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"Nicht der Billige verdrängt den Teuren, sondern der Bessere den weniger Guten"

GEINBERG. AMS-Vorstand Johannes Kopf hielt beim Oberbank Business Lunch ein Plädoyer für Bildung.

AMS-Vorstand Johannes Kopf präsentierte seine Analyse der aktuellen Situation am Arbeitsmarkt.    Bild: (RoKl)

Die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt stand im Mittelpunkt beim Oberbank Business Lunch in Geinberg, zu dem die Bank im Beisein von Oberbank-Generaldirektor Franz Gasselsberger sowie Oberbank Innviertel-Leiter Erich Brandstätter Innviertler Unternehmerinnen und Unternehmer geladen hatte.

Die rasche Bewegung im Arbeitsmarkt skizzierte AMS-Bundesvorstandsmitglied Johannes Kopf als Referent: "Im Winter 2017 haben wir noch 490.000 Arbeitslose verzeichnet, aber innerhalb kurzer Zeit hat das Pendel umgeschlagen und wir registrieren einen Arbeitskräftemangel." Zudem habe sich durch Zuwanderung ("Aber nicht durch Asylwerber") das Arbeitskräftepotenzial vergrößert. So würden etwa 50.000 Deutsche in Österreich arbeiten, was Kopf so kommentierte: "Gott sei Dank, denn die sind gut qualifiziert und verdrängen schlechter ausgebildetes Personal aus dem Osten. Nicht der Billige verdrängt den Teuren, sondern der Bessere den weniger gut Ausgebildeten!"

Gesucht würden am österreichischen Arbeitsmarkt Männer im Haupterwerbsalter. Da immer häufiger auch von Männern die Elternteilzeit in Anspruch genommen werde, stellte er die Frage: "Wäre das Recruiting von Älteren im Arbeitsmarkt nicht doch sinnvoll?"

Bildung und Ausbildung sind bestimmende Faktoren am Arbeitsmarkt, wie Johannes Kopf sagte: "Jobs für Leute, die nur Pflichtschulabschluss haben, verschwinden." Ein Faktum, das etwa auch Team 7-Prokurist Robert Freilinger bestätigt: "Ausbildung wird immer wichtiger. Reine Hilfsarbeiterjobs gibt es nicht mehr. Auch Hilfskräfte müssen bei uns in der Lage sein, Montageanleitungen richtig lesen zu können, die Anforderungen steigen." Der Bedarf an Arbeitskräften sei groß, sagt Freilinger. Das resultiere auch daraus, dass Teilzeitkräfte sich verstärkt auf den Vormittag konzentrieren. "Frauen für Teilzeit-Nachmittagsarbeit zu finden, ist schwierig."

Auch Johannes Huber-Reiter, zuständig für Personalfragen bei der Löffler GmbH in Ried: "Wir haben eine Frauenquote von 80 Prozent und einen extrem hohen Teilzeit-Anteil. Die Frauen wollen meist vormittags arbeiten, das macht es organisatorisch problematisch." Im starken Wirtschaftsraum Ried sieht er einen interessanten Effekt wirksam werden: "Wenn andere starke Firmen Männer anziehen, dann hat das zur Folge, dass zahlreiche Frauen im Zweitberuf bei uns beschäftigt sind."

Bildung und Digital-Kompetenz

Auch zum Flüchtlingsthema bezog Johannes Kopf Stellung: "Nicht die Geflüchteten nehmen anderen den Arbeitsplatz weg. Es ist der größte Fehler, geflüchtete Personen zwei Jahre lang nichts tun zu lassen!" Die rasche Integration geflüchteter Personen sei auch für den Arbeitsmarkt wichtig. Die Zuwanderung müsse "anders diskutiert werden", die Zuständigkeit solle vom Innenministerium wegkommen, sagte Kopf.

Es müsse gelingen, dass "kein Kind die Schule nur mit Pflichtschulabschluss" verlasse. Kinder müssten viel früher und intensiver gefördert werden, die Weichen dazu müssten in Volksschule und Kindergarten gelegt werden.

Die Digitalisierung sei eine größere Herausforderung als erwartet: "Wir haben geglaubt, Kinder, die als ‘digital natives’ geboren werden, bringen die Kompetenzen automatisch mit." Das sei nicht so und die Herausforderung wachse, denn auch die Lehrer seien nicht ausreichend ausgebildet. An ständiger Aus- und Weiterbildung komme man nicht vorbei, betonte Kopf: "Ein trainiertes Hirn lernt einfach leichter als ein untrainiertes."

 

Es reicht nicht mehr, nur Holzplatten von einem Stapel auf einen anderen umräumen zu können.“ - Robert Freilinger, Prokurist bei Team 7 in Ried

„Wir haben einen Frauenanteil von 80 Prozent, aber der Beruf der Näherin verschwindet praktisch.“ - Johannes Huber-Reiter, HR-Verantwortlicher bei der Löffler GmbH

„In Österreich ist vieles durch das Arbeitsrecht nicht möglich. Es werden Betriebe eingehen, weil sie keine Arbeitskräfte finden.“Johannes Kopf, AMS Österreich

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Artikel Roman Kloibhofer 04. Oktober 2017 - 18:12 Uhr
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