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„Uns werden Katzen über den Zaun geschmissen“

LOCHEN / BRAUNAU. Tierschutz: Verbot der privaten Tiervermittlung führt zu überfüllten Tierheimen, geplante Entschärfung des Gesetzes ist laut Heimbetreiber „keine Verbesserung“.

   Bild: VOLKER WEIHBOLD

„Hoffentlich entschärfen sie bald das Gesetz“, sagt Braunaus Tierheimleiterin Christine Zeller. Seitdem sich jene, die ihr Tier selbst weitergeben und nicht in ein Tierheim bringen wollen, strafbar machen, sind die Tierheime überfüllt. Lichtblick: Die SPÖ hat kürzlich einen Initiativantrag eingebracht, wonach es für Privatpersonen Ausnahmen geben soll. Gestern beschloss der Nationalrat die "Reparatur des Tierschutzgesetztes". Im Mittelpunkt stand die Lockerung des Verbots der Vermittlung von Tieren im Internet. Das öffentliche Feilbieten ist an bestimmte Bedingungen, wie zum Beispiel das Alter, geknüpft. 

Bei Jürgen Stadler von der Pfotenhilfe Lochen hält sich die Freude  in Grenzen, der Antrag löse nur einen Teil der Probleme, er sei „Symptombekämpfung und Kosmetik“.

Wie berichtet, wollte man mit dem Gesetz die kriminellen Machenschaften durch den Internet-Handel einschränken. Dass das auch Privatpersonen betrifft, die ohne Erwerbsabsicht zum Beispiel für ihren Katzennachwuchs Plätze suchen, wurde offenbar nicht bedacht. Der Antrag soll dies korrigieren.

„Uns wurden Katzen über den Zaun geschmissen, samt Zettel, wo draufstand: ‘aufgrund des neuen Tierschutzgesetzes dürfen wir sie nicht mehr vermitteln, bitte suchen Sie einen Platz’ – anonym natürlich. Ein Mann hat angerufen und gefragt, ob wir seine sieben Hundewelpen aufnehmen, ansonsten müsse er sie erschießen lassen. Das neue Tierschutzgesetz hat für das Tier nur Nachteile“, sagt Zeller.

„Der Initiativantrag schafft keine Verbesserung“, so Stadler von der Pfotenhilfe. Laut Antrag sollen Personen in Notsituationen ihre Tiere vermitteln dürfen, sofern diese ein Mindestalter von mehr als sechs Monaten erreicht haben bzw. bei Katzen und Hunden die Eckzähne ausgebildet sind.

Bedingung: Unentgeltlichkeit

„Einerseits soll damit vermieden werden, dass Welpen unter sechs Monaten angeboten werden, was überwiegend von dubiosen Importeuren getan wird. Andererseits ist es schwierig zu kontrollieren, weil ja jedes Mal der Amtstierarzt die Zähne kontrollieren müsste, was er ja nur kann, wenn er den Hund vor sich hat. Außerdem fehlt wieder die Bedingung der Unentgeltlichkeit, denn damit könnte erstens dem Geschäft der Welpenmafia ein Riegel vorgeschoben werden und zweitens: Wenn jemand wegen nicht absehbaren Änderungen der Lebensumstände wie Umzug, Scheidung, Allergien, schweren Krankheiten, Tod von Angehörigen etc. ein Tier loswerden muss, dann ist er froh, jemanden zu finden und verlangt nicht auch noch Geld dafür“, argumentiert Jürgen Stadler.

Auch das Lochner Tierheim ist voll, mehr als 100 Tiere wurden im Sommer abgegeben. Weil jetzt nach der Sommerzeit wieder viele Tiere vermittelt werden können, gibt es keinen Aufnahmestopp mehr. In Braunau können derzeit keine weiteren Tiere aufgenommen werden, weil das Tierheim, das sich in einem Teil des Wirtschaftshofes der Stadtgemeinde Braunau befindet, saniert und vergrößert wird. 

 

Tag der offenen Tür in der Pfotenhilfe Lochen

Am Samstag, 7. Oktober, 10.30 Uhr bis 17 Uhr, findet anlässlich des Welttierschutztages der jährliche „Tag der offenen Tür“ am Tierschutzhof Pfotenhilfe in Lochen statt.

Es gilt jede Menge spannende Beobachtungen über die 400 tierischen Bewohner aus 23 Tierarten zu machen, die sich Tag und Nacht frei bewegen können.

Zusätzlich gibt es fundierte, tierärztliche Beratungen für die Besucher und ein Kinderprogramm im Zirkuszelt samt Seifenblasen-Show. Der Eintritt ist frei.

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Artikel (mahu) 05. Oktober 2017 - 04:37 Uhr
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