„Ich bin bestürzt, entsetzt und empfinde diese öffentliche Schaustellung als eine Frechheit jenen gegenüber, die damals zu Tausenden und Millionen nicht nur ihr Leben verloren haben, sondern dabei noch auf grausame Weise ermordet und hingemetzelt wurden“, sagt ein Augenzeuge, der den Kranz für die SS-Soldaten am Stadtfriedhof in Traun/St. Martin gesehen hat.
Ähnlich reagierte gestern auch Karl Berger, der Chef der Linzer Friedhöfe, zu denen der Stadtfriedhof gehört. Seine erste Reaktion beim OÖN-Gespräch: „Ich erstatte sofort Anzeige, obwohl ich noch nicht weiß, ob der Kranz illegal ist.“
Berger meldete den Vorfall der Polizei Traun. Gestern Mittag der Lokalaugenschein: Ein Kriminalbeamter schneidet die Schleife ab und nimmt sie mit. Es sollen mögliche Fingerabdrücke genommen werden. Ob ein Verstoß gegen das Wiederbetätigungsgesetz vorliegt, konnte bis gestern niemand sagen. Es wird ermittelt.
Innenministerium zuständig
Auch im Innenministerium, das für die Kriegsgräber-Fürsorge zuständig ist, ist man unschlüssig, ob Wiederbetätigung vorliege. Aber, dass die Schleife entfernt werden muss, sei klar. „Ich sehe es als Provokation, dass auf dem Kranz der SS-Einheiten gedacht wird. Unabhängig von einem möglichen Verstoß“, sagt Jochen Wollner aus dem Innenministerium. Er habe deshalb gestern auch alle Landesregierungen verständigt, dass sie auf weitere Kränze mit SS-Gedenken achten sollen. Diese müssten sofort entfernt werden, lautet die Anweisung aus dem Innenministerium.
Seit mehr als 80 Jahren kümmert sich das Schwarze Kreuz um das Gedenken jener Soldaten, die in den Weltkriegen gefallen sind. „Wir wollen keine Schleifen für SS-Kameraden“, sagt Friedrich Schuster, Landesgeschäftsführer des Schwarzen Kreuzes. Man müsse aber unterscheiden: „Es hat bei der SS Elite-Kampftruppen gegeben, die nichts mit der KZ-Aufsicht zu tun gehabt haben.“ „Auf diese Diskussion will ich mich gar nicht einlassen“, sagte dazu Jochen Wollner.
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