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Ein Herz für Stahl

Karl Simon ist jemand, der mit dem Hammer auf glühendes Metall einschlägt und der sein Handwerk liebt. Aber etwas, das nur er macht, weil er es kann, ist Schmuck aus Edelstahl zu schmieden.

Ein Herz für stahl

1000 Grad: Die richtige Temperatur und Konzentration sind entscheidend Bild: VOLKER WEIHBOLD

Die eiswürfelgroßen Steinkohlestücke glühen, ein kleiner Ruck mit dem Schieber, der die Sauerstoffzufuhr regelt, und das Feuer in der Esse schlägt gelb-orange Zungen. Die Farbe der Glut zeigt Karl Simon, ob es heiß genug ist, um darin den Rohling zu versenken. Temperaturen wie in einem Hochofen kann sein Schmiedefeuer erreichen. Doch für den 57-Jährigen tun es auch weniger als 1500 Grad. Bei 900 bis 1000 Grad sei die ideale Schmiedetemperatur, sagt er. Rot glüht die Glut dann.

Edelstahl rostfrei ist das Material, aus dem etwa Kochtöpfe sind – und die Schmuckstücke aus der Ideenschmiede von Karl Simon. "Eisen ist wie Butter dagegen", sagt der Bad Leonfeldner, und selbst der Laie ahnt, dass es sich um ein Material handelt, das besondere Anforderungen stellt. "Anspruchsvoll" ist das Wort, das Simon verwendet, sperrig sei es außerdem. "Man muss zügig und konzentriert arbeiten. Vor allem, weil die Stücke klein sind und schnell auskühlen." Dass meiste an Technik hat er sich selber erarbeitet, sich in seinen gut 20 Fachbüchern eingelesen. Aber das Wichtigste sei Übung, sagt er. Auch ein Schmiedemeister fällt eben nicht vom Himmel. Noch dazu, weil es keinen gibt, der Vergleichbares macht. Edelstahl und Schmieden sei "schon außerhalb der Norm", "eine seltene Kombination", sagt der Bad Leonfeldner bescheiden. Es hielt ihn dennoch nicht davon ab, Ringe, Anhänger in Herz-, Gitter- und Blumenform für Ketten und Armbänder in sämtlichen Größen zu schmieden. Aber nicht nur Frauen, die etwas für außergewöhnlichen Schmuck übrig haben, werden bei Simon fündig, auch für Männer hat er etwas im Sortiment: Gürtel(-schnallen). "Ein Wundermittel", nennt er das Accessoire, das auf Kunsthandwerksmärkten die Männer wie magisch an den Stand der Simons zieht. Ob mit Zunft- oder Sternzeichen, mit eingravierten Sportsymbolen, mit Musiknoten oder eingepassten 10-Schilling-Münzen, an die 150 bis 200 unterschiedliche Motive hat er parat. Ein Motiv passt immer.

Simon fertigt aber auch auf Wunsch. "Viele kommen und wollen ihren Lieblingsstein eingefasst haben. Persönlich mag es der bodenständige Mühlviertler gern mit Heimatbezug, verarbeitet am liebsten Granitsteine. Was ihn an seiner Arbeit am meisten fasziniert? "Schmuckstücke zu machen, die eigentlich untragbar sind", sagt er und lacht herzhaft, weil, entgegen seiner ursprünglichen Annahme, die Erfahrung ihn lehrte, dass gerade diese Schmuckstücke mitunter am besten ankommen. Für manche Damen können sie gar nicht groß genug sein. "Machen Sie mir ein richtiges Trum" lautete etwa der Auftrag einer Kundin, die sich ein Herz aus Granat einfassen lassen wollte und die Karl und Maria Simon nie vergessen werden.

Feuer gefangen

Ehefrau Maria war der Grund, warum sich der 57-Jährige als Schmuckschmied versuchte. Alles begann mit einem selbst gemachten Weihnachtsgeschenk an sie, das nicht nur ihr gefiel, sondern auch anderen – vielen anderen. "Sie wurde sehr oft darauf angesprochen", sodass es bald mehr Schmuck aus der Schmiede gab. Es waren erste Gehversuche in eine ganz andere Richtung, denn als Werksmeister in der Linzer Schiffswerft reparierte, wartete, hantierte der gelernte Maschinenschlosser bis dahin mit tonnenschweren Gerätschaften. Die Schmiedemeisterprüfung war eine Draufgabe, weil er für das Handwerk irgendwann Feuer fing. Das Filigrane hätte ihn immer auch interessiert, sagt er: "Als Kind wollte ich Uhrmacher werden."

Vor neun Jahren hat er die Pendlerei nach Linz endgültig sein lassen und mit 48 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit getan. Gattin Maria ist nicht nur seine "Werbeträgerin", sondern in ihr findet er auch tatkräftige Unterstützung beim Verkauf und beim geschmackvollen Dekorieren des hauseigenen Ateliers. Die Selbstständigkeit hat er nie bereut. "Ich arbeite jetzt zwar mehr Stunden, aber es ist ein lusterfüllteres Arbeiten", sagt er. In der Halle einer aufgelassenen Baufirma mitten in Bad Leonfelden hat er seine Werkstätte. "Mach was Schönes" steht dort auf der Abzugshaube der Esse, mit Kreide geschrieben und beinah’ verdeckt von den gut 50 Feuerzangen, die wie aufgefädelt dahängen. Jene mit blank poliertem Griff sind die, die der 57-Jährige am häufigsten in die Hand nimmt. Ganz automatisch bekommt er die passende Zange zu fassen, um den Rohling in der Glut zu wenden.

Am liebsten arbeitet Karl Simon allein. "Sobald du dich unterhältst, ist es meist auch schon zu spät und der Rohling ist kaputt, weil er zu lange im Feuer war." Reden oder Arbeiten, beides gehe halt schlecht, sagt er, während er den glühenden Rohling in Schneckenform, der ein Schlüsselanhänger werden soll, mit der Zange aus der Glut und auf den Amboss befördert. Ehe man es sich versieht, schlägt Karl Simon auch schon zu, dass die Funken sprühen. Jeder Hammerschlag sitzt, ist hart und doch dosiert. Geschickt dreht er das noch immer glühende Stück zunächst zur Seite, kippt es dann nach vorne, wechselt den Hammer gegen eine weitere, kleinere Zange und biegt das obere Ende in Form. Nach nicht einmal einer halben Minute ist alles vorbei, denn auch für Edelstahl gilt: "Schmiede es, solange es heiß ist."

Kontakt: Beim Grafenegger Advent auf Schloss Grafenegg/NÖ (8.–12. Dezember) stellen die Simons ihre Schmuckstücke das nächste Mal aus. Weitere Infos unter: www.schmuckausderschmiede.at

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Artikel Roswitha Fitzinger 03. Dezember 2016 - 00:04 Uhr
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