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Heiratsschwindler 2.0: So gehen die Liebesbetrüger aus dem Internet vor

LINZ. "Ich kann nicht aufhören, an dich zu denken. Deine Nachricht zu lesen, hat mein Herz schmelzen lassen." Eine Linzerin wurde Opfer von Kriminellen – Nun warnt sie andere Frauen vor deren Tricks.

Heiratsschwindler 2.0: So gehen die Liebesbetrüger aus dem Internet vor

Martina M. überwies 3300 Euro. Bild: wal

"Ich kann nicht aufhören, an dich zu denken. Deine Nachricht zu lesen, hat mein Herz schmelzen lassen." Mit süßen Worten umgarnte ein gewisser "Jason Anderson" die Linzerin Martina M. Nach dem Ende einer turbulenten Beziehung hatte sich die 58-Jährige im September 2016 auf einer Dating-Seite im Internet angemeldet.

Sie war angetan von dem feschen Mann, der sich als 56-jähriger Norweger ausgab. Er schrieb, er sei Witwer und auf einer Bohrinsel in Schweden beschäftigt. Früher habe er in Linz gearbeitet, besitze noch eine Wohnung hier und wolle wieder nach Oberösterreich zurückkehren. Rasch war die Rede von einer gemeinsamen Zukunft.

Doch dann bat Jason Anderson sie um Geld. "Er hat gesagt, er brauche es, um seine Arbeiter zu bezahlen, sonst könne er nicht aus Norwegen weg", erzählt Martina M. "Ich habe ein Bild verkauft und ihm in zwei Tranchen insgesamt 3300 Euro überwiesen. Er forderte mehr, vor Weihnachten wollte er gar 30.000 Euro."

Hinweise auf Kriminelle

Da dämmerte es Martina M. Google-Recherchen ergaben, dass der Mann auf den Fotos des vermeintlichen Jason Anderson in Wahrheit ein deutscher Blogger war. Kriminelle hatten dessen Fotos gestohlen und damit ein falsches Profil angelegt. Sie war Opfer eines modernen Heiratsschwindlers geworden. Martina M. erstattete Anzeige. Die Täter, die meist im Ausland sitzen, werden aber so gut wie nie erwischt.

Jetzt möchte sie andere Nutzer von Dating-Portalen vor Kriminellen warnen. "Ich empfehle allen, den Namen ihrer Chat-Partner in Google gemeinsam mit dem Begriff "Scammer" einzugeben und zu schauen, ob sie in einem Anti-Scam-Forum auftauchen", sagt sie. "Scam" ist englisch für Trickbetrug und wird oft für diese Form der Gaunerei verwendet. "Alarmzeichen sind, wenn jemand angibt, in der Nähe des eigenen Wohnorts zu leben oder gelebt zu haben, aber nur auf Englisch schreibt und einen gleich mit Liebesschwüren überhäuft", sagt Martina M.

Spätestens wenn Geldforderungen kommen, sollte man den Kontakt abbrechen, rät Gerald Sakoparnig, Leiter der Betrugsabteilung des Landeskriminalamtes Oberösterreich. Ehrlichkeit gegenüber sich selbst sei angebracht: "Ein älterer Herr sollte sich fragen, ob sich eine attraktive 20-Jährige wirklich in ihn verlieben würde."

Hohe Dunkelziffer

Pro Jahr werden nur etwa fünf derartige Fälle in Oberösterreich angezeigt. Die Dunkelziffer ist unbekannt, weil die Opfer aus Scham schweigen. Und obwohl manche Zehntausende Euro überweisen, ist der Schmerz über die enttäuschte Liebe noch größer als der finanzielle Schaden. Auch bei Martina M. hat die Erfahrung emotionale Spuren hinterlassen: "Männern kann ich überhaupt nicht mehr vertrauen."

 

Profil der Betrüger

 

Männliche Betrüger geben häufig vor, seriöse Berufe zu haben, weibliche benützen Fake-Fotos von jungen, attraktiven Frauen. Häufig tischen sie rührende Lebensgeschichten auf, erzählen beispielsweise von Todesfällen in der Familie. Sie loten die Bedürfnisse ihrer Opfer aus und gehen auf sie ein. Sie kündigen Besuche an und bitten dafür die Opfer um Geld. Die zahlen – aber der Besuch bleibt aus

 

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Artikel Luise Walchshofer 19. Juni 2017 - 00:05 Uhr
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