Der Verdächtige war mit dem Auto seines Vaters ohne dessen Wissen nach Sattledt gefahren. Den Pkw stellte er auf einem Pendlerparkplatz ab, setzte einen schwarzen Motorradhelm auf und schlich 200 Meter durch einen Wald zur BP-Tankstelle. Er traf dort auf zwei Mädchen, die ein Mofa betanken wollten.
Der mit Helm und dunkler Sonnenbrille Getarnte setzte der 16-jährigen Sandra G. einen Gasrevolver an den Kopf und zwang sie, mit ihm in die Tankstelle zu gehen. „Er stürmte mit seiner Geisel auf die Kassierin zu, bedrohte sie ebenfalls und forderte Geld“, sagte ein Kriminalist den OÖNachrichten. Mit einigen hundert Euro Beute ergriff er die Flucht, das Mädchen ließ er vor der Tankstelle frei. „Die 16-Jährige ist nicht verletzt, aber schwer geschockt. Sie wird das Erlebte wohl länger mittragen. Sie wird psychologisch betreut“, sagt Hermann Feldbacher von der Sicherheitsdirektion.
Passanten liefen dem zunächst zu Fuß flüchtenden Räuber nach. Einer sprang ins Auto, folgte ihm und stellte seinen Wagen auf dem Pendlerparkplatz in Sattledt quer.
„Als der Täter das Fahrzeug des Verfolgers rammte, stürmte ein Augenzeuge auf das Auto zu“, sagte Sicherheitsdirektor Alois Lißl. Mit einem Maurerfäustel zertrümmerte der Zeuge die Seitenscheiben des Fluchtfahrzeuges (Lesen sie dazu untenstehendes Interview). Der Verdächtige gab daraufhin Gas und entkam mit dem Auto über eine Wiese. Indes war die Alarmfahndung der Polizei angelaufen. Dank Hinweisen von Zeugen wussten die Polizisten die Fluchtrichtung: Der Gesuchte war Richtung Ried im Traunkreis unterwegs.
Eine Streifenwagenbesatzung wurde auf den Wagen mit dem Kirchdorfer Kennzeichen und den eingeschlagenen Scheiben aufmerksam. Der Verdächtige fuhr mit Vollgas durch das Ortsgebiet von Ried im Traunkreis, die Polizei mit Blaulicht hinterher. Er bog schließlich von einem Schotterweg in ein Waldstück ab und flüchtete zu Fuß. Beamte der Polizeiinspektion Steinerkirchen konnten ihn einholen und festnehmen. Im Fluchtfahrzeug fanden sie den Gasrevolver.
Der Verdächtige, ein 26-jähriger Hilfsarbeiter aus Kremsmünster, wurde zur Polizeiinspektion Sattledt gebracht. Der Heroinabhängige legte ein Geständnis ab. Er dürfte laut Polizei für weitere Tankstellenüberfälle in Frage kommen.
Serie von Überfällen
Erst Sonntagabend gegen 21 Uhr war bei der Sattledter BP-Tankstelle ein mit einem Helm Getarnter aufgetaucht, aber vor verschlossenen Türen gestanden. Zwei Wochen zuvor hatte eine resolute Mitarbeiterin dieser Tankstelle einen mit Helm Maskierten in die Flucht geschlagen. Tags darauf hatte dieser dann eine Tankstelle in Kremsmünster überfallen. Tankstellenpächter Georg Ohrenberger sagte den OÖNachrichten: „Das ist jetzt der vierte Überfall auf eine meiner Tankstellen binnen drei Wochen.“
Denn in der Nacht auf Montag wurde eine Tankstelle Ohrenbergers in Wels überfallen. Die 43-jährige Kassierin wollte mit der Tageslosung zu ihrem Auto gehen, um sie zu einem Safe zu bringen. Ein Räuber entriss ihr die Geldkassette und fuhr mit seinem Wagen davon.
Der Tankstellenbetreiber zog nun die Konsequenzen: „Ein Sicherheitsdienst bewacht die Tankstelle in Sattledt ab sofort rund um die Uhr“, sagte Ohrenberger den OÖNachrichten. Der gestern überfallenen Kassierin in Sattledt gehe es „den Umständen entsprechend gut“.
...sagt doch immer, dass man sich als Zeuge nicht einmischen soll. Hätte die Polizei ohne den Zeugen mit dem Maurerfäustl den Täter erwischt? Sicher nicht! Trotzdem kann der beherzte Helfer in der Not mit einer Menge Schwierigkeiten rechnen und wird am Ende sogar härter angefasst als der Räuber.
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