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Oberösterreich

180. Geburtstag: Vom Kitsch und vom Kaiser

Hier werden Touristen zu Monarchisten: Wenn es für Bad Ischl eine Vorsilbe geben würde, dann lautete sie Kaiser-. Die kann man nämlich mit allem verbinden: dem Wetter, den Schöberln, der Torte und dem Bummel, der sich gestern durch den schmucken Kurort zog. Zum 180. Geburtstag von Österreichs vorletztem Monarchen hat Ischl wieder den roten Teppich ausgerollt. Und Tausende kamen. Immerhin urlaubte auch der Kaiser 60 Sommer hier in seiner Residenz. Und wo es dem Kaiser gefiel, kann es ja nur hübsch sein.

Nostalgisch verklärter Kitsch prangt heute in den Auslagen: Salzstreuer mit dem Konterfei des betagten Monarchen und der ewig jungen Sisi, daneben glitzernde Kühlschrankmagneten mit kleinen Krönchen und Einkaufstaschen mit Doppeladler. In Ischl riecht es eben nach Kaiserschmarrn und der guten alten Zeit. Hier werden die Uhren zurückgedreht. Um genau zu sein ins 19. Jahrhundert. Wobei man es mit den historischen Tatsachen dabei nicht immer so genau nimmt: So winkt das 81-jährige Kaiserdouble mit seiner 32-jährigen Elisabeth huldvoll aus der Kutsche zum Gaudium der anwesenden Touristen. So richtig stört der kleine Zahlensturz, der ordentlich durch die Geschichte wirbelt, aber niemanden. Im Gegenteil – man winkt zurück.

Eine kleine Zeitreise

In Ischl wird heute, am 18. August, traditionell der Kaiser-Geburtstag gefeiert: Mit Kaisermesse und allem Drum und Dran. Kutschen traben durch das schmucke Zentrum, die eine oder andere ist als feine Hofdame verkleidet, rückt sich dabei verstohlen und ein wenig nongalant die Perücke zurecht.

Aus den modernsten Musikanlagen dröhnt pochend die Kaiserhymne. Und so mancher Tourist wird spontan auch Monarchist, tänzelt ausgelassen im Takt entlang des roten Teppichs, der gestern quer durch ganz Ischl gelegt ist. Ob der bei diesem Wetter je wieder trocken wird?

Britische Urlauber diskutieren jedenfalls in der Kaiservilla lautstark über die Zimmergröße von Kaiserin Sisi im Vergleich zu jener der Queen: „Klein aber fein”, ist der Grundtenor. Zumindest aber der dünne Schnürlregen erinnert die drei Briten gestern an zu Hause.

Die Ischler selber haben nicht immer große Freude mit dem Tamtam um den Kaiser – ist doch die ganze Innenstadt für Autos abgesperrt. Doch einer darf überall durch: der Kaiser. Und für einen kurzen Augenblick weht wieder ein Hauch vergangenen Glanzes durch Ischl. In diesem Sinne: Es war sehr schön…

Auskunft: Die traditionelle Kaisermesse wird heute ab 10 Uhr in der Bad Ischler Stadtpfarrkirche gefeiert. Ab 9.30 Uhr beginnt die Aufstellung der Regimenter.

Kommentare
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Artikel 18. August 2010 - 00:04 Uhr
Von Christina Tropper
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Der Kaiser mit seiner ewig jungen Sisi winkt bis zum Abwinken den Touristen zu. Das Geschäft mit der Monarchie funktioniert jedenfalls: Kaiser-Souveniers sind beliebt.  Bild: Hörmandinger

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