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Von der Schulbank direkt auf den Chefsessel

BRAUNAU, WIEN. Projekt der Handelsakademie Braunau befasst sich mit Selbstständigkeit und praxisorientiert mit der Medienwelt.

Von der Schulbank direkt auf den Chefsessel

Sprech- und Lockerungsübungen für die HAK-Schülerinnen, die beim Filmprojekt moderieren. Bild: OÖN-stom

"Aufnahme läuft. Wir starten in zehn, neun, acht, sieben, sechs…" Die letzten fünf Sekunden zählt Aufnahmeleiterin Antina nicht mehr laut, sondern nur mehr mit den Fingern. Als sie bei null angekommen ist, deutet sie auf eine der drei Kameras, Moderatorin Konstanze begrüßt die Zuseher mit einem professionellen Blick in die Kamera. Was im Fernsehen später perfekt wirkt, wurde davor oft geprobt und immer wieder aufgenommen. Denn Konstanze, ihre Moderationskollegin Alexandra und auch die Kameraleute sind keine Profis. Sie sind Schüler der HAK Braunau, die den Marketing, Journalismus und Medien-Zweig besuchen und im Studio des Wiener Fernsehsenders Okto einen Workshop absolvierten.

Lehrer Josef Fischerleitner hat das Projekt initiiert. Ausgehend vom Lehrplan wollte er den Schülern die Möglichkeit geben, sich mit dem Thema "Start up und Jungunternehmen" auch praxisorientiert auseinanderzusetzen. Die Jugendlichen führten daraufhin Interviews mit Jungunternehmern der Region und drehten Videos dazu.

Lichtdoubles nehmen Platz

Während die Moderatorinnen und Studiogäste mit Produktionsleiter Thomas im Café nebenan eine Redaktionskonferenz simulieren und den Sendungsablauf besprechen, werden im Studio die Scheinwerfer eingestellt. Dafür sitzen Schüler als sogenannte "Lichtdoubles" in den Sesseln, wo später Moderatorinnen und Studiogäste Platz nehmen werden. Papier und Folien werden über einzelne Lichtquellen gegeben, um die perfekte Ausleuchtung zu bekommen. Einige Schüler machen Selfies im Studio-Setting. "Das ist wie beim Augenarzt, wenn er einem in die Augen leuchtet", kommentiert eine Schülerin das helle Scheinwerferlicht.

Vom Regieraum aus leitet Thomas die Kamerafrauen an. Über Kopfhörer sagt er ihnen, welche Kamera gerade filmt und wie sich die anderen beiden vorbereiten sollen. Zwischendurch erlaubt er sich auch den ein oder anderen Scherz, der die Schülerinnen zum Lachen bringt und die Situation auflockert. Antina hilft den Moderatorinnen mit professionellen Sprach- und Lockerungsübungen. Anschließend werden Interviewsituationen und Kameraeinstellungen geprobt. Schülervertreterin Anika wird nach den Erfahrungen beim Videodreh und Lehrer Fischerleitner nach der Finanzierung und der Entwicklung des Projektes gefragt.

Anika bestätigt: "Wir haben aus der Praxis sicher mehr mitgenommen als aus der Theorie." Fischerleitner berichtet, dass Wissenschaftsminister Harald Mahrer die Idee toll fand. "Danach hat sich das Projekt verselbstständigt", freut sich der Pädagoge auch über die Zusage von Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl.

Um 14.30 Uhr trifft der Studiogast, Jungunternehmer Dan Badstuber, ein. Er hat gemeinsam mit seinem Partner das Unternehmen "JOHAN Natur Design Wohnen GmbH" gegründet und sich der nachhaltigen Inneneinrichtung verschrieben. "Es ist spannend, jungen Leuten etwas zu erzählen und dem einen oder anderen vielleicht ein Vorbild zu sein. Außerdem hat es Spaß gemacht, die Jugendlichen waren sehr gut vorbereitet", resümiert Badstuber den Nachmittag im Fernsehstudio.

Die Konzentration lässt nach

Auch die Hoppalas und Versprecher seines Namens nimmt der Jungunternehmer mit Humor. Er erzählt nicht nur von seinem Werdegang, sondern gibt auch Tipps für angehende Jungunternehmer. Weitere Infos wird es auch am 4. Dezember beim Business Talk in Braunau geben, dem Abschluss des Projekts.

Je weiter der Nachmittag voranschreitet, desto mehr lässt die Konzentration nach, die Nerven liegen blank und auch die Workshopleiter Thomas und Antina werden unter Zeitdruck etwas strenger: "Nochmal von vorne. In einer halben Stunde kommt die nächste Produktion, dann müssen wir raus sein aus dem Studio." Doch mit der Abmoderation ist die Aufnahme noch nicht beendet. Jetzt müssen noch "Reaction Shots" gefilmt werden – Nahaufnahmen von den Personen, die später in das Video eingebaut werden. So sollen die Gäste leicht lächeln und nicken, um das aktive Zuhören zu verdeutlichen. Josef Fischerleitner wagt sich sogar an eine Denkerpose.

Probleme als Klasse gemeistert

Während des gesamten Tages sind andere Schüler mit kleinen Kameras durch das Gebäude geflitzt und haben die Backstage-Situationen eingefangen. Aus diesen Aufnahmen wird später ein Making-Of zusammengestellt, das auch die Hoppalas festhält. Für den ein oder anderen Versprecher war Moderatorin Alexandra verantwortlich, doch letztendlich ist sie zufrieden: "Man wird so nervös vor der Kamera, man braucht viele Anläufe, aber im Endeffekt war’s ziemlich gut." Auch Kamerafrau Lena ist begeistert von den neuen Einblicken: "Es war spannend mal in einem Fernsehstudio zu sein. Es gab zwar ein paar Probleme, aber wir haben das als Klasse gut gemeistert."

Josef Fischerleitner ist ebenfalls sehr zufrieden mit seinem Projekt, obwohl der Tag anstrengend für ihn war: "Ich bin es nicht gewöhnt im Fernsehen aufzutreten, da ist man schon angespannt." Wichtig war es ihm, dass die Schüler einen Eindruck gewonnen haben, wie so eine Studiosendung abläuft. Er hält es für wichtig, dass eine Medienjournalismus-Klasse sieht, was eine mögliche Zukunft für sie sein könnte und ob ihnen das gefallen würde. Auf die Frage, ob er weitere Medienprojekte plant antwortet er: "Ich könnte mir ein ähnliches Projekt im Rahmen der Abschlussarbeit in der 5. Klasse vorstellen. Die Schüler könnten einen Imagefilm für ein Unternehmen drehen. Diese Idee hängt aber von vielen anderen Leuten und Faktoren ab."

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Artikel Magdalena Stockhammer 28. Oktober 2017 - 01:30 Uhr
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