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"So viele Menschen arbeiten und helfen, hier passiert wirklich etwas Gutes!"

RIED. Betreuerin Remiza Traubenek zieht Bilanz: Ein Jahr Flüchtlingsarbeit im Kapuzinerkloster.

"So viele Menschen arbeiten und helfen, hier passiert wirklich etwas Gutes!"

Weihnachtsfeier der Flüchtlinge bei der Riederin Gerda Ransmayr (re.) Bild: Kaufmann

Seit knapp einem Jahr sind im Rieder Kapuzinerkloster Asylwerber untergebracht. 21 Personen warten dort – betreut von der Caritas – auf eine Entscheidung ihres gestellten Asyl-Antrags. Insgesamt betreut die Caritas im Bezirk Ried rund 300 Asylwerber. Die Rieder Betreuerin Remiza Traubenek zieht Bilanz über ein sehr bewegtes Jahr.

 

Volkszeitung: Wie sieht ihr Resümee nach einem Jahr Flüchtlingsbetreuung in Ried aus?

Remiza Traubenek: Im vergangenen Jahr mit der Flüchtlingswelle und dem Wahlkampf habe ich Gott sei Dank nur das Positive mitbekommen: Das Jahr war trotz aller negativen Dinge gerettet, weil es so viele Menschen gibt, die hier anklopfen und helfen. Hier passiert wirklich etwas Gutes. 71 freiwillige Helfer engagieren sich im Kloster. Da ist mir das, was die Hetzer sagen, ziemlich egal, solange hier geholfen wird. Leider wird den Hetzern zu viel Plattform gegeben, noch mehr Menschen arbeiten still und heimlich – und helfen! Davon hört und liest man leider zu wenig...

Sind noch alle ursprünglichen Asylwerber hier?

Nein. Drei Familien sind privat aufgenommen worden, eine Jungfamilie ist nach Bad Goisern gezogen, weil der Mann dort in einem Hotel eine Ausbildungsmöglichkeit erhalten hat. Asylwerber bis 25 Jahren dürfen ja arbeiten. Zwei weitere junge Männer haben eine Lehrstelle erhalten. Das Innviertel hat oberösterreichweit übrigens die meisten privaten Quartiere für Flüchtlinge bereitgestellt.

Sind alle Plätze im Kloster noch belegt?

Ja, es sind alle noch belegt. Und keiner von denen, die bei uns wohnen, hatte im vergangenen Jahr Kontakt zur Flüchtlingsbehörde. Die Bewohner kommen fast täglich und fragen, ob es Neuigkeiten gibt. Sie wollen endlich wissen, ob ihr Bescheid positiv oder negativ ausgefallen ist. Einige sind seit zwei Jahren hier und hatten noch nie ein Interview mit der Behörde. Sie fühlen sich wie auf das Abstellgleis abgeschoben. Das ist zermürbend und macht hoffnungslos. Viele Asylwerber sitzen täglich in den Deutschkursen und lernen Deutsch, sie sind gut integriert, haben soziale Kontakte, sind lern- und arbeitswillig. Sie wollen endlich wissen, wie es mit ihnen weitergeht. Ein Deutschkurs alleine reicht nicht, diese Menschen brauchen eine Beschäftigung.

Wie können Sie diesen Menschen helfen?

Indem wir mit ihnen Deutsch lernen und helfen, dass sie Kontakte knüpfen können. Wir unterstützen sie, sich in die Gesellschaft einzubinden, damit sie einmal die Chance haben, Arbeit zu finden. Wir helfen diesen Menschen nicht, indem wir sie ständig bedauern und ihnen das Gefühl geben, nur Opfer zu sein. Wir müssen sie unterstützen, den Neuanfang zu schaffen.

Ist die Spendenbereitschaft weiterhin so groß wie am Anfang – und was brauchen Sie dringend?

Wenn Sie mich so direkt fragen: Was wir brauchen, sind endlich die Bescheide für die Asylanträge. Das wäre das Dringlichste! Wir brauchen weiterhin aber auch haltbare Lebensmittel und Hygieneartikel. Kleidung haben wir derzeit genügend. Die Spendenbereitschaft ist nach wie vor sehr groß. Es gibt aber viele Menschen, die sehr großzügig helfen, jedoch nicht genannt werden wollen. Das ist schon ein bisschen erschreckend: Offenbar schämen sich manche Menschen, wenn ihre Hilfsbereitschaft bekannt wird, und die Hetzer schreien. Das ist eine falsche Entwicklung. Wir müssen den Spieß umdrehen!

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Artikel Roman Kloibhofer 09. Januar 2016 - 10:04 Uhr
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