In Oberösterreich waren im Vorjahr infolge von Wespenstichen mehrere Tote zu beklagen, Dutzende Menschen gerieten in Lebensgefahr und mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden, Rettungen und Feuerwehren hatten Hochbetrieb. Letztere in erster Linie bei der Entfernung von Wespennestern, die tausende dieser Insekten beherbergen.
Am 21. August 2009 war in den Oberösterreichischen Nachrichten unter dem Titel „Bereits drei Todesopfer nach Wespenstichen in 37 Tagen“ zu lesen: „Jener 62-Jährige, der vor eineinhalb Wochen in Pregarten von einer Wespe gestochen wurde, ist jetzt im Spital verstorben. Er ist der dritte Tote nach einem Wespenstich in diesem Sommer.“
Am 26. August hieß es: „Bei Arbeiten in der Küche des Gmundner Gasthauses ,Ramsau’ wurde der 33-jährige Jaroslav I. von einer Wespe in den Mund gestochen, als er sie beim Trinken übersah. Er musste mit dem Rettungshubschrauber ins LKH Gmunden geflogen werden.“
3000 Einsätze der Feuerwehr
Schon am 13. August, also in der Anfangsphase der Wespenplage, war zu lesen: „Während die Feuerwehren im Vorjahr 1848 Mal ausrücken mussten, um Wespen- oder Hornissennester zu entfernen, gab es heuer bereits 3000 Einsätze …“
Kleine Ursache mit fataler Wirkung also. Warum es immer wieder zu beklemmenden Situationen kommen kann, erläutert Fritz Gusenleitner, Leiter der Insektenabteilung am Biologiezentrum Linz: „Bei einem Stich werden Eiweißkomponenten injiziert, die bei vielen Menschen zu plötzlichen allergischen Reaktionen führen können. Die Stichstelle schwillt an, es kann zu Atemlähmungen und anderen schweren Reaktionen kommen.“
Laut Gusenleitner hängt es von der Immunreaktion jedes Einzelnen ab, ob er den Stich übersteht oder in Schwierigkeiten kommt: „Imker halten auch 40 Bienenstiche nahezu unversehrt aus, andererseits kann ein Zwei-meter-Mann, der in die Zehe gestochen wird, an einer Atemlähmung sterben.“
Gegenmittel verordnen lassen
In diesem Zusammenhang drängt sich gleich die Frage nach einer Prophylaxe auf. Der Apotheker Helmuth Schindler aus Kleinmünchen dazu: „Leute, die im Zusammenhang mit einem Insektenstich schon ein unangenehmes Erlebnis hatten, sollen sich unbedingt vom Arzt ein Mittel verordnen lassen und es stets bei sich tragen. Epipen zum Beispiel, in Spritzen dosiert, kann bei gefährlichen Situationen injiziert werden.“ Mit Salben oder Sprays könne man aber Wespen nicht abwehren: „Für solche Mittel sind sie zu groß.“
Nahrung für den Nachwuchs
Da erhebt sich die Frage, war-um denn die Wespen überhaupt auf Menschen losgehen. Gusenleitner: „Sie treten in den nächsten Wochen mit uns in Konkurrenz.“ Und zwar in Sachen Nahrungssuche, denn sie müssen ja sich selbst und ihren Nachwuchs verpflegen.
Mit Stoffen aus Süßigkeiten oder zuckerhältigen Getränken versorgen sie sich selbst. Ihren Nachwuchs, die Larven also, füttern sie mit tierischem Eiweiß, mit Insekten genauso wie mit Bestandteilen unseres Fleisches. Kein Wunder, dass sie daher überall dort, wo der Mensch auftischt, (ungebeten) zu Gast sind.
Deshalb müssen auch alljährlich die dringenden Empfehlungen wiederholt werden, gesüßte Getränke sowie Bier besonders im Freien abzudecken, vor dem Trinken genau ins Glas zu schauen und Kinder mit einem Strohhalm ihr Kracherl schlürfen zu lassen. Auch Obstkuchen gehören natürlich abgedeckt und vorsichtig gegessen. Denn gerade Stiche im Mundberich können zu Schwellungen mit fatalen Folgen führen.
Sollten größere Wespennester entdeckt werden, die sich in Mauernischen oder Erdlöchern befinden können, ist man schlecht beraten, diese mit dem Besenstiel zu bekämpfen. Da ist einmal mehr die Feuerwehr zu verständigen, die das nötige Fachwissen hat. Die Nester werden mit einem speziellen Insektengift besprüht, die Wespen sterben dadurch nach mehreren Stunden und können entsorgt werden.
Die natürlichen Wespenfeinde
Bei der Bekämpfung der Wespen helfen dem Menschen übrigens deren natürliche Feinde wie der Wespenbussard, Vögel wie der Neuntöter oder die Schlupfwespen, die ihre Eier in deren Larvenkammern ablegen und ihre „Wirte“ bei lebendigem Leibe auffressen.
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