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Sie unterstützen Rumänien: "Die Helfer weinen oft mehr als die Armen selbst"

RIED. Flohmarktveranstalterin Maria Ritter und ihr Mann führen Leben im Dienst der anderen.

Sie unterstützen Rumänien: "Die Helfer weinen oft mehr als die Armen selbst"

Dank vieler Unterstützer hilft Maria Ritter, die Veranstalterin des Flohmarkts, wo sie kann. Bild: Prechtl

120 Biertische sind in der Halle 12 der Rieder Messe aufgebaut, auf denen sich Berge von Flohmarktware türmen: Kleidung, Schuhe, Bettwäsche, Bücher, Elektroartikel – in mehr oder weniger gutem Zustand. Hunderte Schnäppchenjäger sind am Donnerstag anzutreffen: Sie nehmen Sachen in die Hand, wägen ab, feilschen, kaufen oder eben nicht.

Es ist laut und geschäftig. Und mittendrin eine kleine, ältere Dame mit schlohweißem Haar, die darauf achtet, dass die Sachen sofort wieder ordentlich gefaltet und gestapelt bereitliegen. "Der Flohmarkt ist immer gut besucht, die Leute kommen aus dem ganzen Bundesland. Das liegt daran, dass alles schön beinander ist", ist Maria Ritter überzeugt.

Hilfe für Rumänien

Wie lange der Flohmarkt bereits stattfindet, weiß die 77-Jährige selbst nicht mehr so genau: " Zehn bis 15 Jahre werden es schon sein, zwei Mal jährlich, immer vor Ostern und vor Nikolaus." Die Rumänienhilfe Ritter kümmert sich bereits seit 36 Jahren um Bedürftige. Zu Ceausescus Zeiten waren die Hilfsfahrten nur mit kleinen Autos möglich, der Hilfsdienst wurde durch die allgegenwärtige Bespitzelung des Regimes verkompliziert.

Seit 26 Jahren ist nunmehr die Anmietung von Lkw möglich, mit denen drei Mal jährlich 30 Tonnen Lebensmittel, Kleidung, Schuhe und Bettzeug, fein säuberlich in Bananenschachteln verpackt, in die Region Temesvar gebracht werden. Dort verteilen Maria und Franz Ritter und eine Gruppe freiwilliger Helfer die Güter an jene, die sie am dringendsten brauchen: alte Leute, Kinder, Obdachlose, Sinti und Roma. Zuständig sind sie für rund 30 Dörfer mit 2000 Bedürftigen. "Die Menschen, vor allem die Älteren, sind für jede Spende unendlich dankbar. Und mit dem Geld, das wir beim Flohmarkt einnehmen, können wir die Sattelschlepper, das Benzin und die Mautgebühren bezahlen."

Als Kind geflohen

Dieses Leben im Dienst der Ärmsten findet seinen Ursprung in der Vergangenheit: Maria Ritter ist Altheimerin, ihr Mann Franz wurde im Banat geboren und floh 1944 vor der russischen Armee nach Österreich. "Dreieinhalb Wochen waren wir unterwegs, mit Traktoren, Viehwaggons und Zügen. Dann wurden wir hier in Bauernhäusern einquartiert!" Wenn Franz Ritter seine Lebensgeschichte erzählt, tauchen unweigerlich Parallelen zum Schicksal der Flüchtlinge auf der Balkanroute im Jahr 2016 auf.

Viele freiwillige Helfer

Am Flohmarkt legen viele freiwillige Helfer Hand an und nehmen teilweise selbst die Reise nach Rumänien auf sich. "Wenn sie das erste Mal das Elend in den Dörfern sehen, weinen sie oft mehr als die Armen", erzählt Maria Ritter.

Die Flohmarkt-Wochenenden sind immer besonders stressig: "Wir bereiten alles vor und sind dann an allen vier Tagen anwesend." Während dieser Zeit werden die zahlreichen freiwilligen Helfer vom Ehepaar Ritter bekocht: "Das ist das Mindeste, das wir tun können."

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Artikel Elisabeth Prechtl 07. März 2016 - 00:04 Uhr
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