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Nach Bohrloch-Panne: Geothermie sucht Auswege

RIED. Insolvenz-Sanierungsverfahren über Bohrfirma läuft, völlig neue Bohrung möglich.

Nach massiver Bohrloch-Panne wird bei Geothermie nach Auswegen gesucht

Zwei Bohrungen erfolgreich gemeistert (Bild), Problem bei dritter Bild: privat

Nach massiven technischen Problemen und der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens – Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung – über jene Bohrfirma, die im Auftrag der Geothermie Mehrnbach-Ried eine dritte Tiefenbohrung durchführen sollte, ist die Bohrung nach wie vor eingestellt.

Es gebe zwar mehrere Beteiligte und Gespräche in mehrere Richtungen, so der als Masseverwalter eingesetzte Rechtsanwalt Christoph Danner aus Schärding auf OÖN-Anfrage. Dass es aber sinngemäß "über Nacht" zu einer Lösung kommen werde, sei nicht zu erwarten.

Die erste Tagsatzung ist für 29. November anberaumt, bis dahin sei aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, dass weitergebohrt werde, heißt es seitens der Geothermiebetreiber, die im Hintergrund aber weiterplanen "und für alle Eventualitäten rüsten". Die größte Geothermie Österreichs versorgt weite Teile der Stadt Ried und der Nachbargemeinde Mehrnbach mit erneuerbarer Heizenergie aus tiefen Erdschichten – die Nachfrage ist allerdings so groß, dass bereits mit Gas zugeheizt werden musste, obwohl der Netzausbau noch gar nicht abgeschlossen ist.

Derzeit wird in Mehrnbach an einer Bohrstelle Heißwasser entnommen, an einer zweiten muss das Wasser nach dem Wärmetausch wieder in die Tiefe verpresst werden. Um die steigende Nachfrage bedienen zu können, ist in Mehrnbach eine dritte Bohrung angelaufen, bei der es aber zu massiveren technischen Problemen gekommen ist – die beauftragte Bohrfirma hat, wie berichtet, einen Insolvenzantrag gestellt.

Bis in eine Tiefe von 550 Metern verlief die Bohrung offenbar reibungslos. Eine Tiefe, ab der der Raum zwischen eingebrachten Rohren und dem Gestein vor dem Weiterbohren erstmals von ganz unten bis nach oben mit Beton ausgegossen wird.

Panne: Bohrloch zubetoniert

Dabei habe sich zwischen zwei Rohren in der Tiefe die Verschraubung gelöst. Das führte dazu, dass der Beton eingeflossen ist – sprich, das Bohrloch wurde ungewollt zubetoniert, so der aktuelle Stand der Ursachenforschung.

Die Misere sei reparabel, koste aber, heißt es seitens des Geothermiebetreibers Energie Ried. Nachsatz: Man habe den Schaden nicht verursacht und werde dafür auch nicht aufkommen.

Die Firma Top Thermal mit Sitz in Ried, die den Zuschlag für die Bohrarbeiten erhalten hatte, schätzt die Kosten für die Behebung der technischen Panne auf 800.000 bis zu einer Million Euro. Eine Summe, die sich vom Unternehmen nicht stemmen lasse.

Wie geht es weiter?

Bis Ende September sollte die Bohrung eigentlich so weit vorangetrieben sein, dass ein Pumpversuch möglich wäre – ein Zeitplan, der sich keinesfalls halten lässt. Im Hintergrund wird aber weitergeplant. Statt im bestehenden "Loch" weiterzubohren, könnte in unmittelbarer Nähe eine völlig neue Bohrung begonnen werden – dabei handle es sich um einen Gedanken: "Das hängt von den Kosten und den Vorgaben der Behörde ab", heißt es seitens der Geothermiebetreiber.

Der Schaden durch den aktuellen Stillstand lasse sich schwer beziffern. "Es gibt jedenfalls einen Schaden. Ohne die dritte Bohrung können wird gewisse neue Abnehmer nicht so ohne weiteres ans Netz nehmen."

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Artikel Dieter Seitl 29. September 2017 - 00:04 Uhr
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