Die gestern zu Ende gegangene Landwirtschaftsmesse Agraria in Wels ist nicht nur ein wichtiges Stimmungsbarometer für die Landwirtschaftsbranche in Österreich, sondern auch ein entscheidender Indikator dafür, in welche Richtung sich die Landwirtschaft entwickelt.
„Es lassen sich mehrere Trends ablesen“, sagt Rudolf Dietrich, Sprecher der Landtechnikbranche, der auf der Messe in engem Kontakt mit seinen Händler-Kollegen stand. Nicht einzelne Maschinen oder Geräte seien bei den Landwirten heuer besonders nachgefragt gewesen, sondern es sei generell festzustellen, dass trotz der aktuellen politischen Debatte über zu hohe Agrarförderung die Bauern nach dem schwierigen Jahr 2009 wieder investieren wollen und positiv in die Zukunft blicken. „Sie lassen sich nicht vom Weg abbringen.“
Eindeutig sei der schon länger anhaltende Trend zu mehr Schlagkraft. Durch viele Betriebszusammenlegungen sind die Bauern auf größere Traktoren und Maschinen angewiesen, um in derselben Zeit die mehr gewordene Arbeit zu erledigen. „Deshalb muss sich auch die Effizienz der Landmaschinen erhöhen“, sagt Dietrich.
Im konkreten Fall heißt das etwa, dass die durchschnittliche PS-Anzahl bei Traktoren – als Leitmaschinen der Branche – kontinuierlich steigt. Waren es im Jahr 1990 noch durchschnittlich 67 PS, sind es im Jahr 2009 98 PS. „Damit kann man zum Beispiel nicht einen Drei-Scheren-Pflug ziehen, sondern schon einen Vier-Scheren-Pflug.“ Auch der Traktorenbestand in Österreich habe sich in diesen knapp zwanzig Jahren von 386.438 (1990) auf 424.084 (2009) erhöht. Gleichzeitig gibt es aber weniger Bauern. Seien es 1999 in Österreich noch 80.000 Haupterwerbsbauern und 129.000 Nebenerwerbsbauern gewesen, sind es laut aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 2007 noch 70.000 Haupterwerbsbauern und 104.000 Nebenerwerbsbauern. Dietrich: „Weil die einzelnen Bauern deshalb immer größere Flächen bewirtschaften müssen, werden auch ihre Maschinen immer größer.“
Nicht nur Traktoren und Mähdrescher, sondern auch Ladeanhänger. „Dieser Entwicklung muss auch die Landtechnik Rechnung tragen“, so Dietrich. Vor zehn Jahren sei ein Ladewagen mit 23 Kubikmetern noch groß gewesen, heute sind 50 Kubikmeter gängig. (ct)
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