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Landler tanzen und Gstanzln singen: Die Höhnharter Binder-Familien-Zeche

HÖHNHART. Die Binder-Zeche entstand ursprünglich nur, weil sie der Oma eine Freude machen wollten.

Landler tanzen und Gstanzln singen: Die Höhnharter Binder-Familien-Zeche

Egal ob Musik, Tanz und Gesang – die Binder-Zeche liebt den Landler. Bild: Litzlbauer

In den Füßen jucken würde es Maria Priewasser, die "Binderin in der Schwandt", schon, verrät ihr Enkel Christian. Inzwischen, mit rüstigen 85 Jahren, überlässt sie das Landlertanzen jedoch lieber ihren Kindern und Enkelkindern. Im Publikum ist sie aber immer dabei, wenn die Familie das Tanzbein schwingt – als größter Fan und als Ehrenmitglied, sozusagen. Immerhin war sie der Anlass zur Gründung der "Binder-Zeche" – einer wohl weltweit einzigartigen "Familien-Zeche".

Landler für die Oma zum 80er

Aber alles der Reihe nach, oder mit den Worten der Zeche Schweigertsreith: "Fang ma’s glei an und hiatzt muass i erscht sehgn, ob i’s landlerisch kann." Zum 80er der "Binderin" im Jahr 2010 hat sich die Familie etwas Besonderes einfallen lassen, um ihr Oberhaupt hochleben zu lassen. Dass die Oma schon ihr Leben lang eingefleischter Landler-Fan ist, war bekannt. Die Mitgliedschaft in einer Zeche, also in einer Gemeinschaft junger, (ursprünglich nur unverheirateter) Männer, die sich zum gemeinsamen Singen, Musizieren und Tanzen trifft, hat bei den männlichen Familienmitgliedern bereits eine lange, bis heute andauernde Tradition.

Kinder, Enkelkinder und Partner

So finden sich unter den Kindern und Enkelkindern eine Reihe begnadeter Sänger, Musiker und Tänzer. Was lag also näher, als zur Feier des Tages einen echten Innviertler Landler einzustudieren und zum Besten zu geben? Mit allem was dazu gehört – Tanz, Instrumentalbegleitung und natürlich zum Anlass passendem Gesang – den sogenannten Gstanzln, also kurzen, in Mundart verfassten und vorgetragenen Liedtexten, ähnlich dem oben zitierten Beispiel. Aus der großen Schar der Kinder, Enkelkinder und deren Partner fanden sich für den Anlass gleich dreizehn Landler tanzende Paare. Es wurde fleißig geprobt und der große Auftritt wurde von der Jubilarin so begeistert und gerührt aufgenommen, dass die Familie die ursprünglich nur für diesen Anlass geplante Aktion bei diversen Familienfesten wiederholte. Einige Familienmitglieder sind als Teil der Maria Schmollner "Zeche Schweigertsreith" bereits mehrmals beim großen Zechentreffen in Waldzell aufgetreten. Dort sollte auch die neu gegründete Familien-Zeche ihren ersten offiziellen Auftritt haben. So kam es, dass Enkel Christian 15 Tanzpaare als "Binder-Zeche" anmelden und fünfzig Jahre Familiengeschichte (Geburtsjahrgänge 1948 bis 1998!) gemeinsam aufs Tanzparkett bringen konnte – ein nicht gerade alltäglicher Anblick!

Keine Schlägereien mehr

Der gesamte "Binder-Clan" (Mutter, Kinder, Enkel und Urenkel samt Partnern) besteht aus mittlerweile fünfzig Personen und wächst stetig weiter. Aber warum ist man heute noch Mitglied in einer Zeche und interessiert sich für Brauchtümer wie Landler tanzen oder Maibaum aufstellen? Nur weil es Familientradition ist? "Nein", versichert uns Christian Priewasser schmunzelnd, "die Treffen mit den anderen, das gemeinsame Singen, Tanzen und Musizieren ist auch einfach a große Gaudi". Die berühmt berüchtigten Zechenschlägereien kennt die heutige Jugend aber angeblich nur mehr aus Erzählungen. Heute ist es zwar wieder "en vogue" Dirndl und Lederhose zu tragen, die Zechen sind aber weiterhin vom Aussterben bedroht. Der Innviertler Landler wurde inzwischen zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt – und Familien wie jene der "Binderin in der Schwandt" sind eine absolute Rarität.

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Artikel Angelika Hanslmayr 10. Januar 2016 - 12:01 Uhr
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