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Mann in der Pflege: "Ich bereue keine Minute"

MAUERKIRCHEN / ASPACH. Skierzeuger Robert Hörandtner kündigte und erfüllte sich nach 30 Jahren seinen Traum(beruf) in der Altenarbeit.

Mann in der Pflege: "Ich bereue keine Minute"

Der Fachsozialbetreuer Robert Hörandtner kümmert sich um Bewohnerin Irmi "Irmchen". Bild: mahu

Halb elf im zweiten Stock der Hausgemeinschaft acht: Frau Elisabeth zerkleinert Blattsalat, ihre 92-jährige Mitbewohnerin schneidet Lauch für das gemeinsame Mittagessen in der offenen Küche, Robert, der jüngste Bewohner der Wohngemeinschaft, ist derweil in seinem Zimmer. Seit 25 Jahren gibt ihm seine schwere Multiple Sklerose einen Lebensweg vor, den er ohne sie gewiss anders gegangen wäre. Vor zwei Jahren brachte sie ihn hierher, ins Haus für Senioren Mauerkirchen – ein Lokalaugenschein.

Auf einem Tisch ist ein halbfertiges Puzzle mit 1500 Teilen. Wie ein Puzzle kann man sich auch Roberts früheres Leben gedanklich zusammenbauen, wenn man sich in seinem Zimmer umsieht: An der Wand hängt ein Foto mit einer Fußballelf in gelben Trikots, auch er war Teil der Mannschaft. Das ist viele Jahre her. Was er sich von der MS nicht nehmen ließ, ist die Leidenschaft zur Musik. CDs und Schallplatten füllen Schränke und Kommoden. "Robert ist ein Kämpfer, es ist so gut, dass er sich selbst nicht aufgibt", sagt Robert Hörandtner. Der 56-jährige Wildenauer ist Fachsozialarbeiter, arbeitet seit drei Jahren im Diakoniewerk. Der Betreuer hat nicht nur denselben Vornamen wie sein Klient, er ist ebenfalls Kämpfer – für seinen Traumberuf in der Pflege.

"Mit Finger auf mich gezeigt"

Schon mit 20 Jahren wollte er einen Pflegeberuf lernen, ein Mann in der Pflege hatte damals allerdings nichts verloren. "Vor gut 30 Jahren haben sie mit dem Finger auf mich gezeigt, als ich mich für eine Ausbildung beworben hatte", erinnert sich Hörandtner noch genau. Kaum hatte er die Zusage für seinen Ausbildungsplatz, kündigte der gelernte Skierzeuger mit Meisterausbildung mit gut 50 Jahren seinen Job und machte die zweijährige Ausbildung zum Fachsozialbetreuer im Diakoniewerk Mauerkirchen. "Ich habe keine Minute bereut. Wir hatten eine Topausbildung und wenn ich nicht schon so alt wäre, würde ich noch mehr machen", sagt der Wildenauer.

Jedes Jahr ab September wird in der Schule für Sozialbetreuungsberufe im Diakoniewerk Mauerkirchen Pflegepersonal ausgebildet. Es gibt drei Lehrgänge zu Alten- und Behindertenarbeit (Näheres im Infokasten). Erstmals ist heuer eine Ausbildung bereits ab dem vollendeten 17. Lebensjahr möglich. 20 Schüler sind notwendig, damit ein Lehrgang zustande kommt und das ist in Zeiten wie diesen eine Herausforderung. "Im Moment ist es schwierig, Leute zu finden, die die Arbeit gerne machen wollen und motiviert sind", weiß Heimleiter Johannes Strasser.

Motivation hat Betreuer Hörandtner genug. Für ihn ist die Pflege eine Herzensangelegenheit. Schon bei der Schnupperwoche ist er einen Tag länger geblieben. Mit Freude und Elan dabei sein und Ruhe bewahren. Das sei das Um und Auf in dem Beruf. Er selbst ist die Ruhe in Person. "Das einzige, was mich aus der Ruhe bringt, ist der Computer, wenn er feiglt", sagt der Betreuer und lacht. Dennoch: Es ist ein Job, der unter die Haut geht. "Hier lautet mein Ratschlag: nichts mit heimnehmen. Ich gehe bei der Tür hinein und bin mit ganzer Energie da. Gehe ich raus, fällt ein Schnapperl um."

In den vergangenen gut 30 Jahren hat sich viel geändert, nur eines nicht: Männer in der Pflege sind noch immer Mangelware, obwohl ihnen heute die Pflegetür weit offen stünde. Hörandtner war der einzige Mann in seiner Klasse, die Kollegenschaft ist ebenfalls überwiegend weiblich. "Von 91 Mitarbeitern sind nur fünf Männer. Ich glaube, dass viele ein falsches Bild von der Altenpflege haben. Viele sehen nur das Waschen und die schwere Pflege, dabei ist der Beruf facettenreich und schön", sagt Strasser. Hörandtners Bild von der Pflege hat für ihn persönlich immer gestimmt. Heute ist er froh, dass er nach all den Jahren Teil dieses Bildes ist.

Informationsabend

Ein Infoabend zu den Ausbildungen findet am Dienstag, 12. Juni, um 18 Uhr im Diakoniewerk Mauerkirchen statt.

Die drei Lehrgänge sind:
Fachsozialbetreuer in Altenarbeit/Behindertenarbeit, Fachsozialbetreuer Behindertenbegleitung, Diplomsozialbetreuer Behindertenbegleitung.

Die Aufnahmeverfahren beginnen Mitte Juni. Nähere Informationen bei SOB Mauerkirchen, sob.mauerkirchen@
diakoniewerk.at

Die Schule für Sozialbetreuungsberufe Behindertenarbeit, Behindertenbegleitung und Altenarbeit gibt es in Mauerkirchen, Ried und Wels.

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Artikel Marina Mayrböck 25. Mai 2018 - 08:04 Uhr
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