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Aus für Bernis Backstube: Er schiebt Schuld auf die Gewerbebehörde

METTMACH, ASPACH. Diese weist die Anschuldigungen des Mettmacher Unternehmers aber vehement zurück. Fuhrpark wird im April gerichtlich versteigert.

Aus für Bernis Backstube: Er schiebt die Schuld auf die Gewerbehörde

Am Sonntag wurde der 120.000 Euro teure mobile Nahversorger-Truck in Treubach eröffnet, am Dienstag war mit dem Unternehmen dann Schluss. Bild: privat

"Vorübergehend geschlossen" – Zettel mit dieser Aufschrift hängen seit einigen Tagen an der Eingangstür von "Bernis Backstube" in Mettmach. Firmeninhaber Bernhard Beham hat diese mit dem Hinweis versehen, dass die Braunauer Gewerbebehörde die Schließung der Bäckerei, des Cafes und der Nahversorgungseinrichtungen in Aspach/Wildenau, Höhnhart und Moosbach zu verantworten habe.

"Das ist ja ungeheuerlich", sagt der dort namentlich angeführte Gewerbereferent Raimund Schwarzmayr. "Von Schikane kann gar keine Rede sein!" Die Reaktion sei "völlig unverständlich". Erstens sei die Braunauer Gewerbebehörde nicht für Mettmach zuständig, und zweitens habe es keine Anordnung zu einer Schließung der Cafes und Nahversorgungseinrichtungen gegeben. Bernhard Beham sei lediglich vor einigen Monaten dazu aufgefordert worden, für den Betrieb in Wildenau die Fertigstellungsunterlagen bzw. -anzeigen vorzulegen. "Danach war das Verfahren bewilligt und abgeschlossen", sagt Raimund Schwarzmayr. Seitdem habe es nichts mehr gegeben.

 

 

Bernhard Beham hingegen fühlt sich nach eigenen Angaben weiterhin "von den Behörden schikaniert". Er sei wegen fehlender Gutachten und zu laut zugeschlagener Türen und zu laut wegfahrender Mopeds (in Wildenau) seit Wochen behindert und bestraft worden. Vergangenen Montag habe er dann einen Anruf erhalten, dass ihm die Gewerbeberechtigung entzogen werde. Das dementieren jedoch sowohl die zuständigen Stellen der Bezirkshauptmannschaften in Ried und Braunau. 

Gerichtliche Versteigerung 

Wer ein Auto von Bernhard Beham ersteigern möchte, hat dazu am 12. April, 15 Uhr, die Möglichkeit. Laut Justiz Ediktdatei werden an diesem Tag ein BWM 118d, ein BMW 420d Drive Coupe und ein LKE Peugeot gerichtlich versteigert. 

"Habe mich entschlossen, aufzuhören" 

Jetzt sehe Beham nicht mehr ein, weshalb er noch weitermachen soll: "Ich habe mich daher entschlossen, aufzuhören." Das sei seine eigene Entscheidung gewesen. Zahlungsunfähigkeit bestehe nach seinen Angaben nicht: "Die Passiva betragen nicht einmal 900.000 Euro, die Aktiva zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Euro", sagt Beham. Es gebe kein Konkursverfahren, ein Sanierungsverfahren werde er aber beantragen. Der Kreditschutzverband von 1870 konnte Behams Angaben noch nicht bestätigen. Bei der Arbeiterkammer ist der Mettmacher hingegen nicht unbekannt.

Gute Freunde im Ausland

Der Mettmacher sei nun nicht mehr gut auf Österreich zu sprechen und wolle dem Land den Rücken kehren: "Ich werde alles in Österreich verkaufen und ins Ausland gehen, vielleicht nach Quatar, in die USA oder nach Australien. Ich habe so gute Freunde in der internationalen Industrie, da gibt es so viele Jobs und Angebote für mich. Bis Jahresende bin ich gemeinsam mit meiner Schwester und Mutter weg." In Eitzing, wo Bernhard Beham einen Nahversorger ankündigte (hier geht es zum Bericht), wird man sich wohl oder übel nach einer anderen Option umsehen müssen.

 

Vermittlungsverbot für Jobs in Bernis Backstube

AK-Rechtsexperte Michael Steffan

Vermittlungsverbot für Jobs in Bernis Backstube

In der Arbeiterkammer Ried ist Bernis Backstube nicht unbekannt. 25 Personen haben sich seit 2013 an die AK wegen Forderungen gewandt. „Für morgen, Mittwoch, haben sich weitere zwölf jetzt gekündigte Mitarbeiter bei uns angemeldet“, sagt der Rechtsreferent der AK Ried, Michael Steffan. „Von den erwähnten Fällen hat es bisher noch keinen einzigen gegeben, den die Arbeiterkammer Ried verloren hat. Die Gerichts- und Verfahrenskosten kosten dem Bäckereibetrieb eine Stange Geld. Ich befürchte, dass diese Vorgehensweise für die Firma über kurz oder lang in einem finanziellen Fiasko enden wird.“ Das sagte Steffan im August 2016, hier geht es zum Bericht.

15 Mitarbeiter sind seit der Vorwoche ohne Job. „Ich habe 15 Leute rausschmeißen müssen, offenbar gibt’s in Österreich zu viele Arbeitsplätze“, sagt Unternehmer Beham. Die AK sieht das etwas anders und kommentiert die bisherigen Fälle. Das Vorgehen sei laut AK immer ähnlich gewesen. Gehälter seien nicht bezahlt worden, diese mussten von der Kammer in vielen Fällen eingeklagt werden. Das sei nicht nur bei strittigen Sachverhalten, sondern auch bei völlig klaren Sachlagen der Fall gewesen.

Bernhard Beham dürfte sich auch im Regionalbereich der Sozialpartner (u. a. AK, AMS) keinen guten Namen gemacht haben. Laut OÖN-Informationen soll es seit mehreren Monaten sogar ein „Vermittlungsverbot“ von Arbeitskräften für Bernis Backstube geben. Ein solches Verbot soll so gut wie überhaupt nie vorkommen.

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Artikel Roman Kloibhofer und Thomas Streif 20. März 2017 - 20:20 Uhr
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