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Für „Schwierigste der Schwierigen“: Schule im Wagner-Jauregg-Spital

LINZ. Schulangst, Selbstverletzung, Aggressionen, Mobbing: Die Patienten der Jugendpsychiatrie im Wagner-Jauregg-Krankenhaus haben nicht selten traumatische Erlebnisse zu verarbeiten. In die Schule müssen sie trotzdem – aber sie dürfen in eine ganz besondere.

Für „Schwierigste der Schwierigen“: Schule im Wagner-Jauregg-Spital

Sieben Lehrer lehren an der Schule im Wagner-Jauregg-Spital, Robert Katzmair (l.) leitet, Monika Giegler (l.) koordiniert. Bild: hes

Zwei Klassen, zwei Gruppenräume, eine Bibliothek: Das ist der Schultrakt in der Jugendpsychiatrie. Im Aufenthaltsbereich steht ein Sofa, im Gang wurde ein Bewegungsparcours aufgebaut. Während in einer Klasse eifrig gelernt wird, dröhnt aus dem Nebenzimmer ein Bohrer: Werkunterricht.

Jeder der Schüler hier hat eine bewegte Vergangenheit – die Diagnosen reichen von Verhaltensstörungen über Schulverweigerung, Trennungs- oder depressive Ängste bis zu Mobbing und Verwahrlosung.

Die Schule soll den jungen Patienten zwischen zehn und 15 Jahren wieder ein Stück Alltag, Struktur, Halt geben. „Zu uns kommen jene Schüler, die aus dem Schulsystem herausfallen“, sagt Lehrerin Monika Giegler. „Die Schwierigsten der Schwierigen.“

Lernen ist an dieser Schule wichtig, jeder erhält ein individuelles Programm, das mit der Stammschule abgesprochen ist. Sogar die Schularbeiten werden von dort geschickt und benotet. Noch wichtiger als Lernen ist den Lehrern hier aber die Beziehungsarbeit: „Wir wollen, dass die Schüler bei uns wieder Freude an der Schule bekommen. Jeder darf so sein, wie er ist“, sagt Giegler.

Drei bis acht Wochen

Im laufenden Schuljahr wurden in den drei Klassen 132 Schüler betreut. Durchschnittlich bleiben sie zwischen drei Wochen (wenn sie stationär aufgenommen wurden) und acht Wochen (in der Tagesklinik). Der Standort im Wagner-Jauregg-Spital ist einer von vier der Linzer Heilstättenschule, die im Zentrum Spattstraße, in der Landesfrauen- und Kinderklinik und dem Spital der Barmherzigen Schwestern weitere elf Klassen hat. „Die Arbeit in der Schule ist ein Teil des Genesungsprozesses“, sagt Direktor Robert Katzmair.

„Mut für das normale Leben“

Das bestätigt Werner Leixnering, Leiter der Jugendpsychiatrie-Abteilung: „Die Lehrer sehen im Unterricht sehr viel, was der Arzt im diagnostischen Gespräch oft nicht erkennen kann. Sie sind ein wichtiger Teil unserer Abteilung.“ Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer weist darauf hin, dass die Schule im Grenzbereich zwischen Schule und Medizin agiere: „Eine besondere Form der Beschulung.“

Genau diese Kooperation vieler Experten für das Wohl der Kinder reizt Lehrerin Monika Giegler: „Unser Ziel ist es, die Kinder so zu stabilisieren, dass sie wieder Mut bekommen für das normale Leben.“

 

Längere Betreuung der Schüler gefordert

Die Heilstättenschule in den Linzer Kliniken dürfen Schüler nur bis zur Vollendung der Schulpflicht besuchen – dann ist Schluss. Für den Primar der Jugendpsychiatrie-Abteilung im Wagner-Jauregg-Krankenhaus, Werner Leixnering, ist das unverständlich: „Es wäre wünschenswert, wenn die Betreuung auch auf Oberstufenschüler ausgeweitet würde.“ Der Anteil von älteren Patienten in der Jugendpsychiatrie steige – derzeit sind es fünf. Landesschulratspräsident Fritz Enzenhofer will sich für die Ausweitung einsetzen: „Wir haben schon mit dem Unterrichtsministerium Kontakt aufgenommen.“

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Artikel hes 02. Februar 2012 - 00:04 Uhr
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