BRAUNAUER WARTE: Günther, du hast bereits an drei Olympischen Spielen und vier Freiluft-WMs teilgenommen. Hast du noch Respekt vor Europameisterschaften?
Günther weidlinger: Respekt habe ich vor jedem Rennen, vor allem vor dem Marathon. Da kann so viel passieren. Es kann sein, dass du bis Kilometer 35 super drauf bist, und ein paar hundert Meter später bist du kaputt. Mit einem Satz: Marathon-Laufen ist eine andere Welt. Das macht ihn so interessant. Ich freue mich richtig drauf!
WARTE: Ist die Zeit nach etlichen Top-Ten-Platzierungen nun reif für eine Medaille?
Weidlinger: Darüber denke ich zurzeit nicht nach. Es werden 15 bis 20 Leute um die Medaillen mitlaufen, darunter Titelverteidiger Baldini und Vize-Europameister Röthlin. Mein großes Ziel ist, unter die ersten sechs bis acht zu kommen. Dass ich auf den letzten Kilometern stark bin, habe ich zuletzt in Sunderland und 2009 beim Frankfurt-Marathon gezeigt. Aber eine gmahte Wiesn ist das noch lange nicht.
WARTE: Seit Frankfurt hältst du ja mit 2:10:47 Stunden den österreichischen Marathon-Rekord. Wie wichtig ist die Zeit bei der EM?
Weidlinger: Wenn die Platzierung passt, ist die Zeit nebensächlich. Denn im Unterschied zu Städte-Marathons sind bei der EM keine Tempomacher und Laufbetreuer dabei. Die Läufer müssen sich etwa auch selbst verpflegen. Man muss sich vorstellen: Ich komme mit 20 km/h zum stehenden Becher. Da muss man aufpassen, nicht gleich alles beim Aufnehmen zu verschütten. Das ist nicht einfach, und deshalb trainiere ich das auch.
WARTE: Was hast du dir eigentlich vom Wien-Marathon im April 2010 mitnehmen können? Du hattest ja den Bewerb trotz Muskelfaserriss mit Schmerzen in 2:14 Stunden beendet.
WEIDLINGER: Für mich war es sehr positiv, dass ich durchgelaufen bin, vor allem mental. Weil ich gesehen habe, dass ich mich auch mit Schmerzen durchkämpfen kann. Daraus habe ich Selbstvertrauen gewonnen. Ich habe mich auch über die vielen positiven Anrufe und Zuschriften gefreut. Viele Hobbysportler haben mich gefragt, was sie im Fall so einer Verletzung tun sollen. Natürlich versuche ich, Tipps zu geben. Ich würde aber keinem Hobbysportler raten, einen Wettkampf auf Biegen und Brechen durchzuziehen. Ich denke, das ist beim Profi-Sport anders gelagert.
WARTE: Spürst du noch etwas von der Verletzung?
WEIDLINGER: Nein, ich habe damit keine Probleme mehr. Ich bin ja zum Glück nicht allzu lange ausgefallen, nach zweieinhalb Wochen wieder gelaufen. Zurzeit fühle ich mich sehr gut in Form. Meine Trainingsläufe könnten nicht recht viel besser sein, denke ich.
WARTE: Du warst vor kurzem auf einem dreiwöchigen Höhentrainingslager in St. Moritz. Wie oft warst du zuletzt im Innviertel?
WEIDLINGER: Die letzten Tage vorm Abflug nach Barcelona war ich schon zu Hause. Davor eher weniger, weil ich seit einem halben Jahr in Linz wohne. Aber ich schau natürlich, dass ich meine Kontakte nach Neukirchen und Braunau pflege.
WARTE: Das heißt, du drehst deine Runden nun mehr an der Donau als am Inn. Warum?
WEIDLINGER: Ich habe im Mai meine Partnerin Evelyn geheiratet. Wir wohnen gemeinsam in Linz. Die Hochzeit haben wir versucht, möglichst geheim zu halten, weil wir keine Presse-Story daraus machen wollten.
WARTE: Gratuliere! Aber die Laufstrecken im Bezirk Braunau kennst du noch besser, oder?
WEIDLINGER: Danke schön! Naja, zum Thema Laufstrecken in Neukirchen und Umgebung gibt’s eine Anekdote: Vor zwei Jahren hab ich einmal in einem Interview gesagt, dass mir die Trainings langsam langweilig werden, weil ich ja immer von der Haustür weg laufe und in der Umgebung fast jeden Stein auswendig kenne. Und beim Training am darauffolgenden Tag habe ich nach einer Stunde plötzlich nicht mehr gewusst, wo ich bin. Also, da hatte ich am Tag davor einen schönen Blödsinn erzählt (lacht)!
Polizei befürchtet Ausschreitungen rund um Linzer Burschenbundball
Grasser-Freund Muhr will Dachstein-Quelle vermarkten
Rieds größter Vorteil: „Heuer ist die Angst vor dem Titel weg“
Regierung packt im Endspurt noch Überraschungen ins Sparpaket