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Georg Wojak, Bezirkshauptmann seit zehn Jahren

BRAUNAU. Der frühere Trauner Stadtamtsdirektor hat es sich zur Aufgabe gemacht, Braunaus Image zu polieren.

Georg Wojak, Bezirkshauptmann seit zehn Jahren

Bild: Alexander Schwarzl

Vor zehn Jahren kam der damalige Trauner Stadtamtsdirektor nach Braunau, um die Verwaltungsspitze von Bernhard Wolfram zu übernehmen. Der Bezirk gefiel ihm von Anfang an, nur sein geschichtsbedingt "angeschlagenes" Image nicht. Also hat er es sich zur Aufgabe gemacht, es zu polieren.

 

Warte: Herr Bezirkshauptmann, es gibt mittlerweile sehr viele sichtbare Symbole im Friedensbezirk. Wird es darüber hinaus noch etwas geben?

Georg Wojak: Der erste Schritt war die Imagepolitur. Braunau hat es nicht verdient, nur auf Hitler reduziert zu werden, da wir der Bezirk eines Franz Xaver Gruber, eines Franz Jägerstätter und einer Maria Hafner sind. Alles Lichtgestalten des Friedens, die aus unserem Bezirk kommen. Diese Imagekorrektur ist positiv erfolgt, weil fast alle Gemeinden aktiv mitarbeiten. Es wurden Symbole geschaffen, der nächste Schritt ist, dass diese Symbole belebt und bespielt werden. Besonders gelungene Beispiele sind der Vier-Kirchen-Weg in Feldkirchen und und Tarsdorfer Brotweg, der am Wochenende eröffnet wurde. Beides attraktive Ausflugsziele mit touristischem Mehrwert. Ich hoffe, dass auch nach 2025 aktive Friedensarbeit erfolgt. Der Friedensbezirk ist der einzige Themenbezirk in Österreich – eine tolle Chance, der Welt zu zeigen, welch guter Geist hier weht.

Nach Ihrer Pensionierung?

Ja. Das Projekt dient ja nicht zu meiner Unterhaltung, sondern es geht darum, unseren Bezirk nachhaltig in einem positiven Licht darzustellen.

Es wurden viele Friedensprojekte umgesetzt – welches ist Ihnen besonders wichtig?

Der Franz-Xaver-Gruber-Friedensweg. Bei dieser Idee konnte ich gleich zu Beginn meiner BH-Funktion zeigen, dass mir die Arbeit für unseren Bezirk ernst ist. Für dieses Projekt habe ich mehr als 170.000 Euro bei befreundeten Firmen aufgetrieben, unser Ex-Landeshauptmann Pühringer hat als Kulturreferent 150.000 Euro gegeben, Burghausens Bürgermeister Hans Steindl 60.000 Euro und ich habe aus meinem Ersparten 7.500 Euro gespendet, um zu zeigen, dass man mit Worten zwar eine Idee anregen, sie aber nur mit Geld umsetzen kann. Die Franz-Xaver-Gruber-Gemeinschaft ist für unser Bezirks-Image sowieso unbezahlbar.

Zehn Jahre Bezirkshauptmann von Braunau – sind Sie als Linzer bzw. Zeller gerne hier?

Es ist ein wunderbares Gefühl, für einen Bezirk mit so vielen großartigen Menschen arbeiten zu dürfen, wobei mir besonders die über 1.000 Rotkreuzler und 10.000 Feuerwehrler am Herzen liegen. Egal, ob es brennt, ob es kracht, sie sind für uns da. Danke.

Verwaltungschef des 103.000 Einwohner-Bezirks – Ihr Resümee nach zehn Jahren Arbeit?

Unsere 149 Mitarbeiter leisten sehr gute Arbeit und bewirken viel Positives. Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft. Wären es Fußballer, wären wir jetzt bei der WM in Russland dabei. Das können wir mit den Leistungszahlen belegen. Um das tägliche Zusammenleben friedlich zu gestalten, sind verbindliche Verhaltensnormen notwendig. Für diese Ordnungs-, Schutz-, Abschreckungs- und Friedensfunktion sorgen unsere BH-Mitarbeiter bürgernah, korrekt und höflich.

Mitarbeiter im Amt, im Pflegebereich, beim Roten Kreuz, Lehrer: Sie loben viel und daran erkennt man, dass Sie kein echter Innviertler sind. Hierzulande heißt es ja eher "ned geschimpft is globt gnuag"...

Das erinnert mich an Bruno Kreisky, der hat einmal gesagt: "Lob kann ich nicht genug bekommen". Lob tut jedem gut, schon alleine deshalb, um zu wissen, dass nicht nur immer gesudert wird. Und wenn ich in unsere Bezirksseniorenzentren schaue: Dort sind Engel am Werk.

Auffällig gut sind Ihre Reden. Recherchieren Sie dafür extra?

Ja, gewissenhaft und fleißig. Das ist mir sehr wichtig, weil ich der Meinung bin, dass jeder Zuhörer einen Anspruch darauf hat, gut unterhalten zu werden.

Als Professor für Recht und Wirtschaft gehören Sie nach wie vor zum Lehrkörper der HTL Traun. Vermissen Sie den Beruf?

Lehrer ist einer der schönsten Berufe, ich habe auch in diesem Schuljahr einige Stunden unterrichtet.

Wie dürfen wir uns den Bezirkshauptmann als Lehrer vorstellen?

Als "altersmild" und sehr nachsichtig.

Laufen Sie eigentlich noch immer täglich vor der Arbeit?

Ja, meistens schon, so sieben bis zehn Kilometer. Ansonsten lese ich viel.

Was denn?

Eckhard Henscheid, Brigitte Kronauer, Alois Hotschnig, Alois Brandstätter. Alles Sterne am Literatenhimmel, aber auch bewundernswerte Menschen. Henscheid war schon mehrfach im Friedensbezirk, auch im Franz Xaver Gruber Gedächtnishaus, und sieht, wie auch die hochverehrte Kronauer, unseren Friedensbezirk als paradiesfähig. Auch die liebenswürdige Kammerschauspielerin Julia Gschnitzer, die im Axel Corti-Film "Der Fall Jägerstätter" die Franziska Jägerstätter gespielt hat, ist von unseren Friedensbezirks-Ambitionen angetan und vom Friedensweg in Hochburg begeistert. So wie ich von ihr.

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Artikel Marina Mayrböck 14. Juni 2018 - 19:01 Uhr
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