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Die Überflieger vom Mariendom: Am Kletterseil auf dem Kirchturm

LINZ. Domhüttenmeister Fraundorfer überprüft den Turmhelm des Doms auf etwaige Schäden.

Die Überflieger vom Mariendom: Am Kletterseil auf dem Kirchturm

Ein ungewöhnlicher Ort für eine Abseilübung. Bild: Weihbold

Auf dem Platz vor dem Mariendom stehend ist Gerhard Fraundorfer kaum zu sehen. Nur sein gelber Helm verrät, dass hoch oben, knapp unterhalb des Kreuzes auf dem Kirchturm in 132 Metern Höhe, ein Mensch an einem Kletterseil hängt.

Fraundorfer ist Domhüttenmeister des Mariendoms. Zu seinen Aufgaben gehört es, alle zwei Jahre die Spitze der Kathedrale zu überprüfen, um etwaige Schäden festzustellen. Dafür seilt er sich an jeder der acht Seiten des Turmhelms bis zum Turmkranz in 65 Metern Höhe ab. Knapp 70 Meter legt er dabei jeweils zurück, sein Seil trägt er in einer Tasche an seinem Klettergurt mit. "Ich schaue mir die Fugen an und das Steinmaterial und kontrolliere sie auf Risse", erklärt der Steinmetzmeister.

Wind und Kälte

Zwei Profi-Kletterer sichern ihn dabei, Angst hat er nicht. Die größte Herausforderung ist das Wetter: Auf dem Turm ist es kälter und viel windiger als auf dem Boden.

Einfach eine Drohne zum Kirchturm zu schicken und Fraundorfer die Kletterei zu ersparen, ist nicht möglich: "Eine Drohne kann Bildaufnahmen machen, aber sie kann den Stein nicht angreifen."

Als Hilfsmittel zur Dokumentation werden Drohnen sehr wohl genutzt, ebenso wie andere Technologien, etwa die Laboranalyse von Proben des Fugenmaterials.

Spitze noch nie restauriert

Im Gegensatz zu anderen Teilen des Doms wurde der oberste Teil des Turms der 1924 eingeweihten Kathedrale noch nie restauriert, sagt der Dombaumeister, Architekt Wolfgang Schaffer: "Schäden durch die Witterung sind unvermeidbar, die Fugen sanden ab."

Er erzählt, dass vor einigen Jahren in 85 Metern Höhe eine beschädigte Kreuzblume, eine 150 Kilo schweres steinernes Zierteil, abgetragen werden musste. "Wir haben sie mit Klebeband gesichert und abgeseilt", sagt Schaffer. Nicht auszudenken, wenn sie von selbst abgestürzt wäre. "Als Dombaumeister bin ich für die Sicherheit verantwortlich. Die kann ich nur garantieren, wenn wir hinaufgehen und kontrollieren."

Etwa einen Monat dauert die Auswertung der Dokumentation, dann wird über etwaige Reparaturen entschieden. Möglich, dass Gerhard Fraundorfer dann wieder auf den Turm klettert.

Die Baustelle

Der Linzer Mariendom wird nicht nur außen ständig kontrolliert und restauriert, derzeit wird auch der Innenraum der größten Kathedrale Österreichs neu gestaltet. Die Arbeiten begannen im Juni. Die Pläne umfassten auch die Versetzung des Altars und der Orgel.

Ein wichtiger Schritt war der Einbau des neuen Altars im August. Seinen Platz hat er nun im Zentrum, bei der Kreuzung von Längs- und Querschiff. Ziel war es, den Altar näher an die Gläubigen zu rücken.

Derzeit finden noch Arbeiten an der Beleuchtungstechnik statt. Durch die Versetzung des Altars war es notwendig, auch die Beleuchtung neu zu positionieren.

Außerdem werden Abschlussarbeiten an der versetzten Orgel durchgeführt und die Kirchenbänke wieder aufgebaut, von denen nun ein größerer Teil als zuvor mit einer Heizung versehen ist.

Die feierliche Altarweihe findet am 8. Dezember statt.

 

Video: Flugaufnahmen von den Kletterern am Dom

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Artikel Luise Walchshofer 15. November 2017 - 01:00 Uhr
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