Heer. Soldat. Kampf. Waffen... Mann. Zu diesem Ergebnis kommt wohl der Großteil der Bevölkerung, wenn er sich über das Bundesheer Gedanken macht. Dass dieses Berufsfeld aber nicht nur eine Männerdomäne sein muss, beweist Franziska Perterer. Als momentan einzige Frau in der Zehner-Kaserne in Ried negiert die 25-jährige Kärntnerin Unterschiede zu den männlichen Soldaten in Umgang, Laufbahn und Anforderungen entschieden.
Kaserne RiedDass der erste Eindruck einer jungen Frau beim Betreten einer Kaserne befremdlich sein kann, spürt die Verfasserin am eigenen Körper, als sie sich mit Herrn Hauptmajor Maier und Frau Wachtmeister Perterer zum Gespräch in der Rieder Kaserne trifft. Zuerst einmal muss man sich ausweisen, bis man von einem netten – jedoch bewaffneten – Soldaten überhaupt den Eintritt gewährt bekommt.
Männer (und eine Frau) in Militäruniformen begegnen sich und grüßen einander respektvoll und wortlos mit einer Handbewegung zum Kopf, in der Fachsprache Salutieren genannt.
Zahlreiche Panzer stehen beziehungsweise fahren umher und schüchtern durch ihr massiges Aussehen doch etwas ein. Die „kleine“ Kanone vorne trägt sicherlich auch ihren Beitrag dazu bei. So sieht also eine Kaserne von innen aus. Die meisten Frauen haben von solch einem Leben – und schon gar nicht von dem Bild hier – keine Ahnung.
Man darf gespannt sein, was jemand des eigenen Geschlechtes darüber erzählen kann. Wer weiß, vielleicht kommen ja einige Frauen auf den Geschmack …
„Ich bin durch meine Familie hineingeschlittert. Mein Onkel war Oberleutnant und hat mich oft mitgenommen“, erzählt Franziska Perterer. Mit 17 entschließt sich die Sekretärin dann dazu, ihre Begeisterung zum Beruf zu machen. Bei Schnupper- und Karrieretagen erhält sie genauere Einblicke in das Soldatenleben und bewirbt sich folglich mit einer „Freiwilligen Meldung“ beim Bundesheer.
Ausbildung„Zuerst gibt es ein Vorbereitungswochenende und schließlich eine zwei- bis dreitägige Eignungsprüfung. Es werden sowohl sportliche Leistungen, wie auch psychologische Stärke vorausgesetzt.“ Unterschiede zur Prüfung der Männer gäbe es nur geringe. „Im sportlichen Bereich haben wir Frauen andere Limits, die wir erreichen müssen“, sagt Perterer.
Hat man sich eine Aufnahme erkämpft, ist die angestrebte Karrierelaufbahn bei beiden Geschlechtern gleich. „Frauen können in jedem Sektor eingesetzt werden und sich auch die gleichen Titel erarbeiten. Zu mir sagt man dann halt Frau Wachtmeister und nicht Herr Wachtmeister.“ In diesem Posten ist man Führer bzw. Ausbilder einer Gruppe. „Ich fühle mich aber eher als Mama von sieben bis acht Burschen, die ich zu hegen und pflegen habe. Obwohl es geregelte Arbeitszeiten gibt, ist man trotzdem immer im Dienst. Ich höre nicht auf, Soldatin zu sein, nur wenn ich die Uniform auszieh’.“
Männerdomäne?Auf die Frage, warum dieses Berufsfeld nach wie vor als Männerdomäne wahrgenommen und von Frauen eher gemieden wird, weiß sie eine Erklärung. „Frauen machen sich selber Probleme. Dass einige Männer mit Frauen in hohen Positionen nicht klarkommen, ist in allen Berufsfeldern das Gleiche. Natürlich muss man sich auch ein bisschen anpassen und Respekt verschaffen. Auf die richtige Einstellung kommt es an.“
Wer sich also wie Minnie Mouse gibt und sportlich unterlegen ist, vergibt selber seine Chance. Ohne richtiges Auftreten und das nötige Selbstbewusstsein läuft nirgends etwas, vergleicht Perterer. Ob man jedoch überhaupt in solch eine Einheit passt, könne man nur ausprobieren. Schnuppertage würden dabei nicht viel helfen, selbst nach einem Jahr könne man noch feststellen, dass es nicht das Richtige für einen sei, erzählt Frau Wachtmeister aus eigener Erfahrung.
So hatte sie ihre Anfänge als Gebirgsjägerin, was ihrem Interesse aber nicht gerecht wurde. „Ich war schon in vier verschiedenen Einheiten, aber in Ried gefällt es mir am besten. Ich schätze die Waffengattung und das Betriebsklima.“
Dass dieser Weg definitiv das Richtige für sie ist, erkennt man an ihrer Wortwahl. „Soldat sein ist für mich kein Beruf, sondern eine Lebenseinstellung.“
Besonders schätze sie an der Panzergrenadierbrigade die Möglichkeiten zum Reisen, die Weiterbildung im Nahkampf und Sport, die Leute in der Umgebung und die körperliche Herausforderung. „Es kommt auch aufs Köpfchen an, schließlich führe ich sowohl eine Infanterie als auch einen Panzer.“ Dazu kommt noch die Ausbildung ihrer Schäfchen in Schieß- und Gefechtsdienst, Geräteausbildung u.v.m. Dass die „Mama von sieben bis acht Burschen“ auch im richtigen Leben Mama werden könnte, wäre kein Problem, so Hauptmajor Maier. „Bei uns haben Frauen und Männer Karenzanspruch und behalten währenddessen auch noch ihren gesicherten Arbeitsplatz.“
Obwohl man als Soldat einen Beamtenstatus hat und so das gleiche Pensionsantrittsalter, gibt es jährliche Leistungsprüfungen. „Als Frau muss ich auf sportlich höherem Stand sein als die Männer. Wir sind einfach von Haus aus etwas schwächer, das muss ich kompensieren.“ Mögliche weibliche Hoffnungen, als Frau vielleicht doch zuvorkommender behandelt zu werden, könne sie zum Teil bejahen. „Ältere Vizeleutnants sind schon ein bisschen netter, die haben aber auch eine andere Erziehung genossen. Sonst verhält sich jeder ganz normal.“
Eine Stunde in der Rieder Zehnerkaserne reicht wahrscheinlich nicht aus, um aus jemandem, der seine Arbeitsstunden lieber hinter einem Bürotisch verbringt, eine sportbegeisterte Panzer-Liebhaberin zu machen. Wer aber das Reisen und den Sport liebt und sich gerne im Nahkampf und in militärischen Angelegenheiten weiterbilden will, der sollte auf jeden Fall die Angebote des Bundesheeres nutzen und vielleicht neben dem Besuch der Homepage einen Schnupperkurs aufsuchen. Wer weiß, welche Mutter als nächstes zu hören bekommt: „Mama, ich werde Soldatin!“
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