wir es geschafft." Denn Bildung sei auch ein Schlüssel für die Integration. "Ich habe zuerst die Sprache und dann die Menschen kennengelernt."

Noch steht die Lerntafel in Linz am Anfang. Das Team besteht mit Beganovic aus vier Personen, die sich alle ehrenamtlich engagieren. Entsprechende Räumlichkeiten für die Nachhilfe, die vorerst einmal auf Deutsch, Englisch und Mathematik beschränkt ist, sind schon in Sicht, wie Beganovic sagt. Mit Beginn des nächsten Schuljahres im Herbst will die Lerntafel starten.

Zusammenarbeit mit Schulen

Wie funktioniert nun die Lerntafel? Kinder, deren Eltern sich Nachhilfe nachweislich nicht leisten können und die Schwächen haben, erhalten zwei Einheiten zu je 50 Minuten wöchentlich. Unterstützt werden sie von den ehrenamtlichen Lernhelfern, so lange sie es brauchen. Keineswegs sei die Lerntafel aber eine Nachmittagsbetreuung, so Beganovic.

Wie erreicht man sozial benachteiligte und lernschwache Kinder? Die Lerntafel sucht hier die Zusammenarbeit mit Schulen und hofft auf die Vermittlung von Lehrern. Dass das System funktioniere, zeige Wien. Dort gibt es die kostenlose Nachhilfe seit sechs Jahren. 250 freiwillige Helfer haben seither 150.000 Übungseinheiten abgehalten.

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Artikel Reinhold Gruber 20. Juni 2017 - 00:04 Uhr
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