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Der Professor, der mit dem Mond funkt

BRAUNAU. Johannes Fasching ist studierter Elektrotechniker und gilt als einer der besten Lehrer, die die HTL Braunau aufzubieten hat. Er betreut vorwiegend Projektgruppen bei ihren Maturaarbeiten und versteht eine Menge von seinem „Handwerk“.

Der Professor, der mit dem Mond funkt

Johannes Fasching gehört zu jenen fünf Österreichern, die mit dem Mond in Funkverbindung stehen. Weltweit sind es rund 1000 Menschen. Bild: HTL Braunau

Der 61-jährige verheiratete Vater von vier Kindern betreibt ein nicht alltägliches Hobby. Er funkt mit dem Mond. Wie „Hello Moon, Braunau calling“ funktioniert und was für eine Rolle eine Parabolantenne dabei spielt, demonstriert er Freitag Abend in der HTL bei einem Live-Versuch. Fasching sendet Funksignale zum Mond und wertet das zurückkommende Echo aus, um so Kontakt mit Gleichgesinnenten in aller Welt herzustellen.

Das hört sich alles sehr spannend an, was Sie da tun. Wie sind Sie zu diesem Hobby gekommen?

Fasching: Der eigentliche Einstieg war ein Taschenbuch, das ich als 14-Jähriger bekommen habe. Darin war beschrieben, wie man einen Amateurfunkempfänger selbst bauen kann. 1965 habe ich angefangen, einige alte Radios auszuschlachten, um daraus einen Empfänger und später einen Sender zu bauen.

Und wie ging es dann weiter?

Den speziellen Funkverkehr mit dem Mond als Reflektor begann ich 1982, nachdem ich anlässlich eines Funkversuchs über Meteoriten zufällig eine Station aus den USA gehört hatte, da die Antenne gerade in Richtung Mond stand. Dabei muss mich irgend ein spezielles Virus befallen haben, das ich bis heute in mir trage.

Kontakte via Telefon und Internet wären doch viel einfacher.

Prinzipiell kann man bei jedem Hobby den Sinn hinterfragen – bei meinem natürlich ganz besonders. Ich vergleiche mich mit einem Bergsteiger, der eine schwierige Route wählt, obwohl auch eine Seilbahn auf den Gipfel führen würde. Mir geht es primär um die Technik und ums Experimentieren.

Ist das alles nicht sehr zeitaufwändig?

Ich bin gerade am Bauen einer neuen Antenne. Etwa 400 Stunden werden nötig sein, bis der Parabolspiegel einsatzfähig ist. Ich habe aber Glück. In der mechanischen Werkstätte der HTL Braunau finde ich immer Experten, die mir behilflich sind. In der Software-Erstellung steckt natürlich auch viel Zeit.

Wie erfolgt so eine Kontaktaufnahme mit dem Mond?

Es werden Impulse (Morsezeichen) mit einer Leistung von 100 Watt auf dem Amateurfunkband 1,3 GHz gesendet. Die Antenne bündelt die Wellen, ähnlich wie ein Scheinwerfer, trotzdem treffen nur fünf Prozent der Leistung – also fünf Watt – nach einer Reise von 400.000 Kilometern nach 1,3 Sekunden die Mondoberfläche, wovon auch noch der größte Teil absorbiert wird. Etwa ein Watt wird vom Mond diffus zurückgestrahlt, davon trifft nur 0,1 Milliwatt nach einer Reise von nochmals 400.000 Kilometern und insgesamt 2,5 Sekunden gleichmäßig verteilt auf die Erde.

Und das fangen Sie wieder auf?

Ja, einen ganz kleinen Bruchteil davon, und zwar mit Hilfe unseres Parabolspiegels, der einen Durchmesser von fünf Metern hat. Die empfangene Leistung beträgt 0,000000000000001 Milliwatt, also die 15. Stelle hinterm Komma.

Was würde eine noch größere, leistungsfähigere Antenne bewirken?

Mit einer größeren Parabolantenne könnte man das Echo gesprochener Worte hören. Aber mit Morsezeichen funktioniert es bei uns schon sehr gut. Für die Anlage ist natürlich eine Lizenz der Fernmeldebehörde notwendig.

Ist Ihnen ein Versuch in besonders starker Erinnerung?

Ein sehr interessanter Versuch, allerdings mit einer anderen Anlage, lief bereits 1999 beim Jahrhundertereignis der totalen Sonnenfinsternis. Zum Zeitpunkt der totalen Abdeckung der Sonne durch den Mond bleibt die Strahlung der Sonnenkorona übrig. Wir konnten durch eine Vergleichsmessung deren unterschiedliche Strahlung auf den Frequenzen 432 MHz und 1,3 GHz bestimmen. Das ist wahrscheinlich nur für den echten Experten interessant, aber es war ein Versuch, der für mich nicht wiederholbar ist.

Profitieren Sie auch auf die eine oder andere Art von Ihrem Hobby?

Neben der interessanten technischen Beschäftigung schätze ich vor allem die guten Kontakte, die zwischen den Amateurfunkern bestehen, die dieses Thema bearbeiten.

Sind das denn viele?

In Österreich sind es zur Zeit fünf Personen, weltweit, schätze ich, dürften sich an die 1000 Leute damit beschäftigen. Über die Jahre hinweg haben sich sehr nette Bekanntschaften ergeben, zum Beispiel mit einem Archäologen von der Isle of Wight, bei dem wir schon einen Urlaub verbracht haben. Außerdem habe ich mit Ausnahme von Australien schon Besuche von Funkerfreunden aus allen Kontinenten erhalten. Alle zwei Jahre gibt es zudem Treffen, an denen immer 100 bis 150 Mondfunker teilnehmen. Im heurigen Sommer findet es in Cambridge statt. Ich bin eingeladen, dort einen Vortrag über die spezielle Formgebung von Parabolspiegeln zu halten.

Publizieren Experten wie Sie auch ihre Forschungsergebnisse?

Wenn ich wieder einmal neue Dinge ausprobiert habe, erscheinen meistens in Fachzeitschriften einige Beiträge. Für die Allgemeinheit ist das ja nicht sonderlich interessant. Einmal bekam ich eine japanische Funkzeitschrift mit einen Bericht über meine Anlage in die Hand. Dass er mich betraf, konnte ich an den Fotos erkennen, lesen konnte ich den Artikel natürlich nicht.

Was planen Sie als Nächstes, Herr Professor?

Wie schon erwähnt, bin ich momentan dabei, eine neue, größere Parabolantenne zu bauen, mit der dann auch Sprechfunk über den Mond möglich sein soll. Natürlich beschäftige ich mich auch mit Neuerungen im Bereich der Elektronik, die für mein Hobby relevant sind. Auch auf dem Softwaresektor gibt es laufend Entwicklungen.

 

 

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Artikel Max Hofer 27. April 2012 - 00:04 Uhr
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