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Oberösterreich  > Innviertel

"Werden Gutachtern mehr auf Finger schauen"

INNVIERTEL. AK-Präsident nach Klage wegen Pflegegeld.

Eine schwer psychisch kranke Innviertlerin hatte bis voriges Jahr Pflegegeld der Stufe 1 erhalten. Das erschien ihren Eltern jedoch viel zu niedrig. Sie beantragten Stufe 2, der Antrag wurde aber von der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) mit der Begründung abgelehnt, dass der vom Gutachter ermittelte Pflegebedarf von 95 Stunden nicht ausreiche, um die Pflegestufe zu erhöhen. 95 Stunden sind genau der Grenzwert zwischen Stufe 1 und 2.

Die Eltern der jungen Frau wandten sich daraufhin an die Arbeiterkammer (AK), um den Fall zu schildern. Dem zuständigen Rechtsexperten war relativ schnell klar, dass die Einstufung der Innviertlerin nicht stimmen konnte. Er berechnete den Pflegebedarf und kam auf 174 Stunden, um 79 Stunden mehr als von der PVA anerkannt wurde. Die AK brachte deshalb Klage beim Arbeits- und Sozialgericht ein.

"Immer wieder kommt es vor, dass Gutachter haarsträubende Einschätzungen abgeben, nicht selten sogar, ohne die betroffenen Personen genauer zu untersuchen", kritisiert AK-Präsident Johann Kalliauer. Auf Basis eines neuen vom Gericht in Auftrag gegebenen Gutachtens war die PVA bereit, den Bescheid abzuändern. Die Familie erhielt ab sofort und sogar für ein Jahr rückwirkend Pflegegeld der Stufe 4 – und damit monatlich um rund 520 Euro mehr als zuvor.

"Nicht nachvollziehbar"

"Wie es zu so einem falschen Gutachten kommen kann, ist nicht nachvollziehbar", sagt AK-Präsident Johann Kalliauer. "Künftig werden wir den Gutachtern und Sachverständigen genauer auf die Finger schauen. Es war nicht das erste Mal, dass ein Gutachten völlig an der Lebensrealität der betroffenen Person vorbeigeht. Darum werden wir uns entschieden dafür einsetzen, dass die Menschen künftig genauer und besser untersucht werden, bevor es zu einer Entscheidung kommt." (ho)

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Artikel 13. September 2017 - 00:04 Uhr
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