OÖN: Ein neues Waffengesetz wurde EU-weit verabschiedet, das die Jägerschaft sauer aufstoßen lässt. Wie stehen Sie dazu?
Kraft: Sie können ruhig in den Artikel schreiben, dass die Jäger dadurch genervt sind. Ein unnötiger bürokratischer Aufwand kommt auf uns zu, weil ein paar Waffenhändler ungenau beim Melden waren. Jetzt müssen alle Waffen der Kategorien C und D bei den Waffenhändlern nachgemeldet werden. Ich bin mir sicher, dass die das nicht gratis machen. Uns entstehen dadurch wieder Kosten, die überhaupt nicht sein müssen. England hat zum Beispiel das strengste Waffengesetz und den höchsten Anstieg bei der Kriminalität.
OÖN: Apropos Kriminalität. Wie hat sich das Wildererproblem im Bezirk entwickelt?
Kraft: Es ist wieder etwas ruhiger geworden, als es noch vor ein paar Wochen war. Da wurden wir durch zwei Schüsse geweckt. Ein Rehbock wurde offenbar von einem Wilderer angeschossen. Auch in Andorf wurden sechs Böcke gefunden. Die Zeichen für Wilderei waren ziemlich eindeutig: Schüsse in der Nacht, Spuren eines Geländewagens querfeldein, verendetes Wildbret.
OÖN: Wenn früher gewildert wurde, dann oft aus Armut, weil die Leute nicht gewusst hätten, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Aus welcher Motivation heraus denken Sie, dass jetzt gewildert wird?
Kraft: In diesen Fällen wurde weder wegen des Fleisches noch wegen der Trophäe gewildert. Ich nehme an, dass die Leute den gewissen Kick suchten, indem sie einfach darauf losgeballert haben. Es waren mit Sicherheit keine Profis, sonst hätten sie Schalldämpfer verwendet.
OÖN: Das ist kein Lausbubenstreich mehr, das ist kriminell...
Kraft: Das sehe ich auch so. Mich wundert es, dass da die Tierschützer nicht längst aktiv wurden. Es ist ein Frevel an der Natur, wegen der Gaudi auf eine Kreatur zu schießen. Wilderei müsste viel strenger bestraft werden. Die beiden Passauer Wilderer, die im Vorjahr bei uns im Bezirk erwischt wurden, dürften nur eine Geldstrafe bekommen haben. Es wird auch vermutet, dass die schon wieder unterwegs sind und ihr Unwesen treiben. Mir geht es weniger um den Schaden, der angerichtet wurde, vielmehr um das Wie.
OÖN: Wie schätzen Sie die Herbsternte ein, wie sieht es mit den Tierbeständen in unseren Wäldern aus?
Kraft: Unlängst hatten wir ein Erntedankfest in Dorf an der Pram, da gab es wieder ein paar kapitale Böcke. Insgesamt kann man sagen, dass sich das Rehwild durchaus zufriedenstellend entwickelt hat. Da sind keine madigen Krüppel dabei. Das Niederwild entwickelt sich unterschiedlich, die Hasenpopulation hat sich im Vergleich zum Vorjahr gesteigert, dafür gibt es witterungsbedingt weniger Fasane. Die Nester in den Wiesen wurden regelrecht ausgeschwemmt. Mit dem Schwarzwild gibt es derzeit keine gravierenden Probleme, das kann sich aber schlagartig ändern.
OÖN: Wenn ich Wildbret von unseren Jägern beziehen möchte, wie stelle ich das an?
Kraft: Das ist eine gute Frage. Nun ja, fast jeder Jagdleiter hat gefüllte Kühltruhen zu Hause. Dort kann man das Fleisch beziehen.
OÖN: Wenn ich keinen Jagdleiter kenne?
Kraft: Sie stochern da in ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Es stimmt schon, dass die Jagdleiter mit der Vermarktung des Wildbrets säumig sind. Wir müssen uns an der Nase nehmen. Da könnte man noch viel mehr tun, etwa auf Märkte gehen oder in den Gemeindezeitungen veröffentlichen, wann es wo was gibt. Das Fleisch ist einsame Klasse, es wird aber von den Händlern schlecht bezahlt. Deshalb müssen wir zusehen, dass wir es selbst an den Mann, die Frau, auf den Küchentisch bringen.
OÖN: Bei Ernährungsexperten rennen Sie mit solchen Vorschlägen offene Türen ein...
Kraft: Das kann ich mir auch vorstellen. Schließlich ist Wild das gesündeste Fleisch, vor allem in Bezug auf Fett und Cholesterin. Eine Forderung der Jägerschaft wären auch Qualitätsklassifizierungen. Erste Klasse wäre Wildbret aus heimischen Revieren, zweite Klasse Wildbret aus Gatterhaltung und dritte Klasse wäre importiertes Wildbret.
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