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Oberösterreich

Alltagsdinge: Schwimmen hat eine Geschichte

Schwimmen kann man heutzutage das ganze Jahr über. Aber in der Sommerhitze in einem der heimischen Seen oder Flüsse ist es immer noch ein unvergleichbares Gefühl der Freiheit und Erfrischung. Schwimmen beherrscht der Mensch nicht von Natur aus. Er muss es lernen. Die Verbreitung begann über das Militär.

Um 1800 wurden ausgehend von der Militärakademie in Wiener Neustadt an zahlreichen Orten Militärschwimmschulen eröffnet. Weil vorerst militärische Absichten dahinterstanden, war man an weiblichen Schwimmkenntnissen viel weniger interessiert. Zudem hatte man moralische Bedenken. Die Geschichte des Schwimmens, der Schwimmbäder und der Schwimmkostüme im 19. Jahrhundert spiegelt die Zerrissenheit der bürgerlichen Gesellschaft: Einerseits erkannte man die hygienischen, gesundheitlichen und touristischen Potenziale des Badens und Schwimmens, andererseits fürchtete man eine daraus entstehende Vermischung der Geschlechter und sexuelle Liberalisierung. Als 1831 in Wien eine erste Damenschwimmschule eröffnet wurde, natürlich mit für Frauen und Männer streng getrennten Schwimmbassins, wurde das von den Zeitungen, etwa dem „Wiener Zuschauer“, zwar durchaus zustimmend, aber mit recht süffisantem Unterton aufgenommen: „Es freut uns, dass seit mehreren Jahren unsere Damen Geschmack an der Erlernung des Schwimmens finden.

An der Schwimmkunst wollen wir ihnen gerne einen naturrechtlichen Antheil zugestehen; in diesem Bereich mag die Emancipationslust immerhin Fuß fassen und sie Terrain erobern soviel sie will …“ Da wollte man auch in der Provinz nicht nachstehen. Aber um die Sittlichkeit war man hier noch ängstlicher besorgt als im großstädtischen Wien. Man scheute den Zeitungsberichten zufolge „keine Auslagen und keine Opfer, um die Gebäude so einzurichten, dass allen, auch den strengsten Forderungen des Anstands und der Sittlichkeit Genüge geleistet wurde“.

Verheiratete Meister

Verheiratete, „in Jahren schon vorgerückte, in Moralität und Geschicklichkeit erprobte Schwimmmeister“ sollten den behördlichen Auflagen zufolge den Unterricht erteilen, und gleichzeitig sollten deren Frauen die Bedienung besorgen. Es sollte den Schwimmmeistern zur strengsten Pflicht gemacht werden, während der Unterrichtsstunden keinem männlichen Individuum, ohne Ausnahme, den Eintritt in die Anstalt zu gestatten. Heute ist Schwimmen den statistischen Erhebungen zufolge die beliebteste Sportart in Österreich. Mehr als die Hälfte aller österreichischen Frauen und Männer gehen schwimmen. Geschlechtsspezifische Unterschiede gibt es praktisch nicht mehr.

Kommentare
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Artikel 31. Juli 2010 - 00:04 Uhr
Von Roman Sandgruber
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Hinein ins kühle Nass!  Bild: Weihbold

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