Archiv | ePaper | Digital
 |  A A A
Dienstag, 27. September 2016, 17:33 Uhr

Linz: 21°C Ort wählen »
 
Dienstag, 27. September 2016, 17:33 Uhr mehr Wetter »
Oberösterreich  > Innviertel

Wer Biberdamm zerstört, dem droht Geldstrafe

SCHÄRDING. Bis zu 2.000 Euro Strafe müssen bezahlt werden; Grundstückbesitzer bekommen "Biberprämie" für Schäden.

Zu Gesicht bekommt man ihn zwar nur sehr selten, aber seine Bauwerke und Spuren sind an vielen Stellen entlang der Pram gut sichtbar – der Biber baut Dämme, die kein Tröpfchen Wasser mehr durchlassen und fällt so manchen Baum. Überall dort, wo sich der Biber ansiedelt, sind die Grundstückbesitzer häufig mit Schäden, wie zum Beispiel überfluteten Feldern und Wiesen, konfrontiert. Die Volkszeitung fragte bei den Experten der Bezirkshauptmannschaft Schärding nach, wohin sich Betroffene wenden können und wie sie sich verhalten sollen.

Kann ein Grundbesitzer angezeigt werden, wenn er auf seinem Grundstück einen Biberdamm zerstört, da durch diesen die angrenzenden Wiesen/Felder überflutet werden?

Der Biber ist eine streng geschützte Tierart gemäß Anhang II und IV lit. a der Richtlinie 92/43/EWG (FFH-Richtlinie) und § 5 in Verbindung mit der Anlage 3 der Oö. Artenschutzverordnung. Die geschützten Tiere dürfen gemäß § 28 Abs. 3 Oö. Natur- und Landschaftsschutzgesetz 2001 in allen ihren Entwicklungsformen nicht verfolgt, beunruhigt, gefangen, befördert, gehalten oder getötet werden. Gemäß § 28 Abs. 4 NSchG 2001 ist in der freien Natur das Entfernen, Beschädigen oder Zerstören der Brutstätten (Nester oder Laichplätze) geschützter Tiere sowie das Zerstören oder Verändern ihres engeren Lebensraumes (Brutplatzes, Einstand) verboten. Daraus ergibt sich, dass ein Biberdamm nur mit Zustimmung bzw. Bewilligung der Naturschutzbehörde entfernt werden darf. Bei Zuwiderhandeln begeht man eine Verwaltungsübertretung, welche mit bis zu 2.000 Euro bedroht ist.

An welche Stelle wenden sich Betroffenen am besten, wenn es zu Schäden durch Biber kommt bzw. wie werden diese Schäden abgegolten?

Grundsätzlich sollen Schäden der zuständigen Bezirksverwaltungsbehörde gemeldet werden. Der Bezirksbeauftragte für Natur- und Landschaftsschutz führt auf- grund der Meldungen einen Lokalaugenschein zur Klärung, ob mittelbarer oder unmittelbarer Lebensraum des Bibers betroffen ist, durch. Ferner erfolgen Beratungen der Betroffenen. Nach einem Lokalaugenschein wird über weitere Maßnahmen entschieden.

Bei Schäden durch den Biber kann gemäß dem Bibermanagement des Landes Oberösterreich eine "Biberprämie" beantragt werden. Die Biberprämie ist flächenbezogen und untergliedert sich in Stufe 1 (Flächen bei denen es infolge der Biberaktivitäten "lediglich" zu einer Ertragsminderung der forstlichen oder landwirtschaftlichen Produktion kommt, eine grundsätzliche Nutzung aber weiterhin möglich ist) und Stufe 2 (Fläche, bei denen eine weitere Bewirtschaftung faktisch nicht mehr möglich ist).

Allgemein gilt, dass die dynamische Gestaltung/Renaturierung von Gewässerlebensräumen durch den Biber in der Regel einen hohen naturschutzfachlichen Wert für eine Reihe von Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräumen bringt. Die Maßnahmen im Rahmen des Bibermanagements dienen nicht nur dem Biber, sondern bedeuten auch eine beachtliche naturschutzfachliche "Umwegrentabilität".

