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Drei junge Innviertler wegen Wiederbetätigung verurteilt

BRAUNAU / RIED. Geschworenenprozess: Bedingte Haftstrafen für die Angeklagten aus dem Bezirk Braunau.

Neonazi-Prozess: Drei junge Innviertler wegen Wiederbetätigung verurteilt

Geschworenenprozess im Landesgericht Ried Bild:

Es war ein aus der Szene gewohntes Bild, das die drei Angeklagten aus dem Bezirk Braunau bei ihrem gestrigen Geschworenenprozess wegen Wiederbetätigung gleich zu Beginn abgaben. Jahrelang waren die drei jungen Innviertler in der Neonazi-Szene verankert, jetzt aber hätten sie sich völlig von dieser Ideologie befreit.

Die Anklage von Staatsanwalt Alois Ebner ist lange, mehr als 30 Fakten sind angeklagt. Bei umfangreichen Hausdurchsuchungen wurde bei allen drei Innviertlern umfangreiches einschlägiges Nazi-Material sichergestellt. Auch in Sachen "Körperverzierungen" dürften sich die drei Männer (21, 23 und 23 Jahre alt) ziemlich einig gewesen sein. Alle drei haben Tätowierungen mit einschlägigen NS-Symbolen.

Die Silvesterfeier in der Nacht vom 31. Dezember 2015 auf den 1. Jänner 2016 wurde in einem speziell dekorierten Partyraum durchgeführt. Unter anderem war der Raum mit einer Reichskriegsflagge, einer Fahne mit dem Reichsadler und einem Hakenkreuz gestaltet, so die Vorwürfe. "Das habe ich damals schön gefunden", sagt einer der Angeklagten.

Ebner will vom 21-jährigen Angeklagten wissen, warum es 2015 in einer WhatsApp-Gruppe einen Aufruf zu einer Reise ins KZ Mauthausen gegeben habe. "Das hat uns halt interessiert, wir wussten ja auch nicht, wie es dort ausschaut", so die Antwort. Für Ebner eine wenig glaubwürdige Aussage, da auch Fotos, auf denen die Nazi-Tätowierungen zu sehen sind, gemacht worden waren. "Das war wohl eher eine Pilgerreise", sagt Ebner.

Dass er im Dezember 2015 die Stadtmauer von Braunau unter anderem mit Hakenkreuzen beschmiert hat, bestreitet er nicht. Jetzt habe er mit der Szene aber nichts mehr zu tun. "Ich habe neue Freunde gefunden. Für mein damaliges Gedankengut verurteile ich mich heute selber." Allzu lange dürfte er sich aber von seinem Gedankengut noch nicht gelöst haben. Im September 2016 soll der Angeklagte stark alkoholisiert in Salzburg die Hand zum Hitlergruß erhoben haben und dabei immer wieder das Wort "Hakenkreuze" geschrien haben.

Der Zweitangeklagte (23) hat sich mit 17 Jahren erstmals ein Nazi-Symbol stechen lassen, räumt er ein. Auch das Gesicht eines SS-Mannes hat er sich tätowieren lassen. "Ja, der hat mir damals von der Persönlichkeit getaugt", so der Beschuldigte. Beim Verherrlichen von Adolf Hitler in verschiedenen Facebook-Gruppen und auch bei der "Wohnungsdekoration" mit NS-Symbolen habe er "sich nicht viel gedacht", so der Beschuldigte.

Auf die Frage, ob er sich früher gewünscht hätte, in der NS-Zeit geboren zu sein, antwortet er: "Ja, damals schon, die Gemeinschaft, der Zusammenhalt haben mich fasziniert." Nach der Hausdurchsuchung habe sein Umdenkprozess begonnen. "Da habe ich gewusst, so kann es nicht mehr weitergehen." Das sei aber Schnee von gestern, mit seiner damaligen Gesinnung habe er überhaupt nichts mehr zu tun. "Jetzt bin ich glücklich", sagt er zum Geschworenengericht.

Ähnlich verantwortet sich der Drittangeklagte, der sich unter anderem die Worte "meine Ehre heißt Treue" auf die Brust tätowieren ließ. Auf die Frage der Richterin, was er am Nationalsozialismus gut gefunden habe, antwortet der Innviertler: "Die Kriminalitätsrate und Arbeitslosenrate im Dritten Reich waren sehr niedrig." Jetzt sei er geläutert. "Ich habe viele Fehler gemacht."

Ein Jahr bedingt für jeden

Nach längerer Beratung geben die Geschworenen ihr Urteil bekannt. Alle drei Angeklagten werden zu jeweils einem Jahr bedingter Haftstrafe verurteilt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

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Artikel OÖN 06. Oktober 2017 - 03:26 Uhr
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