Erich bewegt sich – gestützt auf eine Krücke – langsam die Bethlehemstraße hinauf. „Heast Bertl, renn ned so“, ruft er seinem vorauseilenden Kollegen hinterher. Sie führen eine Gruppe von Journalisten auf einer „Gratwanderung“. Der Verein Arge für Obdachlose ( www.arge-obdachlose.at) bietet unter diesem Titel seit 2003 Rundgänge an. Dabei zeigen von Armut betroffene Menschen Linzer Sozialeinrichtungen aus ihrer Sicht.
Ausgangspunkt des Fußmarsches ist die Redaktion der Kupfermuckn in der Marienstraße, wo Erich und Bertl mitarbeiten. Zehnmal jährlich erscheint die Zeitung. Bertl verkauft bis zu 300 Zeitungen pro Ausgabe, während sich Erich auf das Verfassen von Texten konzentriert. „I schreib nebenbei gråd an am Buch über mei Leben“, erzählt Erich. Es soll den Titel „Der Weg aus der Hölle“ tragen, wenn es fertig ist.
Nachrichten von unten
„Vielen Menschen sieht man die Armut gar nicht an. Wir versuchen zu helfen, bevor das Kraut ausgeschüttet ist“, sagt Kupfermuckn-Leiter Hans Zauner. Welche Probleme sozial Benachteiligte und Randgruppen beschäftigen, ist jeden Monat in den „Nachrichten von unten“ nachzulesen. Die Kupfermuckn ist neben dem Trödlerladen in der Bischofstraße das bekannteste Beschäftigungsprojekte der Arge.
Bertl führt die Gruppe vorbei am Wohnheim B37 in der Bethlehemstraße zur Starhembergstraße, wo sich eine B37-Außenstelle befindet: Vier Streetworker kümmern sich dort um jene, die den Gang in Sozialeinrichtungen scheuen. „Das sind sehr viele, weil Scham die größte Hemmschwelle darstellt“, sagt Hans Zauner.
Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich in der Dinghoferstraße die Wärmestube der Caritas. „I bin nur sehr selten då, weil i lieber ins Offnstüberl geh“, sagt Erich. In vielen Betreuungsstätten gibt es inzwischen Projekte, die auf die speziellen Bedürfnisse von Frauen abgestimmt sind. Zauner: „Die verdeckte Obdachlosigkeit bei Frauen erfordert besonders rasche Lösungen unsererseits.“
Vater und Sohn räumen Schulden-Hof nicht
Rekordgewinn: General Motors hat Pleitegeier verscheucht
Marc Janko: „Ich habe das Debüt genossen“
Sparpaket: Gewerkschafter stellen der Regierung die Rute ins Fenster