OÖN: Wie schätzen Sie die derzeitige Situation ein, gibt es viele Neuverschuldungen, wie kommen die Leute mit ihren Schulden zurecht?
Vogelsberger: Seit der Wirtschafts- und Bankenkrise geht die Neuverschuldung meiner Erfahrung nach zurück, was hauptsächlich auf eine umsichtigere Kreditvergabe der Bankinstitute zurückzuführen ist, sprich strengere Bonitätsprüfung und auch die Kontoüberziehungsmöglichkeiten werden niedriger gehalten.
OÖN: Welche Gründe gibt’s für Überschuldung, welche Fallen gibt es?
Vogelsberger: Hauptgründe für Überschuldung sind nach wie vor Arbeitslosigkeit, Scheidung, Trennung, eine sorglose Bereitschaft zur Kreditaufnahme, zu Kontoüberziehungen, zu Versandhausbestellungen und zum Telefonieren sowie der mangelnde Überblick vor allem über die monatlichen Gesamtausgaben.
OÖN: Wer verschuldet sich?
Vogelsberger: Hauptsächlich Konsumenten mit relativ geringem Einkommen.
OÖN: Wenn ich überschuldet bin, mir das Wasser bis zum Hals steht, welche Rechnungen soll ich unbedingt begleichen, welche können warten?
Vogelsberger: Im Falle einer Überschuldung müssen unbedingt laufende Unterhaltsverpflichtungen sowie die monatlichen Fixkosten wie Miete, Strom, ... Heizung und sonstige Betriebskosten aber auch Kfz-Versicherungsprämien vorrangig bedient werden.
OÖN: Ich stehe kurz vor der Delogierung, was tun?
Vogelsberger: Unverzüglich Kontakt mit der Caritas „Koordination Netzwerk Wohnungssicherung Innviertel und Mobile Wohnbetreuung“ aufnehmen. (07752 / 81198)
OÖN: Wie helfen Sie Schuldnern aus ihrer brenzligen Situation herauszukommen?
Vogelsberger: Wir können nur helfen, wenn sie sich mit uns in Verbindung setzen und uns entsprechende Beratungsunterlagen zur Verfügung stellen, die die Einnahmen-Ausgaben-Situation vollständig darlegen. Sodann kann überlegt werden, ob mit einem neuen Ratenvergleich, einem außergerichtlichen Ausgleich, einem Schuldenregulierungsverfahren, einer Stundung und so weiter weitergeholfen werden kann.
OÖN: Wann kommen Schuldner zu Ihnen?
Vogelsberger: Im Regelfall leider erst dann, wenn es zu spät ist. Wenn Zahlungsunfähigkeit eingetreten ist und nun mehr ein außergerichtlicher Ausgleich oder Privatkonkurs weiterhelfen kann. Mehr Präventivberatungen wären wünschenswert.
OÖN: Ist ein Haushaltsbuch noch zeitgemäß?
Vogelsberger: Meines Erachtens zeitgemäßer denn je. All zu vielen Klienten mangelt es leider am Überblick der eigenen wirtschaftlichen Lage, was oftmals zu gefährlichen Fehleinschätzungen der finanziellen Kapazitäten führt.
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