Versuche, mit Lötlampen, Schweißbrennern und Heizstrahlern im Dauerbetrieb eingefrorene Wasserleitungen aufzutauen, waren in den vergangenen Tagen die Ursache für mehrere Brände. In Brunnenthal und in Pram dürften Brände auf missglückte Auftauversuche zurückzuführen sein.
Der Rieder Feuerwehrkommandant Mario Stangel warnt davor, zu solchen Methoden zu greifen: „Das sind waghalsige Aktionen, die fatale Folgen haben können! Bei solchen Versuchen niemals mit offenem Feuer hantieren!“, appelliert der Rieder Feuerwehr-Experte. Dass man nicht leichtsinnig mit Lötlampe oder Schweißbrenner hantieren soll, sage einem ohnehin der Hausverstand, so Stangel. Er warnt aber auch davor, Heizstrahler einzusetzen. „Diese Geräte sind oft nicht auf den Dauerbetrieb von zwei, drei Stunden ausgelegt. Dann überhitzen die Strahler – und wenn sie unbeaufsichtigt laufen, kann das schwerwiegende Folgen haben.“
Mario Stangel rät, bei eingefrorenen Leitungen Experten zu Rate zu ziehen. „Es gibt Spezialisten dafür. Das ist zwar kostspieliger, aber die Frage bei einem Brand ist immer noch, was dann teurer kommt ...“
Versicherungen steigen aus
Wenn unsachgemäß hantiert wurde, könnte auch die Versicherung aussteigen, warnen Experten: „Hat grobe Fahrlässigkeit zum Schadensereignis geführt, schaut der Versicherungsnehmer oft durch die Finger“, sagt der Fachgruppenobmann der Versicherungsmakler, Gerold Holzer. Auch er mahnt beim Einsatz von Heizstrahlern oder Lötlampen zu höchster Vorsicht.
Für die Feuerwehren seien Löscheinsätze bei den tiefen Temperaturen eine besondere Herausforderung, sagt der Rieder Feuerwehr-Kommandant. Denn das Löschwasser gefriere binnen weniger Minuten zu Eis. „Wenn man einmal Eis drinnen hat, dann muss man die Leitung abbauen.“ Auch zugefrorene Löschteiche seien ein Problem, so Stangel: „Da hilft dann nur noch die Motorkettensäge“.
Starthelfer im Dauerstress
Seine Augen verraten: Ich bin müde! Kein Wunder, hat Felix Will doch selten weniger geschlafen als in den letzten Tagen. Der Lambrechtner ist Pannenhelfer.
Das Starterkabel ist Wills wichtigstes Werkzeug, seit die Temperaturen zweistellig im Minus und im Freien stehende Autos kaum noch zu starten sind. „Probleme mit dem Diesel, schlechte Kabel und altersschwache Batterien bereiten derzeit die größten Probleme“, sagt der Kfz-Technikermeister Felix Will. Als einer der beiden Stützpunktleiter beim ARBÖ Ried gehört er in Tagen wie diesen zu den gefragtesten Innviertlern.
Während des Interviews am Sonntag beantwortet Will zwar geduldig alle an ihn gestellten Fragen, aber nur nebenbei. Weil er derzeit Wichtigeres zu tun hat. Beispielsweise dem altersschwachen Franzosen über ein Starterkabel wieder Leben einhauchen. Was nach geduldigen Anweisungen an den Autobesitzer – „Starten! Gas geben! Nicht so wild!“ – auch gelingt.
Ob er und seine vier Kollegen vom Rieder ARBÖ für solche Temperaturen ein besonderes Frostschutzmittel hätten? „Schnaps dürfen wir keinen trinken, also heißt es warm anziehen“, lacht er. Der 39-Jährige freut sich, gerade Innendienst zu machen. Alle anderen Kollegen sind an diesem Sonntag unterwegs. Nicht zum Frühschoppen!
„1999 war ähnlich arg“
Wartezeiten sind bei derart vielen Ausfällen fahrbarer Untersätze kein Wunder. So waren die ARBÖ- und ÖAMTC-Pannenhelfer an den Wochenendtagen täglich an die 5000 Mal in Oberösterreich unterwegs, um „liegen“ gebliebene Fahrzeuge wieder flott zu machen. „Meist gelingt dies auch an Ort und Stelle. Hin und wieder müssen wir aber Autos auch abschleppen, weil es zu gröberen Schäden gekommen ist“, sagt Felix Will. Sagt’s, schließt die Motorhaube des flott gemachten Franzosen und öffnet die nächste bei einem „eingefrorenen“ Japaner. Das Starterkabel in der Hand.
Es komme schon vor, dass die Pannenhelfer mit einem „Wo bleibt ihr denn so lange?“ beschimpft würden. „Die meisten sind aber froh, wenn wir kommen“, schmunzelt Will.
Erst einmal habe es ähnlich viele Einsätze wegen Kälte gegeben wie heuer: „1999, als ich beim ARBÖ angefangen habe.“
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