Es wird die erste gemeinsame Landesausstellung sein, bei der Bayern und Oberösterreich staatenübergreifend zusammenarbeiten. Das Thema „Bayern – Österreich“ ist zwar bis jetzt nur ein Arbeitstitel, gibt aber schon vor, dass die Gemeinsamkeit auch bei Gestaltung und Organisation im Mittelpunkt stehen wird: „Es wird einen gemeinsamen Katalog, einen Folder und eine Eintrittskarte geben“, erklärt Wolfgang Jahn, einer der Projektleiter auf bayerischer Seite. Er und sein Team aus dem Haus der Bayerischen Geschichte in München kooperieren eng mit vier deutsch-österreichischen Mittelalter-Experten, darunter Heinz Dopsch aus Salzburg und Karl Brunner aus Wien.
Aber wie schafft man es, in dieses weite Thema so etwas wie einen roten Faden zu bringen? „In Burghausen wird die Zeit, in der Österreich noch bei Baiern war, zusammengefasst werden“, sagt Wolfgang Jahn. Daher wird der Burghauser Teil der Ausstellung die Zeit vom 8. bis zum 14. Jahrhundert umfassen, in der die Entwicklung von der baierischen Verwaltungseinheit Ostarrîchi zum immer selbstständiger werdenden Herzogtum Österreich dargestellt wird. Die folgenden Jahrhunderte bis zur Gegenwart werden dann in Ranshofen und Mattighofen präsentiert.
Auch wenn das Thema für viele spröde klingt – die Ausstellung wird im Gegenteil sehr lebendig gestaltet. „Und zwar so, dass man sich in die Welt eines mittelalterlichen Menschen hineinversetzen kann. Dabei werden verschiedene multimediale Inszenierungen eingesetzt.“
Historiker Karl Brunner aus Wien bekräftigt, dass das Leben der einfachen Leute und deren Alltagskultur einen wichtigen Platz in der Schau einnehmen werden. „Unser Bild des Mittelalters wird vielfach von der Hochkultur geprägt. In Wirklichkeit haben 90% der Menschen anders gelebt“, sagt Mittelalterspezialist Bernd Schneidmüller aus Heidelberg.
Auch wenn zwischen heute und dem Früh- und Hochmittelalter Jahrhunderte liegen, ist das Thema spannend aktuell. „Dass sich Grenzen verschieben, ist eines der zentralen Themen der Ausstellung. Dennoch handelt es sich um einen einzigen Kulturraum – man wird erleben, dass kultureller Austausch keine Einbahnstraße ist“, sieht Schneidmüller viele Parallelen zur Gegenwart.
Ein reger Austausch wird auch bei der Auswahl und der leihweisen Beschaffung der riesigen Fülle von Ausstellungsobjekten passieren. „Auch hier wurden schon zahlreiche Anfragen an Museen geschickt. Wir sind sicher, dass wir dem Besucher eine Reihe hochwertiger Exponate bieten können“, verspricht Jahn.
Auch bei den Baulichkeiten sind die Pläne bereits fix: „Die Ausstellung findet in den Räumlichkeiten des Stadtmuseums in der Hauptburg von Burghausen statt, das dafür ab Herbst umgebaut wird“, erläutert Eva Gilch vom Stadtamt Burghausen. 600.000 Euro macht die Stadt dafür locker.
Und wie schwierig ist das Zusammenspiel zwischen Historikern und Ausstellungsgestaltern? „Gar nicht, denn die vier Historiker sind erfahrene Ausstellungsmacher, die seit vielen Jahren zusammenarbeiten“, sagt Koordinator Jahn. „Auch Historiker müssen sich fragen, wie sie Dinge vermitteln können“, bekennt Stefan Weinfurter, Professor aus Heidelberg, der vierte in der Historikerrunde. Und Projektleiter Josef Kirmeier aus München fügt ergänzend hinzu: „Wenn die Besucher so viel Spaß haben wie wir bei den Vorbereitungen, ist es okay!“
Ende September 2012 wird es in Braunau am Inn bei der Tagung "Adel verpflichtet" noch eine Fortsetzung bis heute geben. Botschafterin Gabriela von Habsburg, Dr. Ulrich Habsburg-Lothringen, Felizitas von Schönborn und andere Vertreter des österreichischen und deutschen Hochadels werden über das Thema "Die Verantwortung des Adels einst und jetzt" sprechen.
Dr. Andreas Maislinger
Braunauer Zeitgeschichte-Tage
Wissenschaftlicher Leiter
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