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"Auch viele Linzer waren unter den Gewalttätern"

LINZ. In einem Moment des Innehaltens, des Gedenkens und auch der kritischen Auseinandersetzung gedachte Linz des Anschlusses 1938.

"Auch viele Linzer waren unter den Gewalttätern"

Konrad Paul Liessmann referierte im Linzer Rathaus über die "totalitäre Versuchung". Bild:

In einer außerordentlichen Sitzung des Linzer Gemeinderats fanden gestern Abend Bürgermeister Klaus Luger (SP) und der Philosoph Konrad Paul Liessmann klare Worte zu den Geschehnissen von früher und heute. Gestern vor 80 Jahren, am 13. März 1938, wurde in Linz das sogenannte "Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich" verfasst, das den Beginn der Willkürherrschaft der Nationalsozialisten auch in Österreich formal besiegelte.

"Was uns heute so betroffen macht, ist die Tatsache, dass damals unter den Gewalttätern, den Profiteuren und jenen, die den Schandtaten der Nationalsozialisten in Linz zustimmten, viele Einheimische, Linzer waren. Von einem Tag auf den anderen war vergessen, dass die nun Verfolgten bis vor kurzem noch Mitbürger und Nachbarn mit gleichen Rechten und Pflichten gewesen waren", sagte Luger. Es sei "eine für uns selbstverständliche Pflicht, ständig der vielen Opfer zu gedenken." Nun, wo der Zusammenhalt in der Gesellschaft schwinde, "müssen wir unseren Beitrag leisten und mit unterschiedlichen Meinungen wertschätzend umgehen", sagte Luger.

Liessmann setzte sich mit der Frage auseinander, ob heute Polit-Konzepte um sich greifen könnten, die "ein mörderisches Unrechtsregime an die Macht bringen könnten". Fraglos, so der Philosoph, sei der Nationalismus nicht überwunden. Doch agiere der Nationalismus nun "nicht expandierend, sondern aggressiv abschottend". Dies führe in Europa eher zu Zerfallserscheinungen denn Großreichsphantasien.

Stets werfe die Auseinandersetzung mit dem NS-Regime auch die Frage nach der Bedrohung durch "totalitäre Versuchung" auf. Diese sei "stets eine Gefahr für Demokratie und Menschenrechte, das muss uns vorsichtig stimmen." Doch oft komme der Tyrann durch die Beherrschten an die Macht, sagte Liessmann und verwies auf aktuelle Bedrohungen durch digitale Kommunikation.

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Artikel 14. März 2018 - 00:04 Uhr
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