Der Erste Bürgermeister der bayerischen Stadt Burghausen hat das Recht, sich zu äußern. Immerhin machte der Stadtrat auf seinen Vorschlag hin einen 50.000-Euro-Zuschuss für das Kunstprojekt in der Innviertler Nachbargemeinde locker.
Warum er das zur Freude der Hochburg-Acher getan hat, erläutert Steindl in einer sehr ausführlichen E-Mail an Andreas Maislinger, den wissenschaftlichen Leiter der „Braunauer Zeitgeschichtetage“. Der bekannte Politologe hatte ihn darum gebeten.
Maislinger macht kein Hehl daraus, dass ihm die geplanten sechs über drei Meter hohen Skulpturen zu monumental sind. Seiner Meinung nach hätten das weltberühmte Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ und Franz Xaver Gruber bei der Gestaltung des gleichnamigen Friedensweges mehr Bescheidenheit verlangt. Laut Maislinger würde die „Stille Nacht“-Kapelle in Oberndorf, zu der er ein Naheverhältnis habe, auch durch ihre gefühlvolle Zurückhaltung bezaubern.
In der E-Mail an Andreas Maislinger schildert Hans Steindl, dass ihm das Projekt der Hochburg-Acher vor eineinhalb Jahren erstmals vorgestellt worden sei. Er, Steindl, habe damals seine Skepsis geäußert und angeregt, angesichts der finanziellen Größenordnung – es geht um mehrere 100.000 Euro – das Projekt als landesweiten Künstlerwettbewerb auszuschreiben.
Er hätte es auch angebracht gefunden, verschiedene Künstler zur Motivfindung zu animieren und die „künstlerische Ausarbeitung mit einer entsprechend besetzten Jury in einem Entscheidungsprozess über das Kulturreferat der Landesregierung in Linz zu organisieren“.
Dankbarkeit bewiesen
Damals sei ihm jedoch erklärt worden, dass die Vorarbeiten schon weit gediehen seien und die Figuren bereits im Rohentwurf vom beauftragten Künstler vorliegen würden. Außerdem, so Steindl, habe man ihm mitgeteilt, dass man in den entsprechenden Zuschussgesprächen schon die Bereitschaft der Bezirkshauptmannschaft und der Landesregierung abgefragt habe und das Projekt somit eingeleitet, also auf Schiene sei.
Alle Quellen angezapft
„In der Folge habe ich mich zu diesem Projekt nicht mehr geäußert“, so der Burghausener Bürgermeister in seiner E-Mail an Andreas Maislinger. Er sei jedoch davon ausgegangen, dass man wieder an ihn herantreten würde, wenn alle österreichischen Finanz-Quellen ausgeschöpft seien. Und dies sei letztlich auch der Fall gewesen.
Als Steindl erfahren habe, dass noch eine Finanzierungslücke von etwa 100.000 Euro bestehe, habe er dem Stadtrat vorgeschlagen, einen Zuschuss in Höhe von 50.000 Euro zu leisten. Dies auch mit dem ausdrücklichen Hinweis darauf, dass die Gemeinde Hochburg-Ach Burghausen bei der Landesgartenschau 2004 ebenfalls großzügig unterstützt habe.
„Das war ein Grund“, schreibt Steindl. „Der zweite bestand darin, dass wir sehr wohl dankbar zur Kenntnis nehmen, dass die österreichischen Arbeitnehmer mit ihrem Fleiß zum guten Steueraufkommen in der Stadt Burghausen und zum Wohlergehen des Wirtschaftsraumes beitragen.“
Keine Einmischung
Im Übrigen könne es nicht im Sinne der Stadt Burghausen sein, sich für ein Kunstprojekt zu engagieren, in dem sie sich in die Künstlerauswahl und in die Projektierung des Friedensweges „einmische“. Steindl: „Das muss ausschließlich in der Kompetenz der österreichischen Entscheidungsträger liegen. Daher haben wir auch keinen Diskussionsbedarf gesehen.“ (Mehr Infos unter www.nachrichten.at)
Mein Eindruck ist, dass das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ und Franz Xaver Gruber bei der Gestaltung des Franz Xaver Gruber Weges in Hochburg-Ach einen bescheideneren kleineren Ausdruck verlangt hätten.
Sechs über drei Meter hohe Skulpturen scheinen mir dieser Stille und Heiligkeit nicht gerecht zu werden.
Die Stille-Nacht-Kapelle in Oberndorf bezaubert auch durch ihre Zurückhaltung.
Dr. Andreas Maislinger
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