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Oberösterreich

„Natürlich haben alle Damen den Jochen Rindt angehimmelt“

LINZ. Irene Edinger (85) aus Linz kannte Jochen Rindt persönlich: Sie traf ihn bei einem Fahrtraining für Frauen der OÖNachrichten im April 1966. Für Sie ist es, als sei es gestern gewesen. Warum, sagt sie im OÖN Interview.

OÖN: Frau Edinger, wie sind Sie damals zu der Begegnung mit Jochen Rindt gekommen?

Edinger: Auf das Fahrtraining mit Jochen Rindt bin ich durch einen Artikel in den Oberösterreichen Nachrichten aufmerksam geworden. Mein Mann Georg und ich waren schon immer Leser der OÖNachrichten. Also habe ich mich für beworben und hab dann wirklich den Brief mit der Einladung bekommen.

OÖN: Den Führerschein hatten sie aber schon lange?

Edinger: Ja, den habe ich bereits seit 1948, da war ich 23 Jahre alt. Ich fuhr immer einen kleinen Ford. Deshalb war das Training eigentlich gar nicht so wichtig, ich wollte einfach Jochen kennenlernen.

OÖN: Warum sind Sie ein Motorsport- und Rindt-Fan?

Edinger: Nachdem mein Mann immer sehr rennsportbegeistert war, habe ich das auch geteilt. Ich habe immer gesagt, dass mein Mann nicht mit Milch, sondern mit Benzin aufgezogen worden ist. So war Jochen Rindt natürlich auch für mich und nicht nur für meinen Mann ein Idol.

OÖN: Wie war es damals am 27. April 1966?

Edinger: Für mich ist es so, als sei es erst gestern gewesen. Wir haben uns um 14 Uhr im Festsaal des Landesgendarmeriekommandos an der Gruberstraße getroffen, und Jochen Rindt hat uns Teilnehmerinnen Tipps und Tricks für das Autofahren gegeben. Um 15 Uhr sind wir dann in den Hof gegangen, wo wir dann in Dreiergruppen mit Jochen Rindt in einem großen schweren Ford Mark IV gefahren sind. Der Wagen war zwar für mich überdimensioniert, aber das war eigentlich kein Problem.

OÖN: Obwohl Autogrammkarten verteilt worden sind, haben Sie ihn noch einmal um eine Unterschrift ersucht?

Edinger: Ja, und auf dieses bin ich heute noch sehr stolz. Ich habe es mir, weil ich sonst nichts mithatte, auf die Visitenkarte meines Mannes geben lassen. Jochen Rindt war sehr charismatisch und natürlich haben ihn alle Damen angehimmelt. Jochen Rindt war vom Fahrkönnen der meisten Teilnehmerinnen, die im Alter von 20 bis 50 Jahren waren, ehrlich begeistert. Er sparte nicht mit Lob.

OÖN: Haben Sie die Karriere von Jochen Rindt dann weiterverfolgt?

Edinger: Selbstverständlich. Und als die Rennen im Jahr 1970 erstmals live übertragen worden sind, haben wir bei jedem Grand Prix mitgefiebert und mitgezittert. Speziell in Monte Carlo am 10. Mai 1970, als er in der letzten Kurve Jack Brabham überholt hat. Das war einfach ein Wahnsinn.

OÖN: Und dann kam das Drama von Monza. Wie haben Sie die Nachricht erfahren?

Edinger: Vom Tod von Jochen habe ich durch meinen Mann am Nachmittag des 5. September 1970 erfahren, als er vom Tennisspielen nach Hause gekommen ist. Er hatte es dort gehört, ich hatte das Radio nicht aufgedreht. Der Tod war für uns ein irrsinniger Schock. ich habe auch alle Berichte in den Zeitungen aufgehoben.

OÖN: Aber auch für Sie lebt Jochen Rindt weiter?

Edinger: Ja, ich habe jetzt wieder alle Artikel in den Oberösterreichischen Nachrichten gelesen und erst vergangene Woche wieder das Album mit den Berichten von 1966 hervorgeholt und mit meinem Mann angesehen.

Kommentare
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Artikel 04. September 2010 - 00:04 Uhr
Von Gerhard Lukesch
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Irene Edinger und ihr Mann Georg sind bis heute große Fans. Die 85-Jährige kann sich noch an jedes Detail des Treffens erinnern.  Bild: petuely

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