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Oberösterreich

Jesper Juul: „Wir müssen unsere Lehrer verwöhnen“

Er lebt im Paradies der Pädagogen: Dänemark. Familientherapeut Jesper Juul bezeichnet sich als letzten Generalisten, schreibt Bücher über zwischenmenschliche Beziehungen und spricht in Linz darüber, wie Schule in Österreich funktionieren könnte.

OÖN: Sind Lehrer in Österreich frustrierter als in anderen Ländern?

Juul: Nein, nur gehorsamer. Sie lassen sich zu viel gefallen. In Wirklichkeit sollten Lehrer, Schüler und Eltern gemeinsam auf die Straße gehen und gegen das theresianische Schulsystem demonstrieren. Wenn es dann so weit ist, dann komme ich und gehe mit.

OÖN: Wie könnte man das Schulsystem denn reformieren?

Juul: Um Schulen besser zu machen müssen wir Lehrer zehn Jahre lang nach Strich und Faden verwöhnen. Ich denke da an Fortbildungen, ausgezeichnete Führungskräfte und den Abbau von Bürokratie. Kindern geht es immer nur so gut, wie es auch den Erwachsenen geht. Wenn unsere Lehrer unzufrieden sind, dann sind es auch die Schüler.

OÖN: Warum ist das österreichische Schulsystem Ihrer Meinung nach schlecht?

Juul: Das Problem ist, dass Politiker sich nur zu Schulbeginn und zu Schulschluss für das Thema Bildung interessieren. Sie haben keine Visionen sondern wollen nur gute PISA-Ergebnisse.

OÖN: Und Sie haben Visionen?

Juul: Wenn es nach mir ginge so würde ich alle Schulen schließen. Bürokraten und unfähige Schulleiter entlassen und nach fünf Jahren Schulen mit neuen Prozessen eröffnen.

OÖN: Also Prozesse und nicht Strukturen ändern?

Juul: Ja, das ist wie in einer gescheiterten Ehe. Es nützt ja nichts in ein neues Haus zu ziehen – also die Struktur zu verändern – sondern man muss das Miteinander ändern. Also die Prozesse.

OÖN: Von welchen Prozessen sprechen wir?

Juul: Es geht um zwischenmenschliche Beziehungen. Die zwischen Lehrern und Eltern, die zwischen Lehrern und Schülern und die zwischen den Lehrern untereinander. Besonders auffallend finde ich, dass es in Österreich kaum Teamarbeit oder Supervisionen gibt. Das sagt doch schon viel aus. Lehrer sind alleine gelassen mit ihren Problemen und die Prügelknaben der Nation.

OÖN: In Ihrem Heimatland Dänemark gibt es Unterstützung für Lehrer?

Juul: Ja, an vielen Schulen. Es ist ja beispielsweise ein Faktum, dass die Schulleistung von Scheidungskindern um 20 Prozent sinkt. Grund dafür ist, dass die Eltern ihre eigenen Probleme lösen müssen. Lehrer haben einfach nicht die Ausbildung in solchen Situationen Hilfestellung geben zu können. Dafür braucht es Experten.

Vortrag Jesper Juul: Heute ab 19 Uhr spricht Jesper Juul unter dem Titel „Das lernende Dreieck: Lehrer-Schüler-Eltern“ im Festsaal des neuen Magistrates Linz. Karten (12 Euro) gibt es an der Abendkasse sowie in der Linzer Buchhandlung Alex.

Kommentare
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Artikel 26. Januar 2011 - 00:04 Uhr
Von Christina Tropper
Bild vergrößern „Wir müssen unsere Lehrer verwöhnen“

Der dänische Familientherapeut Jesper Juul in Linz  Bild: tropp

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