Es war einer der größten Medizin-Skandale in Österreich, der in den 70er-Jahren seinen Ausgang genommen hat. Hunderte Menschen spendeten bei Seroplas, einer Tochter der Hoechst Austria AG, in Linz, Wien und Klagenfurt Blutplasma. Jahre später erkrankten viele von ihnen an Hepatitis C, die zu schweren Leberschädigungen wie dem Leberzellkarzinom führen kann. Als Ursache wurden später mangelnde Hygienebedingungen festgestellt. Eines der Opfer ist die Linzerin Brigitta Kaiser. „Es gibt schon Momente, in denen ich wütend bin. Besonders, wenn es mir schlecht geht“, sagt sie.
Rückblende ins Jahr 1977: Kaiser, damals 19 Jahre alt, wollte sich mit ihrer Plasmaspende ihr Lehrlingsgehalt aufbessern. Nach einem Gesundheitscheck ließ sie sich im Februar erstmals Blut abnehmen. Weitere Sitzungen folgten.
Im April tauchten erste Gesundheitsprobleme auf. Kaiser wurde wegen der plötzlich hohen Leberwerte wochenlang im AKH behandelt. „Da das Hepatitis-C-Virus damals noch unentdeckt war, hieß es, dass ich Hepatitis-Non-B habe. Also nichts Tragisches.“
Erst im Jahr 2002, 25 Jahre nach den Plasma-Spenden, brach das Hepatitis-C-Virus aus. „Die Diagnose war im ersten Moment wie ein Todesurteil“, sagt Kaiser. Doch sie kämpfte, unterzog sich einer langwierigen Spritzen-Therapie, nahm ein Jahr starke Medikamente. „Ich war ständig müde, wurde aggressiv, litt an Haarausfall.“ Doch die Tortur machte sich bezahlt. Seit 2004 gilt Kaiser als geheilt – muss aber lebenslang Diät halten.
Anfang 2000 erwirkte der Wiener Rechtsanwalt Hans Otto Schmidt nach einem jahrelangen Rechtsstreit einen Vergleich für Kaiser und weitere 322 Geschädigte. Da Seroplas zuvor Konkurs anmeldete, zahlte die Versicherung um 20 Prozent weniger als ursprünglich bei den Vergleichsverhandlungen vereinbart (siehe Stichwort). Kaiser erhielt 20.000 Euro an Entschädigung.
Da sich 2005 aber herausstellte, dass sich Hoechst entgegen bisherigen Behauptungen sehr wohl an den Entschädigungszahlungen beteiligt hatte, will Schmidt nun die ursprünglich zugesagten 20 Prozent für Brigitta Kaiser und die anderen Opfer zurückverlangen. Die Gesamtforderung lautet auf zwei Millionen Euro. „Die Entschädigung kann zwar den lebenslangen Gesundheitsschaden nicht wiedergutmachen, aber es wäre eine Genugtuung“, sagt Kaiser.
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