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Ein Hubschrauberflug, auf den man im Ernstfall liebend gerne verzichtet

SUBEN. Flug-Begleitung: Die OÖNachrichten durften anlässlich des Jubiläums „Zehn Jahre Christophorus 3“ einen Flug an Bord des Rettungshubschraubers miterleben.

Ein Hubschrauberflug, auf den man im Ernstfall liebend gerne verzichtet

Bild: RoKi

Es ist ein Flug, auf den jeder im Ernstfall gerne verzichtet: Im Notarzthubschrauber Christophorus 3 nimmt man nur als Gast eines Demonstrationsfluges gerne Platz. Die Vorstellung, als Patient auf der Trage zu liegen, ist beklemmend. Doch für viele Menschen ist ein Flug im Rettungshubschrauber lebensrettend. 1265 Mal stieg Christophorus 3 im Vorjahr zu einem Einsatz auf. Innerhalb von 15 Minuten ist jeder Einsatzort erreicht.

Pilot Captain Johannes Schöffl macht inzwischen den Helikopter für den Flug bereit. Die Maschine wurde eigens für die Besichtigung während des Festaktes zur 10-Jahres-Feier anlässlich der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit am vergangenen Samstag bereitgestellt. Der „echte“ Einsatzhubschrauber steht nebenan – für den Ernstfall. Und dieser tritt wenig später tatsächlich ein.

7000 Stunden in der Luft

Der 38-Jährige prüft die Instrumente, checkt alle wichtigen Einrichtungen des Helikopters vom Typ EC 135. 1995 hat der Pilot aus Redlham mit dem Fliegen begonnen und die Ausbildung in einer Helikopterschule in den USA absolviert. Danach war Johannes Schöffl als Pilot und Instrumentenfluglehrer unter anderem in Hawaii, Kalifornien und Arizona im Einsatz. „Auch für Touristenflüge“, sagt Schöffl. Es folgten zwei Jahre Pilotenerfahrung in Deutschland, seit 2006 fliegt Schöffl als Hubschrauberpilot für den ÖAMTC. Knapp 7000 Flugstunden hat Johannes Schöffl insgesamt absolviert. „Das ist mittelviel“, sagt er lachend und rückt den Helm zurecht.

Die Geräuschkulisse im Hubschrauber ist niedriger als erwartet, als die EC 135 sanft abhebt. Die Festgäste am Boden werden durch den Wind der Rotorblätter ordentlich durchgeblasen. Wenige Augenblicke später zieht Captain Schöffl eine steile Linkskurve und nimmt Kurs auf das Landeskrankenhaus Schärding. Dort landet Christophorus 3 nach Unfalleinsätzen nicht mehr. Die Unfallabteilung wurde geschlossen, Unfallopfer müssen entweder nach Ried, Braunau, Passau oder Deggendorf geflogen werden, wie Notarzt Peter Hatzl erklärt.

Die meisten Einsätze erfolgen nicht nach Unfällen. 29 Prozent der Heli-Einsätze werden in internistischen Notfällen, etwa nach einem Herzinfarkt, geflogen, 16 Prozent nach neurologischen Notfällen (Schlaganfall). Rund elf Prozent der Einsätze erfolgen nach Unfällen.

Ruhig und ohne Wackler schwebt der Helikopter über Schärding, die näherkommenden Dächer signalisieren den Sinkflug. Nach einem kurzen Touchdown geht es weiter über Schärding Richtung Neuhaus. Auch in Bayern werden von Suben aus Einsätze geflogen. Seit Juli 2002 ist Christophorus 3 der einzige Rettungshubschrauber in Europa, der von zwei Staaten betrieben wird. „Ein europäisches Vorzeigeprojekt“, wie die ÖAMTC-Verantwortlichen gerne berichten. Etwas mehr als die Hälfte der Einsätze fliegt Christophorus 3 in Bayern, sagt ÖAMTC-Landesdirektor Josef Thurnhofer. Fast 12.000 Rettungsflüge hat Christophorus 3 seitdem absolviert.

Eine Trage, ein Beatmungsgerät, Instrumente zur Überwachung von Blutdruck, Herz- und Kreislauffunktion, Notfallmedikamente – der Blick auf die auf das Notwendige reduzierte medizinische Ausstattung im Helikopter verdeutlicht, unter welchen Situationen die Notfallmediziner hier arbeiten müssen. Besonnenheit und Erfahrung zeichet die Notärzte aus. Diese absolvieren ihre Dienste übrigens in ihrer Freizeit. „Ich muss mir Zeitausgleich oder Urlaub dafür nehmen“, sagt Notarzt Fritz Firlinger, der an diesem Tag Dienst hat.

