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Windelfrei: Wenn Babys „unten ohne“ aufwachsen

EGGELSBERG. Psychologin und Mutter verrät in einem Workshop in Eggelsberg Tipps und Tricks für das windelfreie Baby.

Windelfrei: Wenn Babys „unten ohne“ aufwachsen

Lucia M. Pichler erklärt in ihrem Workshop, wie Eltern ihre Babys »windellos« aufwachsen lassen können. Bild: Mikes

Im Westen lassen viel zu wenige Eltern ihre Babys „unten ohne“ aufwachsen. Das findet die gebürtige Eggelsbergerin und Wahl-Düsseldorferin Lucia M. Pichler. Die 29-jährige Psychologin möchte das ändern und bietet in Eggelsberg einen Workshop zu natürlicher Säuglingspflege an. Pichler ist selbst Mutter eines 15 Monate alten Sohnes, der ungern Windeln trägt. Babys ohne Windel – wie das geht, erklärt sie im Interview.

 

Was ist das Prinzip der Windelfreiheit?

Pichler: Das Prinzip ist, dass sich Babys ab Geburt melden, wenn sie mal müssen. Darauf kann man reagieren, indem man sie zum Beispiel über ein Gefäß abhält. Abhalten ist das Fachwort, das sich dafür etabliert hat. Das kompetente Neugeborene meldet sich, wenn es Hunger hat, Nähe möchte und auch, wenn es ausscheiden muss. Evolutionär gesehen kommt das daher, dass Babys ihr ‘Nest’ nicht beschmutzen möchten.

Was setzt das Konzept voraus?

Sie müssen wissen, was ein Pinkelsignal ist. Mögliche Signale sind etwa beim Stillen, wenn das Kind an- und abdockt, zwar Hunger hat, aber nicht richtig trinkt. Oder das Kind wird unruhig oder beginnt mit den Beinen zu strampeln. Oder umgekehrt: Es wird ganz plötzlich ruhig. Der Schließmuskel ist bei Babys ab dem ersten Tag aktiv. Windelfreie Kinder lernen diesen auch zu gebrauchen und müssen die Kontrolle darüber später nicht erst erlernen. Viele Eltern kennen den Effekt: Sie machen die Windel auf und das Baby pinkelt sie an. Babys halten schon in den ersten Wochen und Monaten an, weil sie ihre Kleidung nicht beschmutzen wollen.

Ab wann kann damit begonnen werden? Nach der Geburt?

Es empfiehlt sich zwischen dem Tag eins bis zum dritten Monat zu beginnen, weil da die Kinder stark signalisieren. Wenn die Umwelt nicht reagiert, stellen die Kinder die Signale nach dem dritten Monat oft ein. Der korrektere Begriff für ‘windelfrei’ wäre ‘Ausscheidungskommunikation’. Das heißt, man kommuniziert mit dem Baby über sein Bedürfnis nach Ausscheidung und damit kann jederzeit gestartet werden.

Ist es nicht stressiger, ständig auf der Hut sein zu müssen, als Windeln zu wechseln?

Wenn ich den Eindruck habe, ich muss mein Kind ständig kontrollieren, dann geht es wortwörtlich in die Hose. Es ist kein Supermutter-Contest. Ich muss nicht jede Ausscheidung erwischen. Ich kann mich genauso dafür entscheiden, nur auf das große Geschäft zu achten. Oder wenn es nur einmal am Tag oder in der Woche ist: Das Kind behält sich das Bewusstsein über den Körper und profitiert später davon. Laut Studien ist es so, dass Kinder, die windelfrei erzogen werden, ungefähr um den zweiten Geburtstag tatsächlich trocken sind. Außerdem ist es die beste Prophylaxe gegen Windeldermatitis.

Was ist mit berufstätigen Frauen, die nicht immer daheim sind?

Wenn die Mutter z. B. zwei Tage die Woche weg ist, dann ist eine andere Person beim Kind. Wenn diese sagt, sie macht da nicht mit, ist das okay. Kinder können sehr gut switchen.

Gibt jedes Kind Signale?

Laut einer Studie erkennen 95 Prozent der Mütter die Signale. Es scheint einen Teil der Babys zu geben, die keine Signale aussenden, oder deren Signale für die Eltern nicht so gut erkennbar sind.

Workshop „Natürliche Säuglingspflege“ mit Psychologin Lucia M. Pichler am Samstag, 9. November, von 10 bis 12.30 Uhr im Ballettraum Volksschule in Eggelsberg. Nähere Informationen und Anmeldung per E-Mail: info@heiloase.eu

 

„Ich habe es probiert, aber es hat nicht funktioniert“

BRAUNAU/LINZ. Andrea De Kort ist Mutter einer neun Monate alten Tochter. Über windelfreie Babys hat sie ein Buch gelesen und war von der Idee überzeugt. In der Praxis sah das Ganze anders aus: „Ich habe es ein halbes Jahr lang immer wieder einmal probiert, aber es hat nicht funktioniert. Ich habe mir das leichter vorgestellt. Dass das so langwierig ist, hätte ich nicht gedacht“, sagt die junge Mutter, die jetzt ihr Baby wickelt. Wobei: Ganz auf Windeln verzichtet habe sie nie. In der Nacht etwa ging sie immer auf Nummer sicher. Probleme habe es vor allem auch dann gegeben, wenn Mutter und Töchterchen unterwegs waren. Nichtsdestotrotz will es De Kort wieder auf die windelfreie Tour probieren, sollte sie noch ein zweites Kind bekommen. „Für das Kind ist es positiv, auch was die Blasen- und Darmkontrolle betrifft. Jetzt fällt mir auf, dass sie jede halbe Stunde in die Windel macht. Das war vorher nicht so. Und bei einer Bekannten hat es tatsächlich funktioniert“, sagt die Braunauerin, die jetzt mit ihrer Familie in Linz lebt.

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Artikel Marina Huber 31. Oktober 2013 - 00:04 Uhr
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