Er fühlt sich in Oberösterreich daheim, obwohl seine Heimat das deutsche Rheinland ist. Seit elf Jahren lebt und arbeitet Matthias Giesen in St. Florian, im Stift, wo bis 21. August die BrucknerTage auch seine künstlerische Handschrift tragen. Seit dem Jahr 2002 ist Giesen gemeinsam mit Klaus Laczika künstlerischer Leiter der Konzertserie, in der die Tradition ebenso ihren Platz hat wie die zeitgenössische Sicht der Dinge. „Schubert und Bruckner“ lautet heuer das Motto.
Als 1999 ein neuer Stiftsorganist gefragt war, kam Giesen zum Zug, übersiedelte nach Oberösterreich und hatte keinerlei Anlaufschwierigkeiten. Das verwundert nicht. Als leidenschaftlicher Bergsteiger – „das wurde bei uns in der Familie immer gepflegt“ – war er hier lohnenden Gipfelzielen weit näher als in Boppard/Rhein, wo er aufgewachsen ist.
Zudem verfügt Giesen über eine angenehme Offenheit. Er ist ein pfiffiger Gesprächspartner, dem Selbstironie nicht fremd ist. Und er ist ein Typ, bei dem sein zweifelsohne im reichen Ausmaß vorhandenes Wissen nicht oberlehrerhaft daherkommt. Ihm ist wichtig, dass auch Unbedarfte in Ansätzen verstehen, welcher Zauber in der Musik von Anton Bruckner steckt. Diese Energie spürt man vor allem in der Stiftskirche. Giesen spürt sie und freut sich, wenn es ihm Zuhörer gleichtun.
Orgel und Klavier sind „seine“ Instrumente, eben „alles, was Tasten hat“. Als Stiftskapellmeister in St. Florian und als Unterrichtender an der Musikuniversität in Wien hat er viel zu tun. Und die BrucknerTage verlangen auch viel Aufmerksamkeit. Schließlich will der gute Ruf gehalten werden.
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