Geld spielt eine große Rolle im Rettungswesen. Eine Flugminute kostet immerhin rund 70 Euro. Die Finanzierung ist seit März durch die Zusammenarbeit vom Land und den Sozialversicherungsträgern geregelt. Rund vier Millionen Euro stellt das Land OÖ jährlich zur Verfügung. Eine hohe Summe, doch damit ist die Rettung vieler Menschenleben verbunden. Das verdeutlicht der Blick auf die gottlob leere Rettungstrage bei diesem Flug immer wieder.

 

Der Ernstfall

Chronologie eines Einsatzes vom vergangenen Samstag – während der Jubiläumsfeier:

14:00 Uhr: Alarm für die Crew von Christophorus 3. Notarzt Fritz Firlinger, Flugrettungssanitäter Klaus Vorich und Pilot Peter Augustin Gmeiner rüsten sich für den Einsatz. Die Musikkapelle eröffnet in diesem Augenblick den Festakt, der für einige Minuten unterbrochen wird.

14:02 Uhr: Der Helikopter Christophorus 3 mit dem Kennzeichen OE-XEK hebt Richtung Andorf ab: Einsatz nach einem Verkehrsunfall mit sechs Verletzten!

14:06 Uhr: Der Hubschrauber landet am Notfallort. Die Beifahrerin in einem der Unfallautos klagt über heftige Schmerzen im Brustbereich. Notarzt Fritz Firlinger stellt fest: Starke Prellung des Oberkörpers. Die 29-Jährige ist bei Bewusstsein und reagiert auf die Aufforderungen des Mediziners. Kreislauf sowie Herzschlag sind stabil, dennoch ist Lebensgefahr nicht auszuschließen. Der Arzt gibt eine Infusion mit Schmerzmittel und verabreicht Sauerstoff. Die Kreislauffunktion wird überprüft und überwacht.

14:20 Uhr: Christophorus 3 hebt mit der Patientin an Bord ab. Flugziel: Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Ried. Während des Fluges überwacht Notarzt Firlinger den Zustand der Patientin, Schmerzinfusion und Sauerstoff werden auch während des Fluges verabreicht.

14:26 Uhr: Der Helikopter setzt am Dach des Rieder Krankenhauses auf. Das Team der Unfallstation übernimmt die Frau. Pilot Peter Augustin Gmeiner nimmt wieder Kurs auf Suben.

14:42 Uhr: Der Einsatz ist beendet. Der Festakt zum 10-Jahres-Jubiläum ist noch im Gang. Das Notarzt-Team macht Ausrüstung und Helikopter für den nächsten Einsatz bereit.

 

„Kein Einsatz wird zur Routine!“

Peter Hatzl ist leitender Notarzt für Christophorus 3. Seit fast 15 Jahren ist der Anästhesist am Krankenhaus Braunau im Einsatz für das Flugrettungsteam.

OÖNachrichten: Werden Einsätze irgendwann einmal „normal“?
Peter Hatzl: Kein Einsatz wird zur Routine, es gibt schon sehr belastende Einsätze. Aber nach 15 Jahren bekommt man Erfahrung. Manche Situation verdrängt man.

Wer entscheidet, ob der Helikopter zum Einsatz kommt?
Das entscheidet die Einsatzleitstelle. Dann wird das nächste geeignete Krankenhaus angeflogen. Bei Unfällen sind dies die Krankenhäuser in Ried, Braunau oder Passau. Bei neurologischen Verletzungen oder Schädelverletzungen sind das Linz, Salzburg oder Deggendorf.

Welche Maßnahmen sind an Bord während des Flugs möglich?
Während des Fluges sind die Möglichkeiten begrenzt, der Raum im Hubschrauber ist knapp. Der Patient wird daher am Boden versorgt und weitgehend stabilisiert. Intubierung und Reanimation sind während des Fluges möglich. Wir hatten beispielsweise einen Patienten, der zur Herztransplantation geflogen wurde und bis Regensburg reanimiert werden musste. Er hat diesen Flug überlebt.

Welche Eindrücke bleiben?
Dramatische Ereignisse bleiben natürlich. Aber ch freu’ mich über jeden Einsatz, der sauber abgearbeitet werden kann. Und manchmal erhalten wir auch den Dank der Menschen, denen wir helfen konnten.

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Artikel Roman Kloibhofer 03. Oktober 2012 - 00:04 Uhr
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