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Verschwunden von der Gesellschafts-Bildfläche

MATTIGHOFEN/BRAUNAU. Jugendsozialarbeiter wollen Jugendlichen, die wie U-Boote untergetaucht sind, helfen.

Verschwunden von der Gesellschafts-Bildfläche

Viele Jugendliche zwischen 15 und 25 machen keine Ausbildung. Bild: Wodicka

Zirka 15.000 junge Leute sind in Oberösterreich wie ein U-Boot einfach untergetaucht, verschwunden von der Gesellschafts-Bildfläche. Sie sind weder in Ausbildung, Beschäftigung oder in einer Schulmaßnahme bzw. einem Kurs. Jugendbetreuer der Sozialen Initiative wollen für die Jugendlichen der Wegweiser zurück ins Leben sein und starteten vergangene Woche ein Projekt in Mattighofen und heute in Braunau (siehe Infokasten untenstehend).

„Wir touren seit zwei Monaten durch Oberösterreich und suchen Leute, die aus der Gesellschaft ‘rausgefallen’ sind und den ganzen Tag zu Hause sitzen“, sagt Projektleiter Gerhard Windhager aus Lochen.

Wenn das Leben entgleist, kann das viele Gründe haben. Es sind Heranwachsende mit psychischen Problemen, Migranten, oder diejenigen, die das Gefühl haben, nichts wert zu sein. „Das hat überhaupt nichts mit der Begabung oder Intelligenz zu tun. Manche fallen, sei es durch Liebeskummer, Burnout oder wenig Selbstwert, in ein tiefes Loch und finden alleine einfach nicht mehr heraus. Diese brauchen einfach einen Anker, an dem sie sich festhalten können“, sagt Windhager. Viele Eltern seien teilweise mit der Situation überfordert.

Gemeinsam Hürden überwinden

Jugend-Coaches vor Ort wollen Personen zwischen 15 und 25 Jahren, die vom sozialen Leben abgeschnitten sind, die Chance geben, ihre Fähigkeiten und Talente zu entdecken. Ziel ist es, neue Perspektiven zu entwickeln und eine geeignete Ausbildung oder Arbeit zu finden. „Unsere Aufgabe ist es zu schauen, welche beruflichen Interessen jemand hat und fragen, was er sich vorstellen könnte. Mit einem Jugendlichen zum Beispiel habe ich nur die Bewerbungsunterlagen überarbeitet und jetzt macht er sein erstes Praktikum. Für viele ist es eine Hürde, bei einer Firma anzurufen oder hinzugehen. Oft sind die Eltern nicht deutschsprachig und können ihnen dabei nicht helfen. Hier ist es wichtig, den Jugendlichen über diese Hürde zu begleiten“, sagt Rudolf Salhofer, Jugendcoach in Mattighofen.

Da diese Gruppe von Jugendlichen schwer zu erreichen ist, tourt seit Juli das „We need you“-Mobil durch das ganze Land. Die Tour ist in den jeweiligen Regionen als Auftaktveranstaltung für dieses Projekt zu sehen. Danach sind die Jugend-Coaches am Zug. „Der Erstkontakt erfolgt meistens über Freunde und Bekannte. Manchmal rufen uns auch Eltern an und sagen, dass sie ihr Kind einfach nicht aus dem Zimmer bekommen“, sagt Salhofer. Den Ursprung des NEET-Phänomens (Not in Education, Employment or Training), sieht Windhager im Gesellschaftswandel. „Es wird viel daran gesetzt, eine Vollzeitbeschäftigung zu haben. Für die Kinder ist keine Zeit mehr da. Dabei sind es die Eltern, die den Kindern eine Festigkeit geben können, damit sie mit beiden Beinen im Leben stehen. Ein Kindergarten oder eine Schule kann das niemals ersetzen“, ist der Experte überzeugt.

 

Die Ansprechpersonen vor Ort

Rudolf Salhofer, Jugendcoach, Mattighofen
Telefon: 0676/841314357

Das Projekt „We need you – jugendcoaching“ wird vom Bundessozialamt finanziert und von der Sozialen Initiative in ganz Oberösterreich durchgeführt.

Die Teilnahme am „we need you-jugendcoaching“ ist freiwillig und kostenlos möglich.

Oö-weite Gratis-Nummer:
0800-25 22 30

Robert Hatheier, Jugendcoach Braunau
Telefon: 0676/841314351

Der Jugendcoach in Braunau ist bis 23. September auf Urlaub. Bis dahin vertritt ihn Christa Vorhauer. Sie ist unter 0676/841314 384 erreichbar.

Auftakt des Jugendprojektes am Donnerstag und Freitag, 5. und 6. September, Stadtplatz Braunau. Abschlussevent mit Hip-Hop, Jonglieren und mehr am Freitag ab 10 Uhr.

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Artikel Marina Huber 05. September 2013 - 00:04 Uhr
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