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"Wer eine einzelne Schraube verkauft, punktet"

BRAUNAU. Michael Probst, Obmann der Braunauer Kaufmannschaft "shoppinng", nennt ein Beispiel für Service-Qualität.

"Wer eine einzelne Schraube verkauft, punktet"

Michael Probst im Schauraum seiner Firma Bild: mora

Er plant und verkauft Küchen und hat sein Geschäft in der Laabstraße. Michael Probst ist nicht der ganz typische Innenstadthändler, aber Obmann der Braunauer Kaufmannschaft. Noch. Denn demnächst will er die Funktion zurücklegen. Im Warte-Interview redet er über guten Service, neue Ideen, Zusammenarbeit mit Wirten und über die Staatsgrenze hinweg.

Sie starten eine Innenstadt-Initiative. Warum?

Probst: Die Idee kommt aus der Innenstadt. Geschäftsleute sind an mich herangetreten, mit der Anregung einen Arbeitskreis zu machen. Die Frequenz lässt nach, das wissen wir und es wird immer schlimmer.

Gibt es da ein deklariertes Ziel?

Frequenzsteigerung muss passieren, es geht auch um Veranstaltungen in der Innenstadt.

Als Obmann der Kaufmannschaft sind Sie amtsmüde...

Nein, das ist der falsche Ausdruck. Es ist ein massives zeitliches Problem – Familie, Firma und Kaufmannschaft. Die Arbeit ist trotz der STS (Stadt-, Tourismus- und Standortmarketing Braunau-Simbach) nicht weniger geworden, sondern mehr, weil mehr Themen auf uns zukommen. In der Firma wird die Arbeit auch ständig mehr, das ist eh gut. Vier bis sechs Stunden wöchentlich für "shoppinng", das ist nicht wenig.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Dass die Zusammenarbeit mit der STS und mit Simbach weiter funktioniert, sich vielleicht noch verbessert oder intensiviert. Ich glaube, dass der Nachfolger aus den Innenstadt-Reihen kommen sollte, vielleicht sogar aus den klassischen Branchen wie Mode. Jemand, der wirklich auf die Laufkundschaft angewiesen ist. Das kenne ich ja nicht.

Sie sind nicht der klassische Vertreter der Innenstadt-Kaufleute. Ist das ein Vor- oder Nachteil?

Beides. Auf der einen Seite der Vorteil, dass ich die Innenstadt mit ganz anderen Augen sehe, weil ich selber nicht betroffen bin. Da bin ich sicher unvoreingenommener. Auf der anderen Seite ist es ein Nachteil, weil ich die Frequenz am Stadtplatz nicht direkt mitkriege.

Wo muss man ansetzen, um den Handel zu retten?

In Städten wie Braunau ist für mich ganz wichtig, dass Gastronomie und Handel zusammenspielen, auch bei Veranstaltungen. Die Innenstadt wird nicht nur vom Handel leben können. Wer einkaufen geht, will zwischendurch einen Kaffee oder ein kleines Bier trinken. Internet ist ein Thema, aber wir haben auch Händler, die vom Warensegment her nicht betroffen sind. Man muss sich beim Service hervortun und dem Kunden das Einkaufserlebnis geben, das er in einem Einkaufszentrum nicht kriegt. Wichtig ist die Branchenvielfalt, da haben wir ein Problem. Auch der Leerstand, aber das wird jetzt mit dem Immobilien-Masterplan jetzt eh angegangen.

STS, Simbach, Stadtrand-Geschäfte: Was beschäftigt Sie davon am meisten?

Braunau und Simbach zu verbinden, ist eine Riesengeschichte, weil die Gegebenheiten so unterschiedlich sind. Was in Braunau super läuft, ist in Simbach nicht machbar – am Beispiel "Braunau-Simbach verzaubert" haben wir das gesehen. Bei uns funktioniert das Konzept perfekt, weil wir viele Geschäfte in Fußweite haben. In Simbach sind die Geschäfte weit verteilt. Umgekehrt war es beim Mini-Zug: So viele Stationen wie vorgeschlagen, brauchen wir ja gar nicht. Veranstaltungen zu finden, die für beide Städte passen, ist deshalb eine große Aufgabe – auch für die STS.

Die Warte hat kürzlich über das Brückenfest vor 30 Jahren berichtet. Wäre das für Sie ein Thema?

Definitiv. Ich habe mich damit aber noch nicht auseinandergesetzt, weil es Angelegenheit der STS ist. In Burghausen und Ach geht es, dort ist aber ein Vorteil, dass die Zentren eng beisammen sind. Der Stadtkern von Simbach ist aber weiter weg. Feste in Braunau sind mir aber sehr wichtig.

Einkaufszentren am Stadtrand verlieren an Attraktivität, der Online-Handel nimmt zu. Ist das auch in Braunau spürbar?

Der Online-Handel nimmt zu, das kann man nicht wegdiskutieren. Was die Einkaufszentren betrifft: Auch große Konzerne versuchen jetzt wieder, in Stadtmitte zu kommen. Von Geschäft zu Geschäft gehen – wenn es schön ist, genießen die Kunden das sicher. Bei Schlechtwetter ist das Einkaufszentrum besser dran. Man sieht auch, dass Fachmarktzentren nicht mehr so gut laufen. Dort gibt es auch Leerstand.

Womit muss eine Innenstadt in Zukunft punkten?

Meiner Meinung nach ist Kinderbetreuung ein Punkt, die kann ein Einkaufszentrum anbieten. Parkplätze sind ein Thema. Zielgruppe sind Familien und Kunden, die zu schätzen wissen, wenn sie bedient werden. Wenn einer zum Beispiel eine einzelne Schraube verkauft oder was extra bestellt, kann er punkten. Die Servicequalität ist in Braunau eh gut. Das Problem ist, dass viele gar nicht wissen, welche Geschäfte wir haben. Mich beschäftigt, was eine Bekannte gesagt hat: Sie mag nicht hineingehen, weil sie ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie nichts kauft. Ich bin am Überlegen, wie man sowas aus den Köpfen der Leute kriegt. Das beschäftigt mich. "Auch Gustieren erlaubt", in so eine Richtung muss man was machen.

Wie geht es mit der Kaufmannschaft weiter?

Wir haben demnächst Neuwahl. Und dann wird man sehen, wer im Vorstand ist. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Ich stehe nicht mehr zur Wahl. Aber mir ist ein Anliegen, dass es gut weitergeht. Mir liegt nach wie vor viel an Braunau.

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Artikel Monika Raschhofer 07. Oktober 2017 - 06:59 Uhr
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