Entlang der Pram haben die fleißigen Biber teilweise riesige Dämme gebaut. In manchen Abschnitten wurden diese durch Experten des Landes OÖ wieder geöffnet. Wie kann verhindert werden, dass die Tiere immer wieder Rückstaus verursachen bzw. wird überhaupt etwas dagegen übernommen?

Soweit bekannt, wurde nach Prüfung des Sachverhaltes in der Pram lediglich ein Damm zur Entfernung "frei gegeben", hier handelt es sich laut Bibermanagement um eine bewilligungsfreie Präventivmaßnahme. Weitere Dämme sind durchaus bekannt, Verfahren dazu sind derzeit nicht anhängig.

Das Bibermanagement des Landes OÖ unterscheidet verschiedene Präventiv- bzw. Vergrämungsmaßnahmen, wie zum Beispiel:

die Absenkung des durch einen Biberdamm aufgestauten Gewässerpegels durch technische Maßnahmen,

die Kontrolle des Abflussregimes von Gewässern, die Zäunung von Einzelbäumen,

das Streichen von Einzelbäumen, die Sicherung von kleineren Flächen (Sonderkulturen, Aufforstung) durch einen Zaun/Elektrozaun,

die Sicherung von Abflüssen bei Teichen durch ein Gitter.

Welche Präventivmaßnahme anwendbar ist und ob dafür Verfahren erforderlich sind, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. Auch besteht die Möglichkeit, eine Beihilfe für die Durchführung von Präventivmaßnahmen zu beantragen. Eine absolute Sicherheit, dass durch den Biber kein neuer Damm errichtet wird, gibt es jedoch nicht.

Die Biber stauen nicht nur Bäche, sondern "fällen" auch Bäume. Bekommen die Grundstückbesitzer diese vom Land OÖ bezahlt?

Eine finanzielle Abgeltung einzelner Bäume gibt es nicht (mehr).

Wie hat sich die Population der Biber in den letzten Jahren im Bezirk Schärding verändert?

Laut Frau Habenicht, Biberbeauftragte des Landes OÖ, gibt es nur ein passives Monitoring und es liegen daher keine genauen Zahlen vor. Die Besiedelung von den Hauptgewässern hin zu den kleinen Gewässern ist noch nicht abgeschlossen und läuft nach wie vor. Der Biber behauptet seinen Lebensraum und etabliert sich dauerhaft. In kleineren Gewässern bewirkt dies, dass dort die feststellbaren Veränderungen größer sind.

Dürfen Biber gejagt werden?

Biber sind keine jagdbaren Tiere und unterliegen daher nicht dem Oö. Jagdgesetz 1964 idgF. Eine Entnahme von Bibern ist unter Auflagen und klaren Vorgaben möglich (Ausnahmebewilligung gemäß § 29 Oö. NSchG 2001). Eine Entnahme ist grundsätzlich erst dann möglich, wenn alle anderen (Präventiv-)Maßnahmen nicht greifen und ein erheblicher Schaden vorliegt. Eine Entnahme darf nicht durch Abschuss erfolgen, sondern nur durch Fang in Fallen und anschließende Tötung durch einen revierverantwortlichen Jäger.

Kommentare anzeigen »
Artikel Bianka Eichinger 17. Januar 2016 - 09:00 Uhr
Weitere Themen

Im "Raki-Rausch" Unfall verursacht

BEZIRK RIED. Angeklagter rastete mit 1,72 Promille Alkohol im Blut völlig aus – Urteil nicht ...

"Ademi und Nutz hätten wir in der normalen Transferzeit nie bekommen!"

RIED. SVR-Manager Stefan Reiter hofft beim Heimspiel gegen Rapid auf zumindest einen Punkt.

4,5 Jahre bis zum Heiratsantrag

LENGAU. Innviertler Hochzeits-Spezialportal befragte mehr als 400 Menschen

Hund riss 14-jährige Halterin in den Inn

PASSAU / INGLING. Ballwurf einer Fremden löste das Malheur aus.

Mehr als 4000 Besucher bei Erntedank

SCHÄRDING. Bezirks-Erntedankfest lockte Besuchermassen in die Schärdinger Innenstadt.
Meistgelesene Artikel   mehr »
Bitte Javascript aktivieren!