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"In jeden Blödsinn investieren wir, warum nicht in bewusste Ernährung?"

TAUFKIRCHEN/PRAM. Biogreißler Hubert Wallner setzt in seinem Laden in Taufkirchen/Pram auf biologische Nahrungsmittel aus der Region und unterstützt damit nicht nur die heimische Wirtschaft.

"In jeden Blödsinn investieren wir – warum nicht in bewusste Ernährung?"

Hubert Wallner hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und verkauft Bioprodukte in seinem Laden. Bild:

Dass Rückschläge manchmal notwendig sind, um zu seiner eigentlichen Berufung zu finden, zeigt der Lebensweg von Hubert Wallner. Der 39-jährige Familienvater erlitt im Sommer 2013 ein Burn-out und musste sich in Folge dessen neu orientieren. Jetzt besitzt er den ersten reinen Bioladen im Bezirk. Im Gespräch mit der Volkszeitung erzählt er von seinem Kampf zurück in den Alltag und der Relevanz bewusster Ernährung.

Volkszeitung: Sich nach einem Burn-out in die Selbstständigkeit zu wagen, scheint nicht der einfachste Schritt zu sein. Wie kam es dennoch zu Ihrer Entscheidung?

Wallner: Ich habe schon vor meiner Erkrankung damit spekuliert, mich selbstständig zu machen. Nachdem mir bei meinem Reha-Aufenthalt dann geraten wurde, nicht mehr in mein altes Arbeitsschema zurückzugehen, hat es sich einfach angeboten. Ich habe fast 15 Jahre als Vertreter gearbeitet und mir gedacht: ob ich jetzt Schrauben oder Lebensmittel kaufe, bleibt vom Handwerk eigentlich gleich. Und mit 39 bin ich glücklicherweise noch in einem dankbaren Alter, wo man noch etwas riskieren kann.

Ihre Wahl fiel auf die Eröffnung eines Bioladens – geschah das aus reiner Überzeugung oder haben Sie darin eine Marktlücke gesehen?

Definitiv aus reiner Überzeugung. Wie wichtig bewusste Ernährung für das ganze Befinden ist, habe ich in der Reha gelernt – das will ich jetzt weitervermitteln. Es sollte normal sein, dass man biologische Lebensmittel verwendet und nicht niedergespritzte. Ihre Qualität zeichnet sich einfach durch natürliche Bewirtschaftung aus und nicht durch chemische Hilfsmittel und Genmanipulation. Aber natürlich hätte ich ohne den Bioaspekt wahrscheinlich keine Überlebenschancen am Markt.

Das "Greißlersterben" ist in den letzten Jahre eine Modeerscheinung in Österreich geworden – warum haben Sie sich dennoch für dieses Format entschieden?

Ich bin selber mit einer Greißlerei im Ort aufgewachsen, wo man nicht nur alles bekommen konnte, sondern wo auch noch auf Kundenwünsche eingegangen wurde. Diesen Service wollte ich auch anbieten. Ich denke generell, dass diese kleinen Läden zukünftig wieder wichtiger werden, weil man in den Discountern mittlerweile einfach erschlagen wird von den Auswahlmöglichkeiten an Produkten. Meine Kunden sollen beim Einkaufen Zeit haben zum Entspannen. Deshalb gibt es bei mir auch ein Café- und ein Spieleck für die Kinder.

Für alle Zweifler – worin genau liegt der Vorteil auf Konsumentenseite, Bioprodukte zu kaufen?

Zum einen ist in unbehandelten Produkten der natürliche Geschmack des Lebensmittels noch vorhanden. Ich habe das in einem Selbstversuch mit Äpfeln getestet und gemerkt, dass sich die Aromen einfach ganz anders entfalten. Zum anderen sieht ein Bioprodukt noch naturgemäß aus, das heißt dass etwa Unförmigkeiten nicht wegpoliert werden. Beim Fleisch unterscheidet sich die Qualität durch den Verzicht auf Nahrungsergänzungsmitteln wirklich maßgeblich. Ich sage meinen Kunden immer: wenn euch der Arzt Antibiotika verschreibt, könnt ihr euch einfach beim Metzger ein Putenfleisch holen, da ist genauso viel drinnen.

Rechtfertigen sich dadurch auch die höheren Preise im Vergleich zu einem konventionellen Produkt?

Bei Fleischprodukten kommt es zu dem doch markanten Preisunterschied einfach durch die höheren Produktionskosten. Nachdem etwa auf Kraftfutterzufuhr verzichtet wird, wächst das Tier langsamer und lebt dadurch länger. Bei allen anderen Produkten würde ich sagen, dass es nicht wirklich viel Unterschied gibt. Der Konsument glaubt nur immer, dass Bioprodukte nicht leistbar sind. Wenn man sie außerdem einmal probiert hat, wird man merken, dass es sich lohnt, mehr auszugeben.

Was Ihnen auch wichtig ist, ist der Bezug der Lebensmittel aus der Region.

Genau. Neben dem Bioaspekt achte ich darauf, dass die Lieferanten aus der Region bzw. aus Österreich kommen. Dadurch bleiben die Arbeitsplätze daheim und die Menschen und die heimische Wirtschaft werden gestärkt. Die Verantwortlichen in den Gemeinden sollten sowieso mehr darauf schauen, dass kleine Geschäfte als Nahversorger bleiben können und eine Chance haben.

Wenn sie ein vorläufiges Resümee ziehen müssten – hat sich der Karrierewechsel gelohnt?

Finanziell gesehen ist es natürlich immer ein Kampf. Aber seit meinem Burn-out sehe ich das Leben von einer ganz anderen Seite und Geld ist mir nicht mehr das Wichtigste. Ich habe früher nichts anderes mehr gemacht, als zu arbeiten und bin dann schlussendlich zusammengebrochen. Was bringt mir dann das ganze Geld, wenn ich nicht gesund bin? Natürlich ist ein eigenes Geschäft auch stressig, aber es ist ein positiver Stress, weil es das eigene ist und man für sich selbst arbeitet. Und glücklicherweise habe ich eine sehr starke Frau an meiner Seite, die mich immer unterstützt. (weidlinger)

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Artikel 16. Januar 2016 - 17:00 Uhr